Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Kabalen und Friedensschlüsse

Im Sprintintermezzo zwischen zwei Pyrenäenetappen rettet der Franzose Arnaud Démare mit einem Etappensieg die Tour de France für seinen Rennstall Groupama FDJ – und ein wenig auch seine eigene Ehre.
Tom Mustroph, Pau
Triumphiert in der 18. Etappe: Arnaud Démare. (Bild: Kim Ludbrook/EPA (Pau, 26. Juli 2018))

Triumphiert in der 18. Etappe: Arnaud Démare. (Bild: Kim Ludbrook/EPA (Pau, 26. Juli 2018))

Ähnlich bedeutsam wie der Sieg auf der Place de Verdun in Pau war der Kommunikationserfolg, den Arnaud Démare (26) zuvor erzielt hatte. Nach einem Austausch von Daten über die Pyrenäenetappe vom Mittwoch löschte der deutsche Top-Sprinter André Greipel seine anklagende Twitter-Botschaft, in der er den Franzosen bezichtigt hatte, sich nur durch unsportliches Verhalten überhaupt bei der Tour zu befinden.

Greipel und auch andere Fahrer und sportliche Leiter hatten bereits auf den Alpenetappen vor allem Démare und den niederländischen Top-Sprinter Dylan Groenewegen verdächtigt, sich von Teamfahrzeugen die Berge hoch schleppen zu lassen.

Die Entschuldigung von André Greipel

Handfeste Belege in Form von Fotos und Videos gab es nicht. Nur Geldstrafen auf manchen Etappen, verhängt von der Jury, unter anderem auch gegen die Teams von Démare und Groenewegen. Indirekte Anhaltspunkte waren GPS-Daten der Veranstalter. Anhand dieser Daten formulierte auch Greipel seinen Protest. Nach dem Erhalt von Démares Leistungsdaten ruderte der Rostocker aber zurück. «Entschuldigung an Arnaud Démare. Ich hatte nicht das Recht, diesen Tweet auf Basis von GPS-Daten zu machen. Sie können falsch sein. Ich erhielt ausserdem falsche Zeiten für den letzten Berg. Das bedaure ich.»

Die Kontroverse Greipel vs. Démare war damit vom Tisch. Das Problem unerlaubter Hilfeleistung ist aber noch lange nicht gelöst. «Wir müssen uns fragen: Haben wir genug Kommissäre in einem Rennen wie der Tour de France? Sind sie geschult genug?», meinte Rolf Aldag, Performance Manager beim Rennstall des Rekordsprinters Mark Cavendish. Für Aldag besteht das grösste Problem auch nicht im Festhalten am Auto. «Démare wird nicht die ganze Etappe mit einer Hand am Auto gefahren sein. Da sind Hunderttausende Zuschauer, alle mit Handys. Wenn es so gewesen wäre, hätten wir 2000 Fotos davon gehabt», meinte er trocken. «Viel wichtiger ist die Barrage. Wann entschliessen sich die Kommissäre, die Autokolonne zu stoppen, damit kein distanzierter Fahrer vom Windschatten profitieren kann?», überlegte er.

Zur Grauzone ums Festhalten und Windschattenfahren hinter Fahrzeugen tragen auch die geringen Strafen bei. Wer erwischt wird, muss 200 Franken zahlen – ein lächerlicher Betrag, wenn man ihn riskieren muss, um nach den Etappen in den Bergen eine Sprintetappe zu gewinnen – erst recht, wenn dann das Konkurrentenfeld schon ausgedünnt ist.

Démare verhielt sich auf dem anschliessenden Interview-Parcours ähnlich geschickt wie im Sprintfinale. «Ich bin froh, dass sich die Anstrengung in den Bergen jetzt für mich ausgezahlt hat. Mein ganzes Team hat mich grossartig unterstützt, beim Sprintsieg wie beim Kampf gegen das Zeitlimit», sagte er und sprach noch einmal den Kommissären sein Vertrauen aus.

Groupama FDJ arbeitete tatsächlich den gesamten Tag und liess einer fünfköpfigen Ausreissergruppe nur einen geringen Vorsprung zwischen anderthalb und zweieinhalb Minuten. Den Sprint fuhr das Team dann nach Lehrbuch; es profitierte aber auch davon, dass der Frankfurter John Degenkolb das Hinterrad seines exzellent platzierten Anfahrers Jasper Stuyven verloren hatte. Gelb verteidigte Geraint Thomas ohne Probleme.

Tour de France

18. Etappe, Tire-sur-Baïse–Pau (171 km): 1. Démare (FRA) 3:46:50. 2. Laporte (FRA). 3. Kristoff (NOR). 4. Boasson Hagen (NOR). 5. Colbrelli (ITA). 6. Richeze (ARG). 7. Degenkolb (GER). 8. Sagan (SVK). 9. Phinney (USA). 10. Dupont (BEL). – Ferner: 22. Schär (SUI). 26. Küng (SUI). 27. Dumoulin (NED). 31. Thomas (GBR). 33. Froome (GBR). 42. Roglic (SLO). 46. Quintana (COL). 54. Dillier (SUI). 78. Frank (SUI), alle gleiche Zeit. – 146 Fahrer gestartet und klassiert.

Gesamtklassement: 1. Thomas 74:21:01. 2. Dumoulin 1:59 zurück. 3. Froome 2:31. 4. Roglic 2:47. 5. Quintana 3:30. 6. Kruijswijk (NED) 4:19. 7. Landa (ESP) 4:34. 8. Bardet (FRA) 5:13. 9. Martin (IRL) 6:33. 10. Fuglsang (DEN) 9:31. – Ferner: 48. Frank 1:31:42. 50. Küng 1:34:20. 82. Dillier 2:16:26. 92. Schär 2:25:37.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.