Kanadas neuer Hunger

Die Schweiz enttäuscht in Prag an der Eishockey-WM immer wieder aufs Neue. Es geht auch anders: Kanada elektrisiert die Massen – und ist turmhoher Turnierfavorit.

Nicola Berger/Prag
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WM-Topskorer Taylor Hall hat reichlich Gelegenheit, mit seinen kanadischen Mitspielern zu feiern. (Bild: ky/Salvatore Di Nolfi)

WM-Topskorer Taylor Hall hat reichlich Gelegenheit, mit seinen kanadischen Mitspielern zu feiern. (Bild: ky/Salvatore Di Nolfi)

EISHOCKEY. Am 10. Januar 1910 hat Kanada sein erstes Länderspiel bestritten. In Les Avants nahe Montreux bezwangen die Kanadier die Schweiz mit 8:1. Es war der Startschuss zur bis heute andauernden globalen Dominanz, denn neun Olympiasiege und 24 WM-Titel lassen nur einen Schluss zu: Eishockey ist, wenn am Ende Kanada gewinnt.

Erstaunlich ist das nicht. Nirgendwo ist der Eishockeysport so verwurzelt wie zwischen Vancouver und Neufundland. Unter den 35 Millionen Einwohnern gibt es 721 504 lizenzierte Eishockeyspieler. Es ist das weltweit grösste Kontingent. Kanada steht nicht nur für Quantität, sondern auch für Qualität: Wayne Gretzky stammt aus Ontario, Sidney Crosby ist in Halifax aufgewachsen. Der 27jährige Crosby ist der beste Spieler seiner Zeit, in Prag zeigt er sein Können erstmals seit neun Jahren wieder an einer WM, nachdem die Saison der Pittsburgh Penguins erneut ein sehr frühes Ende genommen hat.

Fragezeichen um den Torhüter

Kanada ist mit dem besten WM-Kader seit langem nach Tschechien gereist – die Attraktionen neben Crosby heissen Taylor Hall, Claude Giroux sowie Tyler Seguin, Matt Duchene und Jason Spezza, die während des NHL-Lockouts von 2013 für Biel, Ambri respektive Rapperswil agierten. Einziger Schwachpunkt des Starensembles könnte die Goalieposition sein, es gibt Fragezeichen zur Verlässlichkeit von Mike Smith. Die Kanadier wirken darob wenig besorgt. In vier Spielen haben sie ebenso viele Siege eingefahren, 28 Treffer erzielt und das Publikum mit Offensivgeist begeistert, zuletzt beim 6:4-Sieg über Schweden. Am Sonntag spielen sie ab 20.15 Uhr gegen die Schweizer.

Am Sonntag gegen die Schweiz

Kanada wirkt erfolgshungrig. Das war nicht immer so in den vergangenen Jahren: Seit 2009 wartet Kanada auf eine WM-Medaille, ebenfalls seit sechs Jahren hat die Nation den Viertelfinal nie mehr überstanden, vergangenes Jahr setzte es zum Auftakt eine Niederlage gegen Frankreich ab. Die WM mag bei den kanadischen Profis nicht die höchste Priorität geniessen, dennoch ist die Bilanz für den Branchenprimus vernichtend. Heuer soll sich das ändern.

Jason Spezza Kanadischer WM-Spieler (Bild: Alessandro Della Bella)

Jason Spezza Kanadischer WM-Spieler (Bild: Alessandro Della Bella)

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