Eishockey-Exoten-Nation Australien: «Kängurus gehen nie rückwärts»

In Serbien kämpften Länder wie China, Australien oder Spanien um den Aufstieg in die Division 1B. Ein Blick auf die etwas andere Weltmeisterschaft.

Daniel Gerber
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Der Head Coach der Chinesischen Auswahl von der Swiss Ice Hockey Federation, Köbi Koelliker, rechts, während eines Trainings mit dem Chinesischen Eishockey Team des Projekt China. Bild (Urs Flüeler/Keystone)

Der Head Coach der Chinesischen Auswahl von der Swiss Ice Hockey Federation, Köbi Koelliker, rechts, während eines Trainings mit dem Chinesischen Eishockey Team des Projekt China. Bild (Urs Flüeler/Keystone)

Ein grosses Känguru prangt auf der Brust der Athleten aus Down Under. Auf die Bemerkung, dass ein Känguru auf der Brust aktiver wirkt als beispielsweise ein Ahornblatt, grinst Australien-Verteidiger Brian Funes (28): «Das ist so. Kängurus gehen nie rückwärts!»

Mit einem Sportler aus Australien kann man sich sogar auf Schweizerdeutsch unterhalten: Stürmer Kieran Webster (22) wuchs in Perth auf. Weil seine Mutter Schweizerin ist, verbrachte er aber ein Jahr in der Schweiz, wo er Eishockey in jugendlichen Jahren kennen und lieben lernte. «Zurück in Australien dachte ich, dass ich den Sport nicht mehr würde ausüben können», erinnert sich Webster. Doch dann entdeckte er das Team Perth Thunder unweit von seinem Wohnort. In der Saison 2017/18 kehrte er für eine Saison in die Schweiz zurück, wo er für den EHC Arosa angetreten war – ansonsten spielt er für Perth. «Eishockey wächst in Australien», mittlerweile werden die Spiele im Fernsehen übertragen.

Langfristig wollen die Australier in die Division 1B aufsteigen. In diesem Jahr errangen die Kängurus die Bronzemedaille hinter Goldgewinner und Aufsteiger Serbien sowie Kroatien.

China will nach ganz oben

Nach oben will auch China. «Eine Medaille ist unser Hauptziel», sagte Chinas finnischer Head-Coach Juha Nurminen. Auch im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2022 investiert China enorm. Etwa mit Spielern, die unter der Leitung von Köbi Kölliker in der Schweiz gecoacht wurden. Mit Verteidiger Gang Wang figurierte in Belgrad ein Hockey­aner aus dieser Schweizer Delegation im Kader. Doch zuletzt kämpfte China gegen den Abstieg statt um Medaillen – im Direkt­duell mit Belgien konnte aber der Ligaerhalt gesichert werden. In früheren Jahren fand sich China öfters in der Division 2B.

China verfügt über keine Liga, die Meisterschaft wird in ­jeweils wenigen Tagen in Turnierform abgewickelt. Hilfreich sei das KHL-Team Kunlun Red Star sowie deren zweite Mannschaft. «Bis zu den Winterspielen 2022 ist es nicht möglich, aus einem Division-2A-Team eine Top-Division-Mannschaft zu ­machen», sagt Nurminen. Doch in der nächsten Generation liege grosses Potenzial. Auch die Infrastruktur stimme: «Allein in Peking stehen rund zehn Eishallen, vor wenigen Wochen wurde die neuste eröffnet.»

Die Spieler, die in der serbischen Hauptstadt mit Herzblut um Puck, Medaillen, Aufstieg und ­Ligaerhalt kämpften, sind fast ausnahmslos Amateure. Kroatien-Captain Marko Tadic nach dem Derby gegen Serbien: «Die Geschichte unserer Länder ist schwierig.» Doch die Sportart, die in beiden Nationen nicht so populär ist, verbindet. «Neben dem Eis sind wir Freunde – aber auf dem Eis sind wir Sportler.» Zu diesen gehört auch Aleksa Lukovic. Der Name seines Vereins lässt aufhorchen: HC Prilly Black Panthers (2. Liga). «Ich stamme aus Serbien, studiere aber in der Schweiz. Mit Prilly anzutreten hilft mir, ein besserer Spieler zu werden.»

Positiv überraschte die Mannschaft aus Spanien. «Unser Ziel war es, in der Gruppe zu bleiben», sagt Assistenztrainer Maurizio Mansi, der in der Saison 2016/17 den EHC Olten trainiert hatte. Spanien war aus der Division 2B aufgestiegen. «Wir haben viele junge Sportler dabei, sieben Schlüsselspieler konnten aus verschiedenen Gründen nicht mitkommen.» Mit dem vierten Rang wurde das Ziel nun am letzten Turniertag an diesem Montag mehr als nur erreicht. «Wir arbeiten hart daran, dass dieser Sport in Spanien wächst.»

Alex Carbonell gehört zu den spanischen Spielern, welche für den FC Barcelona antreten. «Wir sind einer der grössten Sportclubs der Welt und in etwa zwanzig Sportarten vertreten.» Darunter auch im Eishockey. «Wir werden von den gleichen Ärzten versorgt wie die Fussballer», erklärt Carbonell.

Eishockey, WM Division 2A. Schlussrangliste (alle fünf Spiele): 1. Serbien 11 (Aufstieg in die Division 1B). 2. Kroatien 11. 3. Australien 10. 4. Spanien 8. 5. China 3. 6. Belgien 2 (Abstieg in die Division 2B).