Jankas Hassliebe zu Adelboden

Carlo Janka hat es noch nie geschafft, im Riesenslalom am Kuonisbergli unter die besten zehn zu fahren. Dies soll sich heute ändern. Denn beim 29jährigen Olympiasieger von 2010 geht es nach schwierigen Jahren wieder aufwärts.

Christof Krapf
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Trotz WM-Titel und Olympiagold schaffte es Carlo Janka in Adelboden im Riesenslalom noch nie unter die ersten zehn. (Bild: ky/Peter Schneider)

Trotz WM-Titel und Olympiagold schaffte es Carlo Janka in Adelboden im Riesenslalom noch nie unter die ersten zehn. (Bild: ky/Peter Schneider)

SKI ALPIN. Carlo Janka schwärmt von Adelboden. Besonders von den Tausenden von Zuschauern, die ihm zujubeln, wenn er sich den steilen Zielhang hinunterstürzt. Er sagt Sätze wie: «Die Stimmung in Adelboden ist die beste im Weltcup. Das macht uns Schweizer stolz. Das Rennen am Kuonisbergli ist ein Höhepunkt.»

Seine Lobeshymne über den Berner Oberländer Skiort erzählt jedoch nur die halbe Wahrheit. Denn sosehr Janka von der Stimmung am Kuonisbergli schwärmt, hatte er in der Vergangenheit grosse Probleme auf der Piste. Mit Adelboden verbindet ihn eine Hassliebe: Stimmung top; Resultate Flop. Sieben Mal ist der 29jährige Obersaxer hier in seiner Karriere schon zum Riesenslalom angetreten. Unter die besten zehn oder aufs Podest hat er es nie geschafft – trotz WM-Titel 2009 und Olympiasieg 2010 in dieser Disziplin.

Ein hartes Pflaster für Janka

Jankas Bestresultat am Kuonisbergli ist ein zwölfter Rang von 2012. Im Jahr zuvor hätte es dem Bündner zwar fast aufs Podest gereicht. Nach dem ersten Lauf belegte er hinter dem Amerikaner Ted Ligety Rang zwei. Ein Fehler im Zielhang warf Janka allerdings auf den 13. Platz zurück. «2011 wäre vieles möglich gewesen. Ansonsten war Adelboden für mich immer ein hartes Pflaster», sagt der Bündner. Woran dies liegt, kann sich Janka nicht erklären. Er sagt zwar, dass das Gelände am Kuonisbergli schwierig sei und er die zahlreichen Wellen noch nie optimal erwischt habe. «Warum das so ist, weiss ich aber nicht.»

Vielleicht liegen seine bescheidenen Resultate aber nicht alleine am Kuonisbergli, sondern auch an Janka selbst. Denn nachdem er 2009 Riesenslalom-Weltmeister geworden war und ein Jahr später den Gesamtweltcup sowie Olympiagold geholt hatte, häuften sich in Jankas Karriere die Schwierigkeiten. Herzprobleme, Rückenprobleme und Materialprobleme wechselten sich ab – der Bündner fiel deshalb aus der Weltspitze. Sein bislang letzter Podestplatz in seiner einstigen Paradedisziplin liegt schon fast vier Jahre zurück: Im März 2011 gewann er den Riesenslalom in Kranjska Gora.

Markenwechsel zahlt sich aus

Janka hat in den vergangenen Jahren nie einen Hehl daraus gemacht, dass er sich zutraut, an die Weltspitze zurückzukehren. Dort angekommen ist er nicht. Noch nicht. Denn vergangenen Sommer wechselte der 29-Jährige die Skimarke: Seitdem geht es aufwärts. Die Plätze elf und sechs in Sölden und Beaver Creek verdeutlichen die Aufwärtstendenz im Riesenslalom. In Are und Alta Badia lief es ihm dann nicht mehr nach Wunsch. «Deshalb bin ich mit der Saison auch teilweise zufrieden.» Die Materialprobleme scheint er aber in den Griff bekommen zu haben. «Die Abstimmung passt. Wir verändern nicht mehr viel.»

Für das heutige Rennen hat sich Janka trotzdem keine hohen Ziele gesetzt. Einen Top-15-Platz will er mindestens erreichen. Er sagt aber: «Wenn bei mir im Riesenslalom alles stimmt, bin ich sehr schnell.» Tritt dieser Fall heute ein, dann wird Janka nicht mehr nur von der Stimmung schwärmen. Mit einem Spitzenplatz könnte er Frieden mit dem Kuonisbergli schliessen.