Langlauf
Der Toggenburger Beda Klee vor einer ungewissen Saison: «Jetzt laufen wir einfach mal los»

Der Toggenburger Beda Klee startet in Ruka in eine Saison, in der wegen des Virus vieles ungewiss ist.

Ralf Streule
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Beda Klee schwankt zwischen Saisonvorfreude und Respekt vor der Weltcup-Reiserei.

Beda Klee schwankt zwischen Saisonvorfreude und Respekt vor der Weltcup-Reiserei.

Bild: Anders Wiklund/AP (Östersund, 15. Februar 2020)

Es ist nichts zu machen: Auch in diesem Text wird das Coronavirus ein Hauptdarsteller sein. Wobei es ja eigentlich um Beda Klee geht, um den 24-jährigen Wattwiler, der in Davos trainiert und wohnt, und der in den vergangenen zwei Saisons im Schweizer A-Kader der Langläufer Fuss gefasst hat. Der Toggenburger könnte – mit viel positivem Denken – dem Virus ja sogar einen Dank aussprechen. Als Corona Anfang März die Saison lahmlegte, konnte Klee mit viel Selbstvertrauen nach Hause reisen. In Lahti war er bei seinem letzten Saisonauftritt mit der Schweizer Staffel auf den zweiten Rang gelaufen; ein Husarenstück, bei dem Klee als Startläufer seines beitrug.

Tatsächlich habe er viel Motivation mit ins Sommertraining mitgenommen, sagt Klee. Auf Rollski war er oft unterwegs, er schwitzte im Kraftraum (coronabedingt in Vierergruppen) und absolvierte intensive Intervalltrainings.

«Ich fühle mich explosiver als noch vor einem Jahr»

Unter dem Esten Kein Einaste, der im Frühjahr die Trainingsgruppe um Dario Cologna, Jonas Baumann, Roman Furger und Beda Klee übernommen hat, habe er neue Impulse erhalten. «Ich fühle mich explosiver als noch vor einem Jahr.» Was nicht heisse, dass er zum Sprint-Spezialisten geworden sei. «Aber in der Schlussphase eines Rennens erhoffe ich mir schon, eher noch zulegen zu können.» Und so steigt er dieses Wochenende im finnischen Ruka mit viel Mumm in die Saison. Die fünf Top-30-Ergebnisse des vergangenen Winters will er überbieten. Und die Hoffnung auf ein Top-Ten-Ergebnis schwingt auch mit. «Es ist schwer einzuschätzen, wie fit ich im internationalen Vergleich bin.»

Ungewissheiten gibt es auch andere. Bisher wurden zwar erst die Rennen in Lillehammer von kommender Woche verschoben – doch niemand weiss, ob die Saison mitten in der Coronapandemie überhaupt richtig Fahrt aufnehmen wird. «Jetzt laufen wir einfach mal los», sagt Klee. Er erklärt aber auch, dass Respekt vor den vielen Reisen mitschwingt. 14 Weltcup-Orte stehen auf dem Programm. Die Idee, wie die Biathleten gewisse Destinationen auszulassen dafür, an anderen Orten zweiwöchige Rennphasen zu absolvieren, verwarf der internationale Verband FIS. Dies bedauert Klee. Denn je mehr Reisen anstehen, desto grösser ist die Gefahr einer Coronainfektion. Eine solche könnte für Profi-Ausdauersportler schlimme Folgen haben, auch bei einem weitgehend milden Verlauf, sagt Klee. «Die Langzeitfolgen für die Lunge sind schwer abzuschätzen.» Er wisse, dass die Schutzkonzepte gut seien und alle aufpassen. Dennoch: «Die Reiserei birgt Risiken.» Ähnlich denken viele andere Athleten, besonders in den skandinavischen Teams ist von Sportlern zu hören, die mehrere Weltcup-Reisen auslassen werden – wegen Corona, aber auch hinsichtlich der WM Ende Februar in Oberstdorf.

WM-Staffel-Rennen ist Klees grosses Ziel

Klee hofft trotz der schwierigen Vorzeichen auf eine Saison ohne viele Rennausfälle. «Das Sommertraining soll nicht vergebens gewesen sein.»

Ein erster Höhepunkt für Klee wird das Weltcup-Wochenende Mitte Dezember in Davos sein, ein zweiter der Tour-de-Ski-Auftakt im Val Müstair: Er freut sich auf zwei Anlässe in der Heimat, auch wenn dabei kaum Zuschauer mit dabei sein werden. An der WM in Oberstdorf schliesslich hofft Klee auf mehrere Einsätze, die Staffel ist für ihn eines der grossen Ziele. Er möchte zum Vierergespann gehören, das im besten Fall um eine Medaille kämpfen kann. «Daran arbeite ich. Aber Druck mache ich mir nicht.» Es kommt in diesem Winter vielleicht sowieso alles anders.