Joel Wicki siegt im Schnellgang auf dem Stoos

Mit einer Machtdemonstration holt sich der Sörenberger Joel Wicki auf dem Stoos den zehnten Kranzfestsieg. Für Schlagzeilen sorgt auch das erst 17-jährige Zuger Talent Noe van Messel.

Simon Gerber
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Geschafft: Joel Wicki jubelt nach seinem Schlussgangsieg gegen Sven Schurtenberger. (Bild: Sven Thomann/Freshfocus (Stoos, 10. Juni 2019))

Geschafft: Joel Wicki jubelt nach seinem Schlussgangsieg gegen Sven Schurtenberger. (Bild: Sven Thomann/Freshfocus (Stoos, 10. Juni 2019))

Sechs Gänge, sechs Siege: Dem Sörenberger Joel Wicki gelingt auf dem Stoos ein perfekter Wettkampf. Für keinen der sechs Gegner benötigte er mehr als eine ­Minute. Die vielseitige Technik und die Risikobereitschaft haben sich für den Entlebucher einmal mehr ausgezahlt. Wegweisend für ihn waren die Erfolge gegen die Eidgenossen Andreas Ulrich und Andi Imhof. In beiden Duellen führten die explosiven Kurzangriffe zum Ziel. Der Luzerner Schlussgang zwischen Wicki und Sven Schurtenberger wurde im Nebel ausgetragen, und nicht alle Zuschauer hatten Sicht auf den Sägemehlring. Und auch im letzten Kampf des Tages machte Wicki kurzen Prozess. Bereits nach gut 50 Sekunden legte er Schurtenberger mit einem kraftvollen Kurzzug platt ins nasse Sägemehl.

Damit wiederholte der Sörenberger den Stoos-Sieg von 2017. Gleichzeitig feierte der ­Baumaschinenmechaniker den 10. Kranzfestsieg und den 40. Kranzgewinn in seiner Karriere. Nach dem Wettkampf war ihm die Erleichterung anzusehen. Er war auch ein wenig sprachlos. «Es ist schon erstaunlich, dass ich nach einer langen Wettkampfphase alle sechs Gegner gewinnen konnte», resümierte Wicki. «Zu meinem grossen Vorteil glückte mir bereits der Start ausgezeichnet.» Jetzt werde er bis zum Innerschweizer Schwingfest eine dreiwöchige Wettkampfpause einschalten und herunterfahren. Der Formstand stimme und er werde die Mission Zug ­pickelhart weiterverfolgen.

Auch Schlussgangverlierer Sven Schurtenberger hatte abermals einen starken Auftritt. Nach einem optimalen Beginn tauchte er gegen den Nordwestschweizer Leader Nick Alpiger unerwartet schnell ins Sägemehl. Dennoch erreichte der Buttisholzer zum vierten Mal in dieser Saison den Schlussgang, konnte daraus aber wiederum keinen Profit schlagen. Enttäuscht und ohne Worte verliess er den Wettkampfplatz.

Reichmuth fehlte der Killerinstinkt

Nach den drei Kranzfestsiegen am Zuger, Urner und Luzerner lief für den bisherigen Saisondominator Pirmin Reichmuth nicht alles nach Wunsch. Bereits nach drei Gängen und noch vor der Mittagspause fiel der Zuger mit den beiden Unentschieden gegen Nick Alpiger und Marcel Mathis aus der engeren Entscheidung. Diese beiden Gegner liegen dem 23-Jährigen allerdings nicht. Am Schluss belegte er mit einem starken Notenblatt vier Eidgenossen dennoch den zweiten Platz. Er war nicht ganz zufrieden. «Heute fehlte mir etwas der Killerinstinkt und die Chancenauswertung war auch nicht optimal», hält der Student fest.

Der Sieg des erst 17-jährigen Noe van Messel im letzten Gang gegen den Berner Eidgenossen Patrick Schenk wurde von seinen Fans euphorisch gefeiert. Pirmin Reichmuth eilte ebenfalls zu ihm, um zu gratulieren. «Ich kann es noch nicht fassen, was ich geleistet habe», sagte Van Messel. «Dazu benötige ich wohl noch etwas Zeit. Es ist ein fantastisches Gefühl, gleich beim ersten Start an einem Bergfest den Kranz zu holen.» Das 110 Kilogramm schwere und 190 Zentimeter grosse Talent aus Oberägeri sorgte in dieser Saison bereits mit den drei Kranzgewinnen am Zuger, Urner und Ob- und Nidwaldner für Furore.

Das erste Bergfest der Saison blieb fest in der Hand der Innerschweizer. Einigen Favoriten gelang nicht alles nach Wunsch. Die beiden Schwyzer Andreas Ulrich und Mike Müllestein mussten lange um die Auszeichnung bangen. Ulrich gewann den 27. Bergfestkranz in seiner Karriere. Ohne Krönung verliessen die drei Eidgenossen Andi Imhof, Marcel Mathis und Reto Nötzli den Stoos. Von den fünfzehn Kränzen gewannen die Nordwestschweizer, welche mit ihrer Elite angetreten war, nur zwei und die Berner gar nur einen.

Stoos. Bergkranzfest (90 Schwinger, 3300 Zuschauer). Schlussgang: Joel Wicki (Sörenberg) bezwingt Sven Schurtenberger (Buttisholz) nach 50 Sekunden mit Kurz-Gammen. Rangliste: 1. Wicki 59,50. 2. Pirmin Reichmuth (Cham) 57,75. 3. Noe van Messel (Oberägeri) 57,25. 4. Schurtenberger, Nick Alpiger (Staufen) und Stefan Arnold (Attinghausen) je 57,00. 5. Werner Suppiger (Wauwil), Mike Müllestein (Steinerberg) und Patrick Räbmatter (Uerkheim) je 56,50. 6. Matthias Herger (Bürglen) und Marcel Bieri (Edlibach), je 56,25. 7. Andreas Ulrich (Gersau), René Suppiger (Sursee), Lutz Scheuber (Büren NW) und Lorenz Berger (Niederscherli) je 56,00; alle mit Kranz.