Inszenierung schürt auch Erwartungen

Mit viel Brimborium wurde gestern der neue Hoffnungsträger des FC St. Gallen offiziell präsentiert. Etliche Fernsehkameras, zahlreiche Journalisten, die Führungscrew des Vereins – und natürlich er, Neuzugang Gianluca Gaudino, sie alle sorgten für ein klein wenig Weltläufigkeit.

Christian Brägger
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Mit viel Brimborium wurde gestern der neue Hoffnungsträger des FC St. Gallen offiziell präsentiert. Etliche Fernsehkameras, zahlreiche Journalisten, die Führungscrew des Vereins – und natürlich er, Neuzugang Gianluca Gaudino, sie alle sorgten für ein klein wenig Weltläufigkeit. Die Inszenierung wirkte, man wähnte sich für kurze Zeit bei einem Club von Welt. Sogar der berühmte Vater Maurizio Gaudino liess es sich nicht entgehen, die Veranstaltung mit der Handykamera fürs Familienalbum festzuhalten.

Zum fünftenmal binnen Jahresfrist lud der FC St. Gallen in dieser Form zu einer Medienkonferenz. Zuerst trat Captain Philippe Montandon aus gesundheitlichen Gründen zurück, dann vermeldete der Club die Trennung von Sportchef Heinz Peischl, ehe Trainer Jeff Saibene kapitulierte und ging. Kurz darauf stellte der Sportchef Christian Stübi den Deutschen Joe Zinnbauer als neuen Coach vor. Und gestern nun war der junge Gaudino an der Reihe – im Vergleich mit den zuvor nicht immer fröhlichen Veranstaltungen ein wahrer Freudentag für die Ostschweiz.

Wenn ein deutscher Spieler, der die fussballerischen Jugend- und Ausbildungsjahre bei Bayern München absolvierte und dort als nicht einmal 18-Jähriger bis in den Dunstkreis der ersten Mannschaft vorstiess, wenn so ein Spieler sich dem FC St. Gallen anschliesst, darf der Club sich geehrt fühlen. Das ist eine Art Ritterschlag aus dem Land des Weltmeisters. Zumal der Wechsel nichts anderes bedeutet, als dass der Verein vieles richtig gemacht hat in seiner jüngsten Vergangenheit.

Dennoch muss die allerorts geschürte Erwartungshaltung zum Schutz Gaudinos gedämpft werden. Der junge Mann ist 19 Jahre alt, 1,75 Meter gross, 65 Kilogramm schwer und hat Schuhgrösse 41. Auf seinen Schultern lastet plötzlich viel. Hoffentlich nicht zu viel.

christian.braegger@tagblatt.ch

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