Schweizer Nati an der EM
«Was für uns zählt, ist dieser Achtelfinal»: Yann Sommer vor dem entscheidenden EM-Gruppenspiel – und nach der Geburt seiner Tochter

Der Schweizer Torhüter reiste nach dem 0:3 gegen Italien nach Hause, wurde zum zweiten Mal Vater – und ist jetzt zurück bei der Nati fürs entscheidende Spiel gegen die Türkei um die Qualifikation für den EM-Achtelfinal. Sommer spricht im Interview über die hektischen, aber schönen Tage.

Etienne Wuillemin
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Unter der Woche die Geburt von Tochter Nayla, jetzt ist sein Fokus wieder beim Fussball: Yann Sommer.

Unter der Woche die Geburt von Tochter Nayla, jetzt ist sein Fokus wieder beim Fussball: Yann Sommer.

Bild: Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Zunächst das 0:3 gegen Italien, dann der Rückflug nach Köln zur Familie, dann die Geburt von ihrer zweiten Tochter Nayla, der Tag zu Hause, danach die Rückkehr nach Rom, die Weiterreise nach Baku - wie haben Sie die letzten drei Tage erlebt?

«Sommer: Es war sehr emotional. Der Moment, wo ich im Spital angekommen bin und meine Frau und meine Tochter in den Arm nehmen konnte – viel schöner geht es nicht. Klar war es auch ein bisschen stressig, aber ich habe es sehr genossen. Unsere zwei Kinder haben sich kennengelernt, das ist wunderbar, so etwas zu erleben. Danach bin ich zurückgekehrt nach Rom und habe ein Team angefunden, in dem die Stimmung gut ist - und in dem sich jeder auf dieses Spiel gegen die Türkei freut. »

Waren Sie enttäuscht darüber, dass Sie es nicht rechtzeitig zur Geburt geschafft haben?

«Natürlich hätte ich es mir gewünscht, rechtzeitig da zu sein. Aber die Freude hat überwogen und ich habe schon rasch vergessen, dass ich zu spät kam. Ich bin sehr stolz auf meine Frau, für sie waren die letzten Wochen nicht einfach, wenn ich immer weg war. »

Hat die Geburt geholfen, die Enttäuschung der 0:3-Niederlage zu verarbeiten?

«Man muss da natürlich unterscheiden. Ich mache den Switch zwischen Fussballer und Familienmensch relativ rasch. Nach dem Spiel war ich sehr enttäuscht, klar. Und dann extrem euphorisch und emotional. Jetzt liegt der Fokus aber auch wieder auf dem Fussball. Wir haben einige Dinge angesprochen, mit denen wir in der Mannschaft nicht zufrieden waren.»

Zu wenig Leidenschaft auf dem Platz: Die Schweiz enttäuscht gegen Italien nicht nur wegen des Resultats.

Zu wenig Leidenschaft auf dem Platz: Die Schweiz enttäuscht gegen Italien nicht nur wegen des Resultats.

Bild: Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Nun ist das Spiel gegen die Türkei die letzte Chance, um sich doch noch für den Achtelfinal zu qualifizieren. Aber es geht in dieser Partie vielleicht auch darum, wie die Ära Vladimir Petkovic zu werten ist. Sind Sie damit einverstanden? Oder wird Ihnen da zu viel hineininterpretiert?

«Alles, was für uns zählt, ist dieser Achtelfinal. Wir wollen mit viel Energie ins Spiel. Wir wollen eine tolle Leistung zeigen. Für die Schweiz. Für uns. Für den Staff. Über alles andere machen wir uns keine Gedanken. »