JUSTIZ: Dem System Ronaldo droht der Einsturz

Am Montag steht Cristiano Ronaldo wegen Steuerhinterziehung vor Gericht. Die Steueraffäre legt den Blick frei auf ein System unübersichtlicher Geldflüsse – bei denen der Spielerberater Jorge Mendes eine Hauptrolle spielt.

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Cristiano Ronaldo, hier vor einem Spiel am Confed-Cup in Russland, steht vor schwierigen Tagen. (Bild: Pavel Golovkin/AP)

Cristiano Ronaldo, hier vor einem Spiel am Confed-Cup in Russland, steht vor schwierigen Tagen. (Bild: Pavel Golovkin/AP)

Ein Unternehmen in Irland, eine Briefkastenfirma in der Karibik, ein Konto in der Schweiz: Durch dieses Geflecht hat der bestbezahlte Fussballer der Welt jahrelang Millionen an Werbeeinnahmen geschleust. Am Montag wird Cristiano Ronaldo deshalb in Madrid angehört. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Real-Superstar Steuerhinterziehung von rund 14,7 Millionen Euro vor. Ronaldo liess über seine Anwälte erklären, ein legales Konstrukt unterhalten, zumindest nicht absichtlich Steuern hinterzogen zu haben.

Gefährlicher Einfluss des Beraters Jorge Mendes

Nach der Anhörung wird sich entscheiden, ob dem 32-Jährigen der Prozess gemacht wird oder ob er noch einmal aus dieser Sache herauskommt. So oder so handelt es sich dabei aber nicht bloss um einen «Fall Ronaldo». Seine Steueraffäre legt den Blick frei auf die gigantischen Beträge, die im Fussball fliessen, auf die Gier der Protagonisten, auf den gefährlichen Einfluss seines Beraters Jorge Mendes. All das wird von der Internetseite «Football Leaks» sowie dem Magazin «Der Spiegel» seit Monaten enthüllt und in dem Buch «Football Leaks. Die schmutzigen Geschäfte im Profifussball» beschrieben.

Am 27. Juni sagte Mendes vor Gericht in Madrid aus. Er handle mit den Vereinen nur die Löhne seiner Spieler aus, für eine steuerliche Beratung habe er keine Zeit. Doch wer mit Ronaldo werben will, musste die Verträge bis 2014 mit einer Firma in Irland abschliessen. Mehrheitsaktionär dieser Firma: Jorge Mendes. Geschäftsführer: Mendes’ Neffe. Die Firma behielt nach Abschluss jedes Vertrages nur eine Provision für sich und leitete das Geld auf die Britischen Jungferninseln weiter. Dort sass eine Briefkastenfirma, die ein Konto in der Schweiz besass und an die Ronaldo bis 2014 seine Bild- und Werberechte abtrat. Mehr als 70 Millionen Euro flossen zwischen 2009 und 2014 in die Karibik.

Die «Football Leaks»-Enthüllungen zeigen: Hinter dem Modell Ronaldo steckt System. Im Juni wurde auch Startrainer José Mourinho wegen Steuerhinterziehung angezeigt. Sein Konstrukt: Eine Offshore-Firma in der Karibik. Sein Berater: Jorge Mendes. Kurz danach erschien auch Stürmer Radamel Falcao vor Gericht und zahlte an den spanischen Fiskus mehr als acht Millionen Euro nach. Sein Berater: Mendes. Da sind auch James Rodriguez, Pepe oder Angel di Maria: Sie alle spielten für Real, sie alle unterhielten eine Briefkastenfirma in der Karibik, sie alle werden beraten von: Mendes.

Berührungsängste mit dem früheren Video-Verleiher und Nachtclub-Betreiber hat im europäischen Fussball niemand. Mendes vermittelte zuletzt Rodriguez und Renato Sanches an die Bayern, Di Maria an Paris Saint-Germain, Nelson Semedo an Barcelona, André Silva an Milan. Laut «Football Leaks»-Enthüllungen dirigieren Mendes und der frühere Manchester-United-Direktor Peter Kenyon einen Fonds, der über Jahre an den Transferrechten von Fussballprofis beteiligt war und besonders an den Spielerverkäufen von Atletico Madrid partizipierte. 2014 und 2016 hiess der Champions-League- Final Real gegen Atletico. So viel zu Mendes’ Einfluss. Das neueste Modell des 51-jährigen Portugiesen: Geschäftspartner kaufen ganze Clubs auf und werden dann aus dem Portfolio des Agenten versorgt. So passiert mit Valencia oder den Wolverhampton Wanderers.

Es droht eine Haftstrafe für Ronaldo

Ronaldo und Mendes haben zuletzt viel versucht, um aus der Defensive zu kommen. Mal gaben sie sich demonstrativ gelassen, mal drohten sie mit Ronaldos Weggang von Real Madrid. Am Montag steht aber nicht nur ein Fussballer vor einer Richterin, sondern das gesamte System Ronaldo/Mendes auf dem Spiel. Im Fall eines Prozesses droht «CR7» eine Haftstrafe. Und dem gesamten Fussball ein riesiges Imageproblem. (sda)