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Djokovic's Kampf in der «Sauna» von New York

Auch bei grosser Hitze führt Novak Djokovic seine Serie am US Open fort: Er steht zum elften Mal hintereinander im Halbfinal. Nun will er den dritten Triumph.
Jörg Allmeroth, New York
Muss immer wieder Schweiss abwischen: Novak Djokovic. (Bild: Adam Hunger/AP Photo (New York, 5. September 2018))

Muss immer wieder Schweiss abwischen: Novak Djokovic. (Bild: Adam Hunger/AP Photo (New York, 5. September 2018))

In anderthalb Jahrzehnten hat Novak Djokovic schon viel erlebt in der Knochenmühle des Tennisbetriebs, oft ist die Tour quer durch die Zeitzonen und über die Kontinente ja auch eine Tortur. Aber die US Open 2018 werden dem geschmeidigen Serben, dem 13-maligen Grand-Slam-Champion, wohl in ewiger Erinnerung bleiben. Vielleicht eines Tages für das endgültig gekrönte Comeback dieser Saison, für einen weiteren Major-Titel nach dem schon errungenen Wimbledon-Pokal.

Aber ganz sicher für das, was sich bei diesem traditionell letzten Grand-Slam-Höhepunkt des Jahres abspielte, mit Hitzewellen, die alle Akteure in eine Tennis-Grenzerfahrung und an ihre absoluten körperlichen Limits zwang: «Das ist das härteste Turnier der letzten zehn Jahre», sagte der 31-Jährige nach seinem 6:3, 6:4, 6:4-Erfolg über den Australier John Millman im Schwitzkasten des Arthur-Ashe-Stadions. Wie schon in den letzten Tagen litten auch Djokovic und Millman in der Abendvorstellung des zehnten Wettbewerbstages unter extrem feuchter Hitze. Es war ganz so, als würde die Partie im Amazonas-Dschungel gespielt.

«Schwitze so sehr wie noch nie in meiner Karriere»

Beim 2:2-Zwischenstand im zweiten Satz erlebten die 24000 Zuschauer sogar ein Novum in der Grand-Slam-Geschichte, als Millman um eine Spielunterbrechung bat – der Australier kam durch seinen eigenen Schweiss auf dem Centre-Court-Boden ins Rutschen und wollte sich in der Umkleidekabine deshalb ein frisches Dress anziehen. Djokovic war es nur recht, auch er litt schwer unter den Bedingungen, keuchte und ächzte zwischen den Ballwechseln. Und so nahm der Serbe mit entblösstem Oberkörper auf der Pausenbank Platz, während Millman seinen Dress wechselte. «Ich schwitze hier selbst so stark wie noch nie in meiner ganzen Karriere», sagte Djokovic später. Vorgesorgt hatte er deshalb mit grossem Gepäck, mit allein zehn Tennishemden und einer ganzen Ladung Schuhwerk. «Aber es ist kein schönes Gefühl, so Tennis spielen zu müssen», sagte Djokovic, «es ist eine wahnsinnige Strapaze.» Inzwischen leiden Djokovic und Co. quasi unter dem Fluch der guten Tat – denn seit der Installation des «Regen-Schirms», des mobilen Dachs über der grössten Tennisarena der Welt, klagen die Profis über die mangelnde Luftzirkulation. «Du hast ein Gefühl, als ob du in einem Backofen bist», sagte selbst Matador Rafael Nadal, der Dienstagnacht knappe fünf Stunden lang Schweiss vergoss, bevor er Österreichs Ass Dominic Thiem niedergerungen hatte. Djokovic stimmte in die Klage ein, forderte die Turniermanager aber auch auf, über zeitnahe Lösungen für das Problem nachzudenken: «Vielleicht kann man grössere Ventilatoren einsetzen. Oder eine Art Klimaanlage», sagte er, «es ist hart, wenn du dauernd daran denkst, genug Luft zu kriegen. Oder dich sekündlich danach sehnst, den Schweiss loszuwerden.»

Djokovics sensationelle US-Open-Serie geht allerdings auch bei dieser aussergewöhnlichen Turnierauflage in der Open-Air-Sauna weiter. Mit dem Sieg über Millman, den stolzen Federer-Bezwinger, rückte der wiedererstarkte «Djoker» zum elften Mal hintereinander ins Halbfinal des amerikanischen Majors vor, er liegt damit auf Platz 2 in der ewigen Bestenliste hinter Jimmy Connors (14). Mehr kann noch kommen für ihn, der dritte Titel nach 2011 und 2015. Erst gilt es für ihn, im Halbfinal gegen Japans Crack Kei Nishikori zu gewinnen, dann im Endspiel gegen Rafael Nadal oder den Argentinier Juan Martin del Potro. «Jetzt will ich diese verrückte Reise auch zu Ende bringen», sagte Djokovic.

New York. US Open (53 Mio. Dollar/Hart). Männer. Viertelfinals: Djokovic (SRB/6) s. Millman (AUS) 6:3, 6:4, 6:4. Nishikori (JPN/21) s. Cilic (CRO/7) 2:6, 6:4, 7:6 (7:5), 4:6, 6:4. – Halbfinals: Nadal (1) – Del Potro (3), Nishikori (21) – Djokovic (6).

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