Intimer Einblick für 115 Millionen

Der Bundesrat will nun auch die Profiklubs im Sport mit A-fonds-perdu-Beiträgen über Wasser halten. Die Bedingungen sind streng und der Teufel liegt im Detail.

Rainer Sommerhalder
Drucken
Teilen
FC Schaffhausen - FC Thun; Uran Bislimi (Schaffhausen) Gregory Karlen (Thun) vor leeren Zuschauerrängen Der erste Covid-19-Impfstoff hat die Versuchsphase abgeschlossen.
2 Bilder
FC Schaffhausen - FC Thun; Uran Bislimi (Schaffhausen) Gregory Karlen (Thun) vor leeren Zuschauerrängen Der erste Covid-19-Impfstoff hat die Versuchsphase abgeschlossen.

FC Schaffhausen - FC Thun; Uran Bislimi (Schaffhausen) Gregory Karlen (Thun) vor leeren Zuschauerrängen Der erste Covid-19-Impfstoff hat die Versuchsphase abgeschlossen.

Bild: Andy Müller/Freshfocus (Schaffhausen, 8. November 2020) B

Ueli Maurer brach eine Lanze für die vermeintlichen Grossverdiener im Schweizer Fussball und Eishockey. Der Finanzminister nahm das argumentative Zepter in der Moraldebatte über Steuergelder für Profispieler resolut in die Hand. Der SVP-Magistrat erinnerte kritische Fragesteller bei der Orientierung über die jüngsten Hilfsmassnahmen für den Leistungssport an die Kurzlebigkeit einer Spielerkarriere. Ein hoher Lohn für wenige Jahre bei grossem Gesundheitsrisiko lautete Maurers Gleichung. Die Gefahr einer aufkommenden Neidkultur und eine Verlockung, bei der Bundeshilfe nun alle gegeneinander auszuspielen, lautete seine Warnung.

Der Bund will von den bereits gesprochenen Darlehen für die professionellen und halbprofessionellen Ligen im Fussball, Eishockey, Handball, Unihockey, Volleyball und Basketball in einer Gesamthöhe von 350 Millionen Franken 115 Millionen in nicht zurückzahlbare Unterstützungsbeiträge umwandeln. Zwei Drittel der entgangenen Ticketeinnahmen durch die Geisterspiele ab dem 28. Oktober 2020 können als Verlust geltend gemacht werden, basierend auf den durchschnittlichen Zuschauereinnahmen der Klubs in der Saison 2018/19.

Spitzenlöhne müssen um 20 Prozent gesenkt werden

Wer Geld will, muss quasi die Hosen runterlassen und dem Staat künftig einen Blick in die intimen Details der Lohnbuchhaltung gewähren. Der Bundesrat schlägt strenge Bedingungen vor: Alle Spielergehälter müssen auf den maximal versicherbaren Jahreslohn von 148 000 oder zumindest um 20 Prozent gesenkt werden. Danach soll der Durchschnittslohn während fünf Jahren höchstens um die Höhe der Teuerung angepasst werden dürfen. Ebenfalls fünf Jahre lang dürfen die Klubs keine Dividenden an Aktionäre auszahlen und auch keine Kapitalrückzahlungen tätigen. Zudem fordert der Bund künftig vollständige Transparenz über die Löhne und die Verwendung der A-fonds-perdu-Beiträge sowie Garantien zum Engagement im Nachwuchs- und Frauenbereich.

Bis Mitte Dezember folgt die Verordnung zur Gesetzesanpassung. Dort gilt es viele Detailfragen zu klären: Was ist mit Transfers im kommenden Frühjahr? Wie werden die Saisonabos gewertet? Darf man einem jungen Ausnahmetalent fünf Jahre lang keine Lohnerhöhung bieten? Was passiert bei einem Aufstieg in die höchste Liga?

Nationalrat Matthias Aebischer, der Präsident der Parlamentarischen Gruppe Sport, hat die Forderungen der Profiklubs nach A-fonds-perdu-Beiträgen unterstützt. Er begrüsst die Höhe der gesprochenen Geldmittel und das Verbot von Dividendenzahlungen. Auch hinter den Lohnkürzungen steht Aebischer grundsätzlich. Er stellt aber fest: «Es gibt viele offene Fragen, die geklärt werden müssen.» Deshalb macht der SP-Parlamentarier ein Fragzeichen hinter die Dauer von fünf Jahren für eine Lohndeckelung. «Das ist eine sehr lange Zeit. Ich halte eine Frist von einem Jahr ab dem Zeitpunkt, wenn die Klubs keine Gelder mehr beziehen, für angemessen.»

Die Rahmenbedingungen für die Auszahlung der Gelder sind auch für die Profiklubs zentral. Beim FC Luzern kann Präsident Philipp Studhalter noch nicht sagen, ob der Klub Beiträge beansprucht: «Zuerst möchten wir wissen, wie lange wir ohne Zuschauer spielen müssen. Erst dann wird ersichtlich, wie wir aufgrund allfälliger Kompensationen für Partner und Fans wirtschaftlich dastehen.»

Sein Amtskollege Matthias Hüppi vom FC St. Gallen sagt: «Der Bund hat die Leitplanken deutlich gesetzt, auch bezüglich der Lohndiskussion. Wir haben keine Probleme mit der Transparenz, die der Bund fordert. Nur: Lohn hat immer auch mit Persönlichkeitsschutz zu tun. Zudem sind laufende Verträge rechtsgültig.»

Auf Zustimmung stösst das vom Bundesrat beschlossene Paket beim FC Basel. CEO Roland Heri: «Die Beiträge sind eine Chance für den Leistungs- und Breitensport, die aktuelle Krise zu überstehen und die Sportvereine vor grossen Schäden zu bewahren. Die bisher vorgeschlagenen Bedingungen schätzen wir als weitsichtig ein und hoffen, dass das Parlament dem Vorschlag des Bundesrates folgen kann.»

Eishockey schlägt eine maximale Lohnsumme vor

Für den FC Aarau aus der Challenge League waren Bundesgelder lange kein Thema. Doch auch der FCA wird mit ausbleibenden Matcheinnahmen früher oder später auf Unterstützung angewiesen sein. Entsprechend erfreut die Reaktion bei Präsident Philipp Bonorand: «Wir sind positiv überrascht, dass der Bundesrat nach anfänglichem Zögern den Ruf des Profisports nach finanzieller Unterstützung nun doch schneller als erwartet erhört hat.»

Auch die Verantwortlichen der Profiligen begrüssen den Entscheid. Claudius Schäfer, CEO der Swiss Football League, sagt: «Der Bundesrat anerkennt unsere schwierige Situation. Und er anerkennt die gesellschaftliche Bedeutung des Fussballs wie die Relevanz von Nachwuchsförderung und Integration.» Es sei nun nicht der richtige Zeitpunkt, um über jene Punkte zu reden, «die allenfalls problematisch sind.» Im Eishockey hält sich die Aufregung über die Salär-Restriktionen in Grenzen. Liga-Direktor Denis Vaucher sagt: «Die Deckelung der Lohnsummen kommt unseren Bestrebungen nach einem Financial Fairplay entgegen. Bei der Umsetzung sehe ich eine mögliche Lösung in der Limitierung der Gesamtlohnsummen und nicht nur der individuellen Löhne.»

Mitarbeit: cbr, cfe, dw, fsc, kza, swe, wen.