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Joana Heidrich: «Plötzlich habe ich alles hinterfragt»

Die Schweizer Beachvolleyballerinnen Joana Heidrich und Anouk Vergé-Dépré gewannen letzte Woche das Turnier in Moskau. Im Interview spricht die 27-jährige Heidrich über den Erfolg, aber auch über Selbstzweifel nach ihrer langwierigen Rückenverletzung.
Interview: Etienne Wuillemin und Alessandro Crippa
Der Block ist ihre Waffe: Joana Heidrich, hier während der EM in Moskau, in Aktion. (Bild: Keystone)

Der Block ist ihre Waffe: Joana Heidrich, hier während der EM in Moskau, in Aktion. (Bild: Keystone)

Vielleicht war es der grösste Erfolg ihrer gemeinsamen Karriere. Joana Heidrich und Anouk Vergé-Dépré siegten vergangenes Wochenende in Moskau erstmals auf der World Tour. Im Final bezwangen sie die Brasilianerinnen Taiana Lima/Talita Da Rocha Antunes in drei Sätzen. Es ist auch deshalb ein wichtiger Erfolg, weil der Sieg wichtige Punkte im Kampf um die Olympia-Teilnahme bringt. Zudem lancieren Heidrich/Vergé-Dépré das Duell um die Schweizer Vorherrschaft mit dem Duo Hüberli/Betschart (Rang 4 an der WM) neu.

Wie haben Sie den schönen Sieg gefeiert?

Joana Heidrich: Wir sind essen gegangen und haben uns ein Glas Wein genehmigt. Da es schon recht spät war und wir am nächsten Morgen früh raus mussten, sind wir bald einmal schlafen gegangen. Man wird ja nicht jünger (lacht).

An der EM, ebenfalls in Moskau, verpassten Sie eine Medaille knapp. Ist der Sieg nun eine Art Versöhnung?

Ja sicher, definitiv. Ich denke, dass wir an der EM unsere Fortschritte gesehen haben – auch wenn es nicht für eine Medaille gereicht hat. Der Sieg ist nun eine schöne Belohnung. Wir haben gezeigt, dass wir es noch können.

Sie verpassten die gesamte letzte Saison wegen einem Bandscheibenvorfall. Wie geht es dem Rücken nun nach zwei intensiven Wochen in Moskau?

Sehr gut. Ich bin selber positiv überrascht und hätte nicht erwartet, dass es so gut gehen würde. In den letzten drei Wochen habe ich noch einmal grosse Fortschritte gemacht und hatte nach den Belastungen weniger Probleme. Dadurch ist auch mein Selbstvertrauen wieder gestiegen.

Hatten Sie manchmal Zweifel, ob Sie noch einmal so gut werden wie in ihren besten Tagen?

Ich habe mir schon Gedanken gemacht, ob ich noch einmal auf dieses Niveau komme. Ich habe gemerkt, dass ich nicht mehr das Spiel spiele, das ich auch schon gespielt habe und dass ich mehr Mühe habe mit gewissen Bewegungen. Es ist normal, dass man nach einer Verletzung Zeit braucht. Dennoch habe ich mir überlegt, ob ich es noch einmal schaffe.

Wie sind Sie umgegangen mit diesen Gedanken?

Ich habe es auch laut ausgesprochen, auch mit unseren Mentalcoaches darüber geredet. Ich war ehrlich und habe gesagt, dass ich überfordert bin und dass es schwierig ist. Aber das haben alle verstanden. Die Coaches und das Team haben mir gesagt, dass das normal sei, ich einfach weiter an mich glauben müsse und geduldig bleiben solle.

Wie würden Sie auf die beiden Grossanlässe WM und EM zurückblicken?

Wir haben an der WM gut gespielt und am Ende auch mehr gewollt als den neunten Rang, den wir erreicht haben. Aber schlussendlich war es auch ein gutes Resultat, wenn man bedenkt, woher wir kamen. Danach ist es zwischenzeitlich wieder schlechter gelaufen und dort hat das Hadern begonnen. Man hat alles hinterfragt. Es war deshalb wichtig, dass wir vor der EM an den kleinen Dingen gearbeitet haben. Es war schön, dass es auf die EM hin wieder besser gelaufen ist. Das hat uns aufgezeigt, was möglich ist.

Die schweiz-interne Konkurrenz ist mit dem Duo Hüberli/Betschart gross. Wirkt das beflügelnd?

Für den Schweizer Beachvolleyball wäre es sicher wichtig, wenn sich beide Teams für die Olympischen Spiele qualifizieren. Nur schon deswegen ist es gut, dass es zwei starke Teams im Land gibt. Weitere interne Konkurrenz haben wir mit Blick auf Olympia nicht. Wir profitieren sicher voneinander in den gemeinsamen Trainings – vor allem im Winter. Für mich ist der Konkurrenzkampf mit den Schweizer Mädels aber nicht so wichtig gewesen. Als ich von der Rückenverletzung zurückkam, hatte ich genug mit anderen Konkurrentinnen zu tun, damit wir Spiele gewinnen konnten. Dieses Jahr haben wir zudem nie gegen Hüberli/Betschart gespielt. Wenn es aber so weit kommen sollte, wollen wir natürlich gewinnen.

Welche Turniere stehen für Sie noch an?

Das Finale der Beachtour in Rom (4. – 8. September, Anm. d. Red.) ist auf dem Plan. Dann spielen wir Mitte September noch ein Qualifikationsturnier in China, für das sich 15 Nationen qualifiziert haben. Dort treten wir als Schweiz an und können wir uns einen Olympia-Startplatz sichern.

Wie sieht der generelle Fahrplan Richtung Olympia 2020 aus?

Zunächst wollen wir diese Olympia-Quali schaffen. Dieser Sieg in Moskau hat uns extrem geholfen. Es geht nun darum, an den Leistungen, die wir erbracht haben, anzuknüpfen und uns weiterzuentwickeln. Wir haben gezeigt, dass wir ein sehr gutes Team sind und dass wir zurück sind.

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