Italiens Serie A im Wandel

Mangels finanzieller Mittel müssen die Clubs der italienischen Serie A vermehrt auf die Jugend setzen. Die Umsetzung gestaltet sich allerdings schwierig. Der frühere Nationaltrainer Arrigo Sacchi kritisiert die Nachwuchsförderung in Italien.

Lukas Plaschy/Rom
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Einer der letzten Grossverdiener der Serie A: Inters holländischer Mittelfeldspieler Wesley Sneijder. (Bild: ap/Sandro Perozzi)

Einer der letzten Grossverdiener der Serie A: Inters holländischer Mittelfeldspieler Wesley Sneijder. (Bild: ap/Sandro Perozzi)

FUSSBALL. Die Jugendarbeitslosigkeit in Italien ist gross. Sie liegt im Süden bei fast 30 Prozent. Der Arbeitsalltag der jungen Erwachsenen ist geprägt von 1000-Euro-Temporärjobs, und Kaderstellen für Leute unter 40 Jahren sind in italienischen Firmen eine Seltenheit. Zumindest im Fussball findet diesbezüglich nun ein Umdenken statt. Gezwungenermassen, denn die Serie A, von den Italienern Jahre lang selbstherrlich als «schönste Meisterschaft der Welt» hoch gelobt, hat ihren Status als Krösus der europäischen Topligen längst verloren.

Vorbei die Zeiten, als ein Maradona, Zico, Batistuta oder Zinedine Zidane Italiens Anhänger verzauberten. Auf dem internationalen Transfermarkt blieben für die italienischen Vereine heuer nur die Brosamen übrig. Symptomatisch, dass im lauen Sommer-Mercato der Spielertausch Antonio Cassano/Giampaolo Pazzini zwischen der AC Milan und Inter Mailand am meisten Schlagzeilen machte. Sogar die Grossclubs sind nicht mehr bereit, 30 oder 40 Millionen Euro für einen einzigen Spieler auszugeben. Silvio Berlusconi verkündete, er sei es leid, jedes Jahr über 50 Millionen Euro aus seiner Privatkasse in die AC Milan zu investieren.

2,5 Milliarden Euro Schulden

Die früheren Milan-Grössen Zlatan Ibrahimovic und Thiago Motta spielen jetzt in Paris. So wird die Serie A sportlich weiter abgewertet. Die Spieler mussten Lohnkürzungen von über 15 Prozent in Kauf nehmen. Nur noch Arrivierte mit Langzeitverträgen wie Gianluigi Buffon, Wesley Sneijder oder Daniele De Rossi verdienen fünf Millionen und mehr pro Saison. Jahrelange Misswirtschaft hat die Schuldenlast der Serie A auf über 2,5 Milliarden Euro anwachsen lassen. Nur dank der immer noch grosszügigen TV-Verträge– 560 Millionen Euro pro Jahr allein durch den Pay-TV-Anbieter «Sky» – hält sich die Liga über Wasser. Auch die Anhänger gehen auf Liebesentzug. Vor allem Milan mit minus 11 200, Napoli und Lazio Rom mit jeweils minus 8600, mussten markante Einbussen beim Verkauf von Saisonabonnementen hinnehmen.

Die italienischen Clubs müssen mangels finanzieller Ressourcen vermehrt auf die Jugend setzen. Aber auch in der Talentförderung sieht es alles andere als rosig aus. Während es in Spanien ein Viertel aller Nachwuchsspieler zwischen 15 und 21 Jahren bei ihrem Stammklub auch wirklich ins Fanionteam schafft, liegt die Quote in Italien bei nur gerade 7,4 Prozent. «Der italienische Fussball ist defensiv geprägt und um das gegnerische Spiel zu zerstören. Dazu braucht es erfahrene Spieler», sagt Arrigo Sacchi. Der ehemalige italienische Nationaltrainer sieht in der «Angst vor dem Misserfolg» und dem Fehlen von Ausbildungszentren die Hauptgründe der Nachwuchskrise. «Italien ist das Land, das am wenigsten in den Nachwuchs investiert. Sogar Österreich und die Schweiz haben uns überholt», sagt Sacchi.

In der Krise kreativ

Die Zahlen sprechen trotzdem von einer Trendwende. Im Vergleich zur Saison 2011/12 sank das Durchschnittsalter in der Serie A von 27,5 auf 25,8 Jahre. Weil junge Nationalspieler wie Fabio Borini, Marco Verrati oder Mario Balotelli der heimischen Liga früh den Rücken zugekehrt haben, ist sie ärmer an Talenten, aber dadurch vielleicht auch reicher an neuen Ideen geworden. Denn gerade in Krisenzeiten zeichnen sich die Italiener durch Kreativität und Improvisationstalent aus.

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