Junge Herausforderer und neue Anzüge

Wenn die Skispringer am Wochenende in Klingenthal zur Wintersaison starten, muss Simon Ammann mit harter Konkurrenz aus dem eigenen Lager rechnen. Was die neue Saison zudem mit sich bringt: Starke junge Norweger und Materialanpassungen.

Ralf Streule
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SKI NORDISCH. Wenn der Schweizer Cheftrainer Martin Künzle vom Sommertraining seines Teams spricht, wird schnell deutlich: Die jungen Schweizer Skispringer haben den Abstand zu Teamleader Simon Ammann erheblich verkleinert. Vor allem der Luzerner Gregor Deschwanden sei in den Trainings sehr konstant gesprungen – und auch im Sommer-GP überzeugte er mit vier Top-Ten-Plazierungen. «Normalerweise dürfte für ihn der Sprung in die besten 30 der Welt kein Problem mehr sein», sagt Künzle. Dies erwarte er auch am kommenden Wochenende, wenn die Skispringer in Klingenthal in Sachsen antreten – am Samstag im Team- und am Sonntag im Einzel-Wettbewerb. Neben dem 23-Jährigen drängen auch andere Junge in Richtung Spitze. Gute Erinnerungen an Klingenthal hat der 19jährige Romand Kilian Peier, der dort mit einem 17. Platz in diesem Sommer auf sich aufmerksam machte. Er wird als dritter Schweizer für den Weltcup-Auftakt gesetzt sein. Wer den vierten Startplatz erhält, ist noch offen.

Sjoeen, das Talent aus Norwegen

Ammann, der laut Künzle mit «deutlich tieferem Grundniveau» durch das Sommertraining ging, wird auf seine Erfahrung zählen können und auf seine Fähigkeit, auf den Tag X hin bereit zu sein. Zuletzt hätten sowohl Deschwanden als auch Ammann bei einem Trainingsvergleich mit Spitzenspringern aus Polen und Deutschland mithalten können. Die internationalen Favoriten des Skisprung-Winters dürften bekannte Namen sein wie der Österreicher Gregor Schlierenzauer, der Pole Kamil Stoch oder der Slowene Peter Prevc. Neu auf der Rechnung stehen junge Norweger, vor allem der 18jährige Philipp Sjoeen, der im Sommer zwei Springen gewann. Allzu stark gewichtet Künzle die Leistungen aber nicht. «Erst im Winter zeigt sich, was die Resultate wert sind.»

Die neue Saison bringt auch materialtechnische Änderungen mit sich, welche die Sicherheit stärker in den Vordergrund rücken. Damit reagiert man unter anderem auf die schweren Stürze des Österreichers Thomas Morgenstern, der seine Karriere im Frühling beendet hat. Die zentralste Änderung betrifft die Anzüge: Die FIS kehrt zu grösseren und damit tragfähigeren Anzügen zurück. Mit den engen Overalls vergangener Saison war die Stabilität kleiner geworden, die Landung härter. Amman kommt die Änderung entgegen: «Für meine Telemark-Landung ist es von Vorteil.» Auch die erlaubte Dicke des Anzugs wurde leicht von vier auf sechs Millimeter vergrössert. Immerhin etwas hat sich im Bekleidungsreglement der FIS nicht verändert: Die Dicke der Unterwäsche bleibt auf höchstens drei Millimeter fixiert.

Rückenpanzer als Flughilfe?

Neu darf in diesem Jahr zudem ein Rückenpanzer getragen werden. Das österreichische Team hatte ein Obligatorium verlangt, kam mit der Forderung aber nicht durch. Viele Skispringer werden dennoch ohne Panzer starten. Ammann verzichtete auf Tests, da er sein an sich funktionierendes Flugsystem nicht in Gefahr bringen wollte. Deschwanden kam nach seinen Sprüngen mit Rückenschutz zum Fazit: «Die grössere Tragfläche hebt die Nachteile in der Aerodynamik nicht auf.» Dennoch ist laut Teamchef Künzle gut möglich, dass der Rückenpanzer Zukunft hat. «Sobald einer mit Panzer weit springt, werden andere nachziehen.»