Die Frauen von St.Gallen-Staad trotzen Lugano ein 0:0 ab: Bei Verteidigerin Iseli kommt dabei jeder Pass an

Die Frauen von St.Gallen-Staad erreichen in ihrem ersten NLA-Spiel nach dem Aufstieg gegen Lugano ein Unentschieden.

Beni Bruggmann
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St.Gallen-Staads Valeria Iseli (links) und Kaela Lee Dickerman von Lugano haben den Ball im Blick. (Bild: Michel Canonica)

St.Gallen-Staads Valeria Iseli (links) und Kaela Lee Dickerman von Lugano haben den Ball im Blick. (Bild: Michel Canonica)

Lugano ist ein Spitzenteam. Es spielt in der Champions League und trifft demnächst auf Manchester City. Für den Aufsteiger St.Gallen-Staad eigentlich eine Nummer zu gross. Doch einmal mehr zeigt es sich: Ein Team, das zusammenhält, eine klare Strategie und ein bisschen Glück hat, kann viel erreichen. Der eine Punkt macht Mut.

Weil Lugano gegen Schluss immer stärker wird, ist im Strafraum des Heimteams viel los. Mitten drin: Valeria Iseli, 24-jährige Verteidigerin. Ruhig, aufmerksam, optimistisch. Kurz vor dem Abpfiff erlebt sie Schrecksekunden: In der 81. Minute prallt der Ball von der Latte zurück. In der 90. Minute lenkt Simea Hefti eine Hereingabe ins eigene Tor ab, doch der Schiedsrichter entscheidet auf Abseits.

Mit Wille und Kampfgeist

«Es war ein hart umkämpftes Spiel», sagt Iseli, «wir haben uns den Punkt dank unseres Willens und Kampfgeistes verdient. Es ist ein Erfolg des Teams.» Sie erzählt, dass sie sich vorgenommen haben, mutig zu spielen, und ergänzt dann: «Wir wollten gewinnen. Anders kann man doch gar nicht in ein Spiel gehen.» Der nächste Gegner heisst FC Zürich, das ist die beste Equipe der Schweiz. Sie bleibt konsequent: «Auch gegen dieses Team wollen wir gewinnen.»

Iseli lernt das Fussballspielen in Deutschland. Der Beruf des Vaters bringt die Familie nach Bayern, an den Starnberger See. Zuerst spielt sie mit dem Buben beim TSV Berg, dann mit den Mädchen von Höhenrain. «Seit dieser Zeit bin ich Bayern-Fan, genau wie Lena.» Mit zwölf kehrt die Familie in die Schweiz zurück. Nun spielt sie zuerst in Frauenfeld, dann beim FC St.Gallen, unterbrochen von einem kurzen Abstecher nach Kirchberg. «Angefangen habe ich als Goalie. Nachher spielte ich im Sturm. Aber als es dann ernsthaft wurde, so ab der U18, fand ich meine Position. Die ist in der Abwehr.»

Lena? Lena Göppel ist die andere Innenverteidigerin, ihre Partnerin auf dem Feld. «Wir verstehen uns, wir ergänzen uns, wir sind eingespielt.» Das spürt man auch in diesem Spiel. Valeria ist nur 1,65 m gross. Dennoch gehört der Kopfball zu ihren Stärken. Bei allen Eckbällen für Lugano kommt Danielle Pantuso, die grosse Verteidigerin, in den Strafraum. Sofort stellt sich Iseli neben sie, verfolgt sie auf Schritt und Tritt und kann sie so erfolgreich stören. Sie gewinnt nicht nur diesen Zweikampf, sondern praktisch jeden im Spiel, ohne ein Foulspiel zu begehen. Auffallend ist, wie oft sie angespielt wird. Wenn sie den Ball hat, geschieht nichts Sensationelles. Sie spielt kurze sichere Pässe. Jeder kommt an. «Ich weiss, was ich kann», sagt sie.

Die Mutter als Hilfstrainerin

Die Sekundarschule besucht sie in der Sportschule in Teufen. Nachher macht sie eine Lehre als Tiefbauzeichnerin. Jetzt arbeitet sie bei SJB Kempter und Fitze in St.Gallen als Zeichnerin Ingenieurbau. Für sie ist klar: «Zuerst kommt der Beruf, dann der Fussball, und an dritter Stelle die Kolleginnen und der Ausgang.» Nun wohnt sie («Ich bin Single») zusammen mit ihrer Mutter in Staad, also ganz in der Nähe des Fussballplatzes. Ihre Mutter Kathrin ist natürlich auch am Spiel. «Als ich noch ein kleines Mädchen war, hat sie mich jeweils auf den Fussballplatz begleitet. Und dort hat sie nicht nur zugeschaut, sondern hat sich als Hilfstrainerin nützlich gemacht.»

Nach diesem geglückten Start wäre wohl der Gang ans St.Galler Fest eine Variante für den Ausgang. Nicht für Iseli. «Wir gehen vermutlich ins Kino und schauen uns einen Horrorfilm an.» Die Fussball-Schlussminuten waren, so scheint es, noch zu wenig aufregend.