Fussball
Kampfansage in der 96. Minute: Der SC Obergeissenstein lebt noch

Der zweite Absteiger der 2. Liga regional wird nach dem Sieg von Obergeissenstein in der letzten Runde ermittelt. Nach der Niederlage des FC Altdorf in Willisau sind fünf Teams in den Abstiegskampf involviert.

René Barmettler
Drucken
Duell im Mittelfeld: Der OGaner Reto Albisser zieht an LSC-Spieler Eduard Qupi (rechts) vorbei.

Duell im Mittelfeld: Der OGaner Reto Albisser zieht an LSC-Spieler Eduard Qupi (rechts) vorbei.

Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 11. Juni 2022)

90 Minuten leiden. 90 Minuten kämpfen. Ein 0:0 ist zu wenig, dessen sind sich alle Anwesenden auf der Luzerner Wartegg bewusst. Das Stadtderby SC Obergeissenstein gegen den Luzerner SC geht in die Nachspielzeit. Fünf Minuten sind verstrichen, ein letzter weit und hoch geschlagener Ball fliegt in den Strafraum des LSC: Dort hebt Fabio Piattini ab, erwischt den Ball mit dem Kopf. Dieser fliegt unhaltbar für Goalie Noël Schweizer ins Netz zum 1:0.

Die OG-Spieler und Zuschauer sind nun aus dem Häuschen: Lang anhaltende Jubelschreie, einige wischen sich den Schweiss, nicht nur wegen der Hitze, von der Stirn. Die Angst vor dem Abstieg in die 3. Liga ist vorerst gebannt – allerdings nur bis zur letzten Runde am nächsten Samstag. Die Stadtluzerner treten in Hochdorf an und haben, trotz der Rangierung unter dem Strich, den Ligaerhalt in den eigenen Füssen.

Brisantes Direktduell Sarnen gegen Willisau

Die Ausgangslage präsentiert sich wie folgt:

– Siegt Obergeissenstein in Hochdorf nicht, steigt es ab.

– Siegt Obergeissenstein, steigt mit grosser Wahrscheinlichkeit Sarnen oder Willisau ab, die ein Direktduell austragen. Sarnen muss in diesem Fall gewinnen, denn es hat die meisten Strafpunkte.

– Siegt Obergeissenstein und remisieren Sarnen und Willisau, steigt Rothenburg ab, falls es gegen Regionalmeister Cham II verlieren sollte.

– Es kann auch noch Altdorf treffen. Aber nur im unwahrscheinlichen Fall, dass es gegen Emmen verlieren und gleichzeitig zu viele Strafpunkte kassieren sollte. Nicht gerade ideal: Altdorfs Goalie holte am Sonntag in Willisau (1:2) in der Nachspielzeit wegen einer Notbremse die rote Karte ab.

Bei all der Zuversicht, die nach dem Spiel des SC Obergeissenstein herrschte, ist man sich auf der Wartegg bewusst, dass es noch einmal eines Kraftaktes in Hochdorf bedarf.

«Entscheidend ist aber, dass wir in der letzten Runde noch dabei sind und um den Nichtabstieg kämpfen dürfen»,

zeigte sich SCOG-Trainer Marco Häfliger nach Spielschluss erleichtert.

Die Unsicherheit konnte der Tabellenvorletzte auch diesmal nicht kaschieren. Mit den wenigen guten Torchancen ging er fahrlässig um. Zu viele Spieler standen auf dem Platz, die sich Abstiegskampf nicht gewohnt sind. Häfliger beklagte während der gesamten Rückrunde zu viele Verletzte, aber auch Abwesende wegen Ferien oder Familienfeiern. Auch gegen den Luzerner SC waren A-Junioren auf dem Platz. Häfliger:

«Mir stand nicht einmal ein nomineller Stürmer zur Verfügung. Zum Glück für uns ging es für den LSC nicht mehr um viel.»

Aussenverteidiger wird in den Sturm beordert

Tatsächlich konnte man dem Luzerner SC nicht unterstellen, alles unternommen zu haben, um den SC Obergeissenstein zu bezwingen. Er begnügte sich, die oft unbeholfenen Angriffe des Heimteams zu unterbinden. Nur wenige Male musste SCOG-Goalie Jérome Hajnal eingreifen. Ab der 82. Minute agierten die Gäste in Unterzahl, weil sich der eingewechselte Emanuell Sakica ein Revanchefoul geleistet hatte. Kurz zuvor hatte Häfliger Fabio Piattini eingewechselt. Piattini, eigentlich ein Aussenverteidiger, wurde ganz nach vorne beordert. «Ich wollte unbedingt auf Sieg spielen lassen», begründete Häfliger diese Massnahme. Diese sollte sich mit Piattinis Kopftor schliesslich auszahlen.

Die am Sonntagabend bereinigte Rangliste zeigt auf: Mit einem Unentschieden wäre Obergeissenstein nach dem FC Stans der zweite Absteiger gewesen. Noch bleibt es der Hauptkandidat, der Gang ins Seetal wird alles andere als einfach – auch wenn es für Hochdorf um praktisch nichts mehr geht.

Marco Häfliger geniesst das Vertrauen seines Vereins dennoch: Im Wissen, womöglich nächste Saison in der 3. Liga zu spielen, wurde sein Vertrag vorzeitig verlängert.