Der höchste Ostschweizer Regionalfussballer sagt nach dem Saisonabbruch: «Jetzt können wir planen»

Der Präsident des Ostschweizer Fussballverbands, Stephan Häuselmann, über die überwiegend negativen Folgen des SFV-Entscheids.

Interview: Ives Bruggmann
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Ausgespielt: Max Ammann vom FC Frauenfeld gegen Sirnachs Okan Aykac.

Ausgespielt: Max Ammann vom FC Frauenfeld gegen Sirnachs Okan Aykac.

Bild: Mario Gaccioli

Bereits am 18. April haben die 13 Regionalverbände in einem Antrag den Saisonabbruch gefordert. Der Schweizerische Fussballverband (SFV) hatte den Entscheid zuerst vertagt, schliesslich aber am Donnerstag die Saison in allen Amateurligen annulliert.

Der Zentralvorstand des SFV ist dem Antrag der Regionalverbände gefolgt. Sind Sie damit zufrieden?

OFV-Präsident Stephan Häuselmann

OFV-Präsident Stephan Häuselmann

Reto Martin

Stephan Häuselmann: Der Entscheid, eine Saison abzubrechen, fällt nicht leicht. Wir hätten es auch lieber anders gehabt. Uns ging es darum, Klarheit für die Vereine zu schaffen. Ein solcher Antrag muss korrekt sein, in allen Belangen. Dass der Entscheid des SFV nun dem gestellten Antrag entspricht, zeigt, dass wir unsere Arbeit gemacht haben. Alle 13 Regionalverbände haben in unzähligen Sitzungen die Reglemente sowie die juristischen Fragen geprüft.

Weshalb dauerte es so lange, bis der Entscheid fiel?

Dem SFV lag ein juristisches Gutachten vor mit Fragen, die zu jenem Zeitpunkt noch nicht geklärt waren. Deshalb war es nachvollziehbar, dass der Entscheid nochmals vertagt wurde. Zudem hat ja der Bundesrat noch gewisse Massnahmen im Bereich Sport in Aussicht gestellt. Der Zentralvorstand des SFV strebte des Weiteren eine einheitliche Lösung für alle Abteilungen an, also auch für die Promotion League, 1. Liga und 2. Liga interregional bei den Männern sowie NLA und NLB der Frauen.

Was bedeutet der Entscheid für den Ostschweizer Fussballverband?

Positiv ist: Es herrscht nun Klarheit. Wir können jetzt planen. Am kommenden Dienstag beginnt die Wettspielkommission mit der Planung der nächsten Saison. Es sollen jedoch zwei Varianten ausgearbeitet werden. Eine mit dem regulären Meisterschaftsstart Mitte August und eine mit einem Beginn per Anfang September. Damit wir bereit sind, wenn der Bundesrat am 27. Mai über die weiteren Massnahmen entscheidet.

Was sind die negativen Folgen des Saisonabbruchs?

Wie unsere 140 Vereine haben auch wir mit finanziellen Einbussen zu kämpfen.

Dem Ostschweizer Fussballverband fehlen aufgrund des abgebrochenen Spielbetriebs hochgerechnet Einnahmen von 300'000 bis 400'000 Schweizer Franken.

Das ist nicht angenehm. Bei uns gilt absoluter Ausgabestopp und Kurzarbeit. Offen ist auch, ob der SFV und die Liga die Betriebsbeiträge an uns kürzen. Wenn das geschieht, sieht es nicht gut aus.

Was bedeutet der Abbruch für die Vereine?

Was mich in unserem Vorgehen bestärkt: Die Vereine haben den Entscheid sehr sportlich aufgenommen. Auch solche, die eigentlich dagegen waren. Bis zum jetzigen Zeitpunkt haben wir nur positive Feedbacks erhalten. Aber es ist uns auch klar, dass gewisse Vereine in finanzielle Schwierigkeiten kommen werden. In gewissen Bereichen können die Clubs aufgrund des fehlenden Spiel- und Trainingsbetriebs aber auch Einsparungen machen. Wichtig ist, dass wir alle solidarisch miteinander sind. Wir sitzen alle im selben Boot und müssen nach vorne schauen.

Wie geht die Arbeit im OFV nun weiter?

Einerseits ist da die Planung der neuen Saison, andererseits zieht der Saisonabbruch noch viele juristische Fragen nach sich. Ein Beispiel: Was passiert, wenn eine Mannschaft freiwillig absteigen will? Entschieden wurde ja, dass es weder Auf- noch Absteiger gibt. In diesem Stil gibt es viele offene Fragen, die wir nun anhand der Reglemente beantworten müssen.

Der SFV hat ein Schutzkonzept erstellt, damit ab dem 11. Mai wieder trainiert werden kann.

Bereits zehn Minuten nach der Ankündigung des Bundesrats, dass Trainings in Kleingruppen ab 11. Mai wieder möglich seien, hatte ich die ersten E-Mails im Postfach. Es liegt bereits ein Entwurf eines Sicherheitskonzepts vor. Der SFV hat dieses mit Fachpersonen ausgearbeitet. Nun wird das von einer Fachgruppe des Bundesamtes für Gesundheit und des Bundesamtes für Sport geprüft. Das Schutzkonzept soll gesamtschweizerisch gelten. Wichtig ist, dass nun die nächsten Schritte in die Normalität folgen.