JAHRESAUSBLICK: Was 2018 wahr wird

Die Sportwelt spielt im kommenden Jahr verrückt. Was Wahrsager unserer Sportredaktion über die nahe Zukunft zugetragen haben. Von Ralf Streule

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Bild: Tom Werner

Bild: Tom Werner

6. Januar: Als neuer Sportchef des FC St. Gallen wird Jann Billeter vorgestellt. Der Moderator verlässt das Schweizer Fernsehen per sofort. «Ich freue mich auf die neue Aufgabe», sagt der Bündner. «Eine interessante Wahl», sagt Trainer Giorgio Contini mit leerem Blick.

7. Januar: Skandal beim Weltcup-Slalom in Adelboden, wo traditionell für jeden Athleten ein passender Song abgespielt wird. Als der Russe Alexander Choroschilow auf der Strecke ist, läuft Bon Jovis «Bad Medicine». Die Veranstalter kommen in Erklärungsnot, reden zuerst von «Berner Oberländer Humor», stellen dann eine assoziative Verbindung zwischen «Bad Medicine» und «Doping» in Abrede. Wladimir Putin spricht von einem «politischen Affront der Schweiz gegenüber Russland».

13. Januar: «Ist bei Federers wieder Nachwuchs unterwegs?», fragt die «Glückspost» vor den Australian Open. Exakt wie schon im Januar 2017, als sie eine Fehleinschätzung machte.

15. Januar: Nach den schwachen Auftritten an der Vierschanzentournee beruhigt Simon Ammann die Fans und spricht geheimnisvoll von einer Wunderwaffe für Olympia. Die Gegner lachen. «Das ist nur psychologische Kriegsführung», wiegelt der Deutsche Cheftrainer Werner Schuster ab.

17. Januar: «Blick» enthüllt während der Australian Open: Roger Federer hat sich im Sommer im Churer Kantonsspital einer Operation in der Leisten­gegend unterzogen, deshalb seine Pause während der French Open 2017. Ein Arzt hat die Info dem Boulevardblatt gesteckt. «Schnipp-Schnapp im Hause Federer? Zweimal Zwillinge sind genug!», mutmasst der «Blick». Es entbrennt eine mediale Debatte über die Privatsphäre von Stars. Die NZZ fragt: «Dürfen, ja wollen wir das so genau wissen?»

18. Januar: Recherchen des Russischen Geheimdienstes ergeben, dass Samuel Schmid hinter der Songauswahl in Adel- boden steht. Der Altbundesrat hatte 2017 für das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Doping-Untersuchungen gegen Russland geführt. «Ein Song als gezielter Angriff», sagt Putin.

2. Februar: Der FC St. Gallen gewinnt zum Jahresauftakt auswärts gegen die Young Boys. Es ist der erste Sieg in Bern seit 2005. Mann des Spiels: Danijel Aleksic mit zwei Toren.

5. Februar: Der neue Verwaltungsrat des FC St. Gallen gibt bekannt, dass man die Finanzflüsse der vergangenen Jahre überprüft hat – und auf interessante Ergebnisse gestossen sei. Diese gehen aber im allgemeinen Medien-Hype unter: Denn gleichzeitig wird Bernard Thurnheer als CEO der FCSG-Event-AG vorgestellt.

12. Februar: Thurnheers erste Amtshandlung: Der St. Galler Fansong wird abgeändert. Die Zeile «Erfolg isch Nebedsach» wird zu «Mir wönd gwünne um jede Priis». Intern wird dies als PR-Coup gefeiert. Der Liedvorschlag eines FCSG-nahen Spielerberaters hingegen («Hauptsach d’Chole in eigne Sack») soll keine Chance gehabt haben.

25. Februar: Die Schweiz schneidet an den Olympischen Winterspielen so gut ab wie noch nie: Acht goldene Medaillen, zwei durch Ammann, der bei seinen Flügen von einem schwenkbaren Hartschalenschuh aus kongolesischem Affenbaumharz profitiert. Medaillen kommen auch im Snowboard, Ski alpin im Langlauf und Biathlon dazu. Auch sehr erfolgreich: die USA.

1. März: Der Russische Geheimdienst will herausgefunden haben: Bei den Dopingtests von Schweizer und US-Amerikanischen Athleten sind Unregelmässigkeiten aufgetreten. Putin fordert die Aberkennung der Olympia-Medaillen. Das IOC stellt sich dagegen: Die Athleten hätten keine auffälligen Werte.

2. März: Putin verlangt von der Fifa eine Sperre des US-Teams an der Fussball-WM. Nordkorea soll einspringen. Fifa-Präsident Gianni Infantino will die Sache prüfen. US-Präsident Donald Trump findet es ein «desaster». Und anerkennt Pjöngjang als südkoreanische Hauptstadt.

4. März: Aleksic blüht weiter auf. Dank seines Hattricks gewinnt St. Gallen in Thun 3:0.

5. März: Infantino erklärt, dass die USA für die WM nicht gesperrt werden können, da sie sich nicht qualifiziert hätten. Putin fordert umgehend eine Sperre für das Schweizer WM-Team. Als Ersatz soll Nordkorea einspringen. Infantino will die Sache prüfen.

11. März: Ammann landet am Holmenkollen auf dem 29. Platz.Seit Olympia läuft nichts mehr. Der Grund: Auch die Konkurrenz springt unterdessen mit dem schwenkbaren Hartschuh.

1. April: SRF-Moderator Päddy Kälin wird Bademeister im Freibad Herisau. «Kein Aprilscherz», schreibt der «Blick».

7. April: Aleksic erhält ein Aufgebot für die serbische Nationalmannschaft.

28. April: Der FC Basel will Aleksic, in der Sommerpause soll der Wechsel vonstatten gehen. Von sechs Millionen Ablöse ist die Rede. Sportchef Billeter bleibt hart: «Wir werden noch viel Freude an ihm haben.»

17. Mai: Sascha Ruefer wird vollamtlicher Präsident des FC Sursee. Gleichzeitig übernimmt der Moderator das Amt des Kassiers beim Haris-Seferovic-Fanclub.

19. Mai: Basel ist Schweizer Meister. St. Gallen belegt dank Aleksic Platz neun.

17. Juni: Die Schweiz tritt nun doch an der WM an, unter der Bezeichnung «WM-Fussballer aus der Schweiz» und neutraler Flagge. Rot-weiss gekleidete Fans sind im und ums Stadion verboten. Der Schweizer Psalm darf nicht gespielt werden. Ersatz: «Bad Medicine». Francine Jordi kommentiert das Spiel gegen Brasilien (0:4) für SRF.

26. Juni: Im südostrussischen Samara werden vor dem WM-Spiel Dänemark – Australien dänische Fans aufgrund ihrer Gesichtsbemalung festgenommen. Und nach fünfstündiger Befragung wieder freigelassen.

15. Juli: Serbien wird Weltmeister. Aleksic trifft auch im Final gegen Deutschland, nachdem ihm schon gegen die Schweiz und Brasilien Treffer gelungen waren. Novak Djokovic macht den serbischen Jubeltag perfekt und gewinnt in Wimbledon gegen Federer den Final. «Ist da bei Mirka doch ein Bäuchlein?», fragt die «Schweizer Illustrierte».

22. Juli: Aleksic wechselt für 95 Millionen Franken zu Bayern München. Die Geldsorgen ist der FC St. Gallen los. Heinz Peischl twittert: «Herzlichen Glückwunsch. Schön, konnte ich meinen Teil beitragen. #glückgehabt, #ebendoch.» Nachwuchsleiter Marco Otero erklärt der Presse: «Es war damals meine Idee, Aleksic zu holen.»

3. August: Giulia Steingruber zeigt an der EM als erste Sportlerin am Pferd den Tschussowitina mit Handstandlandung. Der Sprung geht als «Steingruber» in die Turngeschichte ein.

8. August: Rainer Maria Salzgeber löst Mélanie Eppenberger an der Spitze der Toggenburg Bergbahnen ab. Ein gemeinsames Skiticket mit Zermatt wird geprüft.

11. August: Pablo Brägger turnt in Glasgow als erster Mann den Steingruber. EM-Gold.

17. August: Michael Lang wird von Basel zurück zu St. Gallen gelockt. «Hier verdiene ich das Doppelte», sagt der Egnacher.

28. August: An den US Open ist es unübersehbar: Mirka Federer erwartet ihr fünftes Kind. «Blick» titelt: «Ärzte-Pfusch oder Liebhaber im Busch?» Federer witzelt bei seinem Interview nach dem Startsieg: «Es ist nicht mein erstes unerwartetes Comeback.» Auch die NZZ will es jetzt wissen: «Wie konnte das passieren?»

15. November: Roger und Mirka Federers fünftes Kind ist ein Bub, Innocent bringt vier Kilogramm auf die Waage. DNA-Tests widerlegen Gerüchte, Federer sei nicht der Vater. Der Vatikan ist erleichtert. Federer wird von Papst Franziskus heiliggesprochen, wegen «übernatürlicher Kräfte auch ausserhalb des Sports». Der Imageverlust für das Churer Kantonsspital ist gross. Der Chefarzt wird entlassen. Moderator Dani Kern übernimmt.

19. November: Auch Ammann wird, 40 Wochen nach seinem Doppel-Olympia-Sieg, ein drittes Mal Vater. Mutter Yana und die kleine Telemark sind wohlauf.

27. November: Ammann steigt in die neue Saison. «So kann ich doch nicht aufhören!»

15. Dezember: St. Gallen ist Wintermeister. «Mit Hüppi kam das Glück», schreibt die NZZ. Das «St. Galler Tagblatt» titelt stolz: «Wintermeister . . . und wir haben es vorausgesagt!»

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