Intensive Monate im Kraftraum

SKISPRINGEN. Der vierfache Olympiasieger Simon Ammann hat in den letzten Monaten hart gearbeitet. Nicht für sein Flugbrevet oder die siebenteilige Fernsehserie mit den Schweizer Olympia-Kandidaten 2012, sondern im Kraftraum.

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Mit mehr Muskeln zu weiteren Sprüngen: Simon Ammmann. (Bild: Keystone)

Mit mehr Muskeln zu weiteren Sprüngen: Simon Ammmann. (Bild: Keystone)

Der Toggenburger, der zwei Wochen vor Roger Federer seinen 30. Geburtstag feierte, stellt sich zum wiederholten Mal auf die neuen Vorgaben des Internationalen Skiverbandes (FIS) ein. Der Body-Mass-Index - dieser Wert legt das Körpergewicht im Verhältnis zur Grösse fest - wurde nochmals um einen halben Punkt von 20,5 auf 21 angehoben. Ammann und seine Trainer beschlossen, den Weg der Gewichtszunahme zu gehen und nicht als Kompensation verkürzte Ski und somit weniger Auftrieb hinzunehmen.

Der olivgrüne Trainingsanzug an der Medienkonferenz in Einsiedeln, wo am Sonntag ein Springen des Sommer-Grand-Prix ausgetragen wird, verdeckte, woran der Ostschweizer geschuftet hat. An seinen Oberschenkeln hängen zwei Kilo mehr Muskelmasse. Die zusätzliche Power ist nicht nur eine Antwort auf das neu definierte Mindestgewicht. Weltcup- und Sommer-GP-Dominator Thomas Morgenstern zählt zu den Kraftspringern. Ist der Österreicher in Topform, gibt es an ihm allein mit Technik und Fluggefühl kaum ein Vorbeikommen - auch für einen Ammann nicht. Die unzähligen Stunden im Kraftraum sollen helfen, mit dem Kärntner mitzuhalten. Gegen Morgenstern hatte er im vergangenen Winter sowohl an der Vierschanzentournee als auch im Gesamtweltcup keine Chance. In beiden Wertungen resultierte der 2. Rang.

«Ich fühle mich stärker, als ich in Wirklichkeit bin», scherzte Ammann. Denn mit der Zunahme der Muskelmasse schaffte er bloss den ersten Schritt. Nun gilt es, den Muskel schnell zu machen, den leicht veränderten Körperschwerpunkt in die Sprungtechnik einzubauen oder das Material abzustimmen. Körpergefühl und Technik stimmen derzeit nicht immer überein. «Die Anzahl der guten Sprünge ist noch nicht so hoch, wie ich will», fügte Ammann hinzu. Doch seine Konstanz nehme zu. Das erlaube es ihm, die Korrekturen an den verschiedenen Parametern vorzunehmen. «Eine gute Form wird kontinuierlich erarbeitet.»

Vor einem Jahr befand sich der Olympiaheld nicht ein einer derart guten Ausgangslage. Sein Rücken zwickte und er versuchte primär mit Stabilisationsübungen, seine Körperschwäche zu überwinden. Der Weg der Kraftzunahme blieb ihm damals verwehrt, obwohl die FIS bereits auf die Saison 2010/2011 den Body-Mass-Index um einen halben Punkt angehoben hatte. Nun hat Ammann bezüglich Kraftzunahme gleich anderthalb Jahre wettgemacht. Er hob seinen Index von 20,3 auf 21 an und der Rücken hielt der Belastung stand.

Erstmals Mass nehmen
In der Qualifikation am Samstag (ab 18.30 Uhr) und im Wettkampf am Sonntag (ab13 Uhr) misst sich der Sieger von 20 Weltcup-Springen erstmals mit der Konkurrenz. «Es kribbelt», sagte Ammann. Eine Ungewissheit über den Formstand besteht, obschon er bei den Trainingssprüngen in Einsiedeln abschätzen kann, ob er damit auch international bestehen würde. Seine Prognose: «Wenn es gut läuft, schaffe ich es aufs Podest.»

Ammann fühlt sich diesen Sommer ausgeglichener als vor einem Jahr. Die zahlreichen Verpflichtungen nach seinem Olympia-Coup sowie der rebellierende Rücken hatten ihn 2010 gestresst. Nun findet der Toggenburger wieder Freiräume, die er zur Ablenkung oder Erholung nutzt. Viel bedeutet ihm die Arbeit an seinem Flugbrevet für Privatpiloten (PPL). «Wie weit mich das beruflich einmal bringen wird, weiss ich jetzt noch nicht. Aber es macht mir sehr viel Spass.» Auch die Zusammenarbeit mit dem Schweizer Fernsehen für die Olympia-Serie empfand er als anregend. (si)

Die ungleichen Zwillinge

Viermal musste Simon Ammann Olympiasieger werden, bis sich jemand anschickte, ein Buch über den erfolgreichsten Schweizer Wintersportler zu schreiben. Allerdings teilt sich der Toggenburger die Ehre. «Die ungleichen Zwillinge» lautet der Titel und er deutet an, dass das Buch nicht nur Ammann, sondern genauso seinem langjährigen Teamkollegen und guten Freund Andreas Küttel gewidmet ist. Autor Marc Wälti ist als ehemaliger Kommunikationschef von Swiss-Ski ein enger Wegbegleiter des Duos. Wer sich die Zeit bis zum Erscheinungstermin Mitte Oktober verkürzen will, erhält auf www.die-ungleichen-zwillinge.ch schon einmal einen Vorgeschmack. (si)

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