INTERIMSLÖSUNG: Die Bayern ändern ihren Kurs

Bayern München trennt sich nach der 0:3-Klatsche gegen Paris St-Germain von Carlo Ancelotti und seinem gesamten Trainerstab. Nur Willy Sagnol verbleibt. Vorläufig übernimmt er das Amt des Cheftrainers.

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Als Willy Sagnol im vergangenen Sommer als Co-Trainer bei Bayern München anfing, schrieben ihm einige Beobachter die Rolle des «Aufpassers» für Carlo Ancelotti zu. Nach allem, was zuletzt aus dem innersten Kreis des deutschen Rekordmeisters zu hören war, ist dieser Plan der Chefetage, wenn er denn je so bestand, nicht aufgegangen.

Dass Sagnol dem nach der 0:3-Demütigung bei Paris St- Germain geschassten Italiener nun interimsmässig nachfolgt, ist dennoch kein Widerspruch. Er gilt weiter als Bindeglied zwischen der Mannschaft und der Chefetage – und dort vor allem zu Präsident Uli Hoeness. Eine prägende Rolle in der Anleitung der Münchner Stars hatte er zuletzt gleichwohl nicht. Ancelotti setzte da vor allem auf seinen Sohn Davide und einen durchweg italienischen Stab.

Sagnol ist kein Unbekannter

Interimstrainer Sagnol, einziger «Überlebender» des grossen Schnitts, bringt Erfahrung als Chefcoach auf hohem Niveau mit. Bis März 2016 war der ehemalige französische Nationalspieler in der Ligue 1 als Trainer bei Girondins Bordeaux tätig. Zudem arbeitete er in Frankreich als Coach der U20 und U21 sowie als Teammanager der beiden Nationalteams.

Die Bayern-Fans lieben ihn seit seiner Zeit als Münchner Aussenverteidiger von 2000 bis 2009, in der er mit dem Rekordmeister an der Seite von Oliver Kahn und Stefan Effenberg unter anderem die Champions League gewann. Wann immer er damals eine seiner berühmten Halbfeldflanken schlug, brandete ein langgezogenes «Willyyy» auf.

Schon als Spieler war Sagnol ein kritischer Geist, und das hat sich bis heute nicht geändert. Kurz bevor er als Co-Trainer antrat, sagte der 40-Jährige: «Ich sehe heute bei Bayern ein grosses Problem. Welche Kultur hat dieser Verein, welche Identität?»

Am Sonntag wartet Hertha Berlin

Am Sonntag gilt es bereits ernst für Sagnol. Bayern München gastiert bei Hertha Berlin. Ein positives Resultat wäre wichtig. Die Bayern haben drei Punkte Rückstand auf Borussia Dortmund und müssen den Anschluss wahren. Sagnol selbst sagt: «Solange wir Erfolg haben, können wir viel Spass zusammen haben.» (sid)