Jolanda Neff, die Kämpferin

Am Sonntag könnte die Ostschweizer Mountainbikerin Jolanda Neff erneut Gesamtweltcupsiegerin werden. Im italienischen Val di Sole tritt die Rheintalerin aufgrund einer Hirnerschütterung jedoch angeschlagen an.

Raya Badraun
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MOUNTAINBIKE. Nichts steht Jolanda Neff vor ihrem zweiten Gesamtweltcupsieg noch im Weg. Würde man denken. Die Rheintalerin führt die Rangliste so deutlich an, dass ihr selbst noch ein 23. Rang für die Titelverteidigung reichen würde. Doch die 22-Jährige gibt sich vor dem Weltcupfinal vom kommenden Sonntag zurückhaltend. «Es wäre super, wenn ich es schaffen würde», sagt sie, um gleich ein Aber nachzuschieben. Einerseits sind da die Erinnerungen an die Schweizer Meisterschaft Mitte Juli. Vor dem Wettkampf kürten bereits alle Neff zur Siegerin im Cross Country. Wegen eines technischen Defekts musste sie sich am Ende jedoch mit dem zweiten Rang zufriedengeben. «Ein Sturz oder Defekt können einen immer stoppen», sagt Neff. «Egal, wie gut man in Form ist.» Und genau hier kommt das zweite Aber. Ihre Form.

Sieg trotz Hirnerschütterung

Vor bald drei Wochen zog sich Neff eine Hirnerschütterung zu. Der Grund war kein Sturz im Wettkampf oder Training. Die Verletzung passierte, als sie am Morgen zu schnell aufstand, ohnmächtig wurde und mit dem Kopf auf dem Steinboden aufschlug. Noch am gleichen Tag startete Neff im kanadischen Mont-Sainte-Anne zum «vielleicht verrücktesten Rennen, das ich jemals gefahren bin». Denn obwohl Neff während des Weltcuprennens immer wieder stürzte, sicherte sie sich am Ende den Sieg. Auch eine Woche später im US-amerikanischen Windham überzeugte sie und wurde Zweite. Gut ging es Neff aber nicht. Die Kopfverletzung hatte Spuren hinterlassen. Während der Rennen konnte sie diese so gut wie möglich ausblenden. Das Adrenalin hat da sicher geholfen. Während ihrer Zeit in den USA trainierte Neff aber kaum mehr.

Trotz der Probleme kam es für sie aber nicht in Frage, die Weltcuprennen abzusagen. «Es ging um den Sieg im Gesamtweltcup», sagt Neff. «Wäre ich nicht gestartet, hätte ich keine Chance mehr gehabt.» Zur verdienten Erholung kam sie schliesslich vergangene Woche nach ihrer Rückreise in die Schweiz. Doch lange hielt die junge Mountainbikerin nicht still. Bereits diese Woche absolvierte sie wieder Höhentrainings auf dem Berninapass.

Noch immer Kopfschmerzen

Jeden Tag gehe es ihr besser, sagt Neff. Zwischendurch hat sie jedoch immer noch Kopfschmerzen. Und auch der Formstand stimmt längst nicht. Aufgrund der verlorenen Trainings ist sie noch immer nicht auf dem gleichen Niveau wie vor der Hirnerschütterung. Doch Neff nimmt sich Zeit. Denn erste Priorität hat momentan nicht das letzte Weltcuprennen, sondern die Mountainbike-WM, die vom 1. bis am 6. September in Andorra stattfindet. In den nächsten Wochen möchte sich Neff auf dem Berninapass Schritt für Schritt an ihr früheres Level herantasten. Aus diesem Grund reist sie auch erst morgen zum Weltcupfinal ins italienische Val di Sole.

Normalerweise verbringt Neff deutlich mehr Zeit am Austragungsort der Wettkämpfe. An mehreren Tagen schaut sie sich dann die Strecke an und fährt den Parcours ab. Am Ende kennt sie jede Wurzel und jeden Stein, der ihr im Weg liegt. In Italien hat sie für diese Vorbereitung für einmal nur wenig Zeit. Etwas gibt ihr vor dem wichtigen Weltcuprennen aber wahrscheinlich Hoffnung. In den USA und Kanada ist Neff mit einem noch grösseren Handicap aufs Podest gefahren.

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