Kommentar

Jetzt ist es deutlicher denn je: Der frühere Präsident Bernhard Heusler hat beim FCB Phänomenales geleistet

Die wirtschaftliche Situation beim FC Basel spitzt sich weiter zu. Nach 2018 schrieb der einstige Ligakrösus auch 2019 einen Verlust von 20 Millionen Franken. Ende Jahr dürften die einst 60 Millionen Reserven, die Präsident Bernhard Burgener von Heusler geerbt hatte, aufgebraucht sein.

François Schmid-Bechtel
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CH Media

Irgendwann hatten Meisterfeiern fast ordinären Charakter. Selbst Menschen mit einem rotblauen Herzen gewöhnten sich an Titel und Siegesserien, an unvergessliche Europacup-Auftritte und atemberaubend hohe Ablösesummen für die Helden im FCB-Dress.

Ja, die Zeit mit Bernhard Heusler als Präsident war einzigartig in der Geschichte des Schweizer Fussballs. Aus einem Betrieb, der eigentlich verlustträchtig war, wurde ein florierendes Unternehmen. Denn es gelang, was kaum jemand für möglich gehalten hatte: Im chronisch defizitären Schweizer Fussball Gewinne zu erzielen. Allerdings wurden die Führungsverantwortlichen nicht müde zu betonen, dass diese Gewinne letztlich den Erfolgen des Teams zu verdanken waren, also nur bedingt budgetiert werden konnten. Heute, drei Jahre nach dem Führungswechsel, ist vieles anders. Nun ist die sportliche Dominanz weg – die letzten beiden Meistertitel gingen nach Bern. Weg ist auch die wirtschaftliche Stabilität – der FCB schrieb die letzten beiden Jahre insgesamt 40 Millionen Franken Verlust.

April 2017, kurz vor dem Rücktritt: Bernhard Heusler feiert seinen achten und letzten Meistertitel als FCB-Präsident.

April 2017, kurz vor dem Rücktritt: Bernhard Heusler feiert seinen achten und letzten Meistertitel als FCB-Präsident.

Philipp Schmidli

Wahrscheinlich wünschten sich viele Basler eine Rückkehr von Heusler & Co. Leisten kann er sich das nicht. Obwohl der Klub seit der Übernahme durch Bernhard Burgener an Wert verloren hat. Denn ein erfolgreicher FCB ist günstiger als ein erfolgloser. Falls der Geschäftsgang so weitergeht, sind Ende Jahr die einst 60 Millionen Reserven aufgebraucht. Es bräuchte also jährliche Einschüsse der Aktionäre von etwa 20 Millionen, allein um den Status quo zu wahren.

Um heute genügend Geld auf der Kante zu haben, hätten die alten Aktionäre bei ihrem Abgang das beste Angebot annehmen müssen, statt den Klub bewusst in Basler Hände zu übergeben.

Bernhard Burgener übernahm im Sommer 2017 die Führung beim FCB. Sein Ziel, die Kosten zu senken, hat er bislang nicht erreicht.

Bernhard Burgener übernahm im Sommer 2017 die Führung beim FCB. Sein Ziel, die Kosten zu senken, hat er bislang nicht erreicht.

Freshfocus

Es gibt Menschen, die Heusler eine Mitverantwortung für die aktuell prekäre Lage beim FCB anlasten und ihm vorwerfen, er hätte einen aufgeblähten Apparat übergeben. Das ist realitätsfremd, allein schon, wenn man bedenkt, dass wohl nicht mehr als zwei, drei Spieler mit Verträgen der alten Führung ausgestattet sind. Heusler selbst hatte stets betont, einen Klub mit Ambitionen zu führen, sei «an der Kante zu nähen». Sprich: Mit Risiko den maximalen Triumph anzustreben. Das ist aufgegangen. Soll man ihn für den Erfolg kritisieren?