Jens Steiners «Carambole»

GOTTLIEBEN. Dieser Buchpreis gab zu reden: Ist das Buch spektakulär genug für den Schweizer Buchpreis? Wer «Carambole» liest, begreift, dass uns Jens Steiner ein verkehrtes Spektakel präsentiert: ein Dorf, drei Jugendliche, «um die das Leben einen Bogen macht».

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Gottlieben. Dieser Buchpreis gab zu reden: Ist das Buch spektakulär genug für den Schweizer Buchpreis? Wer «Carambole» liest, begreift, dass uns Jens Steiner ein verkehrtes Spektakel präsentiert: ein Dorf, drei Jugendliche, «um die das Leben einen Bogen macht». Aber gerade in diesem Bogen drin passiert es: Da liegen sie im Gras eines Nachbarn, einer malt sich eine Entführung aus, dem andern geht der Adamsapfel auf und ab, und all die geheimen und halben Gedanken scheinen fein verbunden mit den Bewegungen einer Frau auf dem Trottoir, mit einem Hund, vielen Katzen und dem Rotz in der Nase. Jedes Kapitel zeigt eine neue Szene, eine neue Hauptfigur lässt das Dorf für einen Moment kenntlich werden. Eine unspektakuläre Agglomeration wird so zum reichhaltigen Gefüge. Das ist das Spektakel dieses Romans. Von Szene zu Szene entwickeln sich auch Geschichten, die dieses Dorf verbinden und den Leser langsam zum Mitwisser einiger Abgründe werden lassen.

Jens Steiner, 1975 in Zürich geboren, hat Germanistik und Philosophie studiert. Er war Lektor beim rotpunktverlag, publizierte dann seinen ersten Roman «Hasenleben», für den er den Förderpreis der Schweizer Schillerstiftung erhielt. Mit seinem zweiten Roman «Carambole» gewann er den Schweizer Buchpreis 2013. Jens Steiner lebt als freier Autor in Zürich.

Nach seiner Lesung in Konstanz vor wenigen Tagen, die Gymnasiasten moderiert haben, liest Steiner morgen im Bodmanhaus und unterhält sich mit Annette Hug. (red.)

Do, 12.6., 20.00, Bodmanhaus

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