Jähes Ende auf dem Weg zum Sieg

Am Ironman Switzerland muss sich der St. Galler Jan van Berkel mit Rang fünf abfinden, obwohl er bis neun Kilometer vor dem Ziel des Rennens führte. Bei den Frauen siegt die Solothurnerin Daniela Ryf, die in Zürich ihren ersten Ironman bestritt.

Jörg Greb/Zürich
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TRIATHLON. Jan van Berkel landete nicht im Spital wie vergangenes Jahr. Wunschgemäss über die Distanz von 3,8 km Schwimmen, 180 km Velo und 42,2 km Laufen kam er in seinem vierten Ironman-Triathlon dennoch nicht. Und auch nicht ähnlich gut wie bei seinem Début gleichenorts vor zwei Jahren, als der Engelburger Rang zwei hinter dem siebenfachen Sieger Ronnie Schildknecht belegte.

Deutlich länger als vergangenes Jahr sah es für van Berkel allerdings vielversprechend aus. Doch auf der zweiten Hälfte des Marathons begann der 28-Jährige Zeit einzubüssen. Dramatisch wurde der Einbruch ab Kilometer 30, und bei Kilometer 33 zog der spätere Sieger Boris Stein an ihm vorbei. «Alle Lichter gingen aus und die Kraft verschwand aus den Beinen», beschrieb er hinterher. Mit allen Mitteln hielt er in diesem Augenblick mental dagegen: «Ich versuchte den Körper vom Kopf loszulösen und mit dem Kopf weiterzusteuern.» An die Freundin Sarah Meier dachte er, an die Eltern, an Schwester Martina, die Spitzenschwimmerin, an Freunde, Bekannte. An vorzügliche Trainingseinheiten auf dieser Strecke. An gemeisterte Herausforderungen. Es nützte wenig. Schliesslich erreichte er das Ziel an fünfter Stelle, nach 8:46:33 Stunden, gut 131/2 Minuten nach Stein, stark gezeichnet und riesig enttäuscht.

Plötzlicher Leaderwechsel

Dabei schien er lange gar auf Siegeskurs zu sein. Im Vergleich zum Wettkampf des Vorjahres agierte er deutlich vorsichtiger. Auf dem Velo folgte er zuerst als Einziger dem Franzosen Bertrand Billard. Auf den letzten 30 Kilometern liess er diesen allerdings ziehen. übernahm dann aber nach rund zehn Laufkilometern die Führung. Sein Vorsprung auf den bekannt starken Läufer Stein, den Sieger des Ironman 70.3 Rapperswil Anfang Juni, schaute beruhigend aus, denn er schmolz nur sehr langsam. Bis zum 30. Kilometer.

Suche nach neuen Ansätzen

«Nochmals auf die Suche nach Ansätzen» müsse er sich machen, bilanzierte van Berkel im Ziel rasch. Bereits vor einem Jahr tat er dies, nachdem er lange vorne gelegen hatte, nach einem Drittel der Laufstrecke aber kollabierte und im Spital landete. Seriös tat er dies. Er analysierte und setzte sich mental mit dem Parcours und der Herausforderung auseinander. «Zu offensiv gelaufen bei Temperaturen über 30 Grad», konstatierte er hinterher. Diesmal herrschten ganz andere klimatische Bedingungen, war das Wetter schier perfekt. Trotzdem stiess er «erneut an Limiten». Statt wie vorgesehen in 2:48 lief er den Marathon schliesslich in 3:12 Stunden.

Ryf findet richtige Balance

Mit keinen solchen Problemen konfrontiert sah sich die Frauen-Siegerin Daniela Ryf. Die Solothurnerin, die am Vortag bereits Europameisterin der 5150-Serie geworden war, fand bei ihrem Début am Ironman die richtige Balance punkto Renntaktik und Ernährung. Dabei baute die Olympia-Siebte sowie U23-Weltmeisterin von 2008 in Zürich auf die persönliche Unterstützung von Coach Brett Sutton und Betreuer Roger Fischlin, dem mehrfachen Gigathlon-Sieger. Die Ironman-WM auf Hawaii zieht Ryf aber frühestens 2015 in Betracht.

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