Jetzt braucht es Spielpraxis

Nach der Rückkehr aus Luxemburg blickt Ottmar Hitzfeld auf das abgelaufene Länderspieljahr zurück. Noch sei sein Team für die WM-Qualifikation nicht bereit, sagt der Nationalcoach. Gefragt sind mehr Sicherheit und Präzision im Spiel.

Thomas Werner/Zürich
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Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld stellt sich den Fragen der Journalisten. (Bild: ky/Walter Bieri)

Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld stellt sich den Fragen der Journalisten. (Bild: ky/Walter Bieri)

FUSSBALL. Die Zahlen sprechen für Ottmar Hitzfeld und seine Mannschaft: Von neun Spielen im Jahr 2011 – davon fanden sieben im Ausland statt – haben sie nur eines verloren. Diese eine Niederlage führte allerdings dazu, dass die Schweizer am Dienstag nicht im wohl ausverkauften Basler St.-Jakob-Park ein Barrage-Rückspiel gegen Tschechien bestreiten konnten, sondern sich vor 825 Zuschauern im Josy-Barthel-Stadion in Luxemburg abmühen mussten.

So steht bei Hitzfeld nach wie vor die Enttäuschung über die verpasste EM-Qualifikation über all seinen Gedanken zum abgelaufenen Länderspieljahr. Nicht nur um etwas Abstand zu gewinnen, sondern auch weil noch viel Arbeit vor ihm liegt, ist der Nationalcoach froh, dass bis zum Start der WM-Qualifikation noch einige Monate vergehen werden. «Wir sind noch nicht bereit. Wir brauchen die vier oder fünf anstehenden Testspiele», sagte Hitzfeld unmittelbar nach der Rückkehr aus Luxemburg. «Unsere Jungen benötigen weitere Spielpraxis aus internationalen Begegnungen, um zu mehr Sicherheit und Präzision im Spiel zu finden.»

Suche nach Toren

Sicherheit und Präzision hat der Nationalcoach vor allem bei der 0:2-Niederlage in Wales schmerzlich vermisst. Wenn sich die Mannschaft in diesen Bereichen steigern könne, dann steige das Selbstvertrauen und dann komme sie auch wieder einfacher zu Toren, ist Hitzfeld überzeugt. Es brauche auch etwas Geduld. Zudem hoffe er, dass der eine oder andere Spieler vor dem gegnerischen Tor einmal «explodiere». Wichtig sei deshalb gewesen, dass Granit Xhaka in Luxemburg erstmals im Nationalteam getroffen habe. «Schade war, dass dies Admir Mehmedi bei seiner Gelegenheit in Holland nicht geglückt ist.» Xhaka und Mehmedi spielen eine wichtige Rolle in Hitzfelds Planung. «Beide sind vielseitig einsetzbar.» Auf ein System festlegen will sich der 62-Jährige nicht. Es gebe lediglich eine Grundformation, dann entscheide sich auf dem Platz, was passiere. Mit Spielern wie Xhaka, Mehmedi und Xherdan Shaqiri biete sich die Möglichkeit, «flexibel zu bleiben und ein System auch einmal während eines Spiels zu ändern».

Regelmässige Einsätze

Dieses junge Trio, das bereits zum Stamm des Nationalteams gehört, würde aber natürlich auch der Olympiaauswahl für London gut anstehen. «Es ist noch zu früh für einen Entscheid in dieser Angelegenheit», so Hitzfeld. Vor allem auch, weil die Clubs in diese Problematik involviert seien.

Wichtiger ist für ihn die Antwort auf die Frage, wie sich die jungen Nationalspieler in ihren Vereinen weiterentwickeln. Er macht keinen Hehl daraus, dass er es lieber sähe, wenn sie noch ein, zwei Jahre in der Schweiz blieben und erst als im Club und im Nationalteam etablierte Spieler den Sprung ins Ausland wagten. «Wir brauchen Spieler, die regelmässig zum Einsatz kommen und regelmässig in ihren Clubs treffen. Wo sollen sie es denn sonst lernen?» Eine wichtige Antwort hat Hitzfeld aber gefunden: «Ich bin froh, dass wir den richtigen Entscheid getroffen haben und nun auf junge, talentierte Spieler setzen.»