Juventus und Fiat: Die Symbole für ein Italien, das funktioniert

Dominik Straub, Rom
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Erfolgsmodell Am vorletzten Sonntag hat sich die «alte Dame» vorzeitig den sechsten Meistertitel in Folge gesichert. Ein weiterer Rekord eines Vereins, der den italienischen Fussball seit Jahren fast nach Belieben dominiert, nachdem er im Jahr 2006 noch wegen eines deftigen Schiedsrichterskandals in die Serie B zwangsrelegiert worden war. Die Erfolgsserie kommt nicht von ungefähr: Juventus Turin ist der einzige wirklich professionell geführte Verein der Liga, die sonst vorwiegend mit finanziellen Exzessen, narzisstischen Clubpräsidenten, baufälligen Stadien und gewalttätigen Fans Schlagzeilen macht. Zudem ist Juventus noch italienisch – im Unterschied zur Mailänder Konkurrenz, der AC Milan und Inter, die sich in chinesischem Besitz befinden. Der Verein gehört seit den 1920er-Jahren der Fiat-Familie Agnelli. Präsident ist seit 2010 Andrea Agnelli, Neffe des verstorbenen Fiat-Patriarchen Gianni Agnelli. Die sportliche Erfolgsserie ist zum wesentlichen Teil sein Verdienst – aber auch der des sportlichen Managers Giuseppe Marotta.

Auch Fiat-Chrysler geht es – trotz Problemen wegen möglicherweise manipulierter Dieselmotoren – glänzend: 2016 hat der von Sergio Marchionne geführte Konzern einen Rekordgewinn von 2,5 Milliarden Euro erwirtschaftet. Juventus und Fiat stehen für ein Italien, das funktioniert und prosperiert – ein Erfolgsmodell in einem Land, das sonst mit hoher Arbeitslosigkeit und wankenden Banken von sich reden macht.

Mit seinen landesweit rund zwölf Millionen Tifosi ist Juvenuts der mit Abstand populärste Fussballverein im Land. Auch dies ist auf die Verbindung mit Fiat zurückzuführen: Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte der Autobauer zehntausende Arbeiter aus dem Mezzogiorno angeheuert; auch im Club begannen Talente wie Franco Causio (Apulien) oder später Toto Schillaci (Sizilien) aus dem Süden mitzuspielen. Juventus gilt als gelungenes Integrationsmodell für interne Migrationsströme.

Juve-Fans im Norden und im Süden fiebern dem Final entgegen, zumal der letzte Gewinn der Trophäe über 20 Jahre zurückliegt. Für die meisten ist das Treffen wichtiger als ein WM-Final mit italienischer Beteiligung. Das Kribbeln im Bauch bleibt freilich auf die Tifosi der «alten Dame» beschränkt. Denn Juventus ist das italienische Pendant zu Bayern München: Man liebt den übermächtigen Verein oder man hasst ihn. Die gängige Bezeichnung der Nicht-Juve-Fans für die Juve-Anhänger in Italien lautet «juventini di merda». Eine Übersetzung erübrigt sich.

Dominik Straub, Rom