INDIAN WELLS: «Ich mache keine Fitnesstests mehr»

Roger Federer spielt im dritten Turnier nach der Pause wieder wie eine Nummer eins. Im Achtelfinal gegen Rafael Nadal zeigt er eine grandiose Leistung. Doch Federer sagt: «Ich denke nicht, dass ich so viel besser spiele als in den vergangenen Jahren.»

Rolf Bichsel (sda)
Drucken
Teilen

Rolf Bichsel (SDA)

Roger Federer, wie überrascht waren Sie ob Ihres Spiels?

Ich erwartete nicht, dass es gegen Rafa (Nadal, Red.) derart gut laufen würde. In der Runde zuvor gegen Steve Johnson fand ich überhaupt keinen Rhythmus. Nun hatte ich aber von Anfang an das Gefühl, dass ich die Bälle gut spüre, dass sich alles perfekt anfühlt, dass ich absolut im Rhythmus bin. Ich konnte von A bis Z durchziehen, was ich mir vorher zusammen mit dem Coach vorgenommen hatte.

Brad Gilbert, der ehemalige Coach von Andre Agassi, sagte, er habe Sie noch nie so gut Rückhand spielen sehen wie diesmal gegen Nadal.

Ich auch nicht. Es läuft im Moment gut für mich. Ich fühle mich in dieser Woche wieder genau so frisch wie an den Australian Open Anfang Jahr, weil ich nach dem Turniersieg in Melbourne auch wieder eine Pause eingelegt habe. Ich denke nicht, dass ich so viel besser spiele als in den vergangenen Jahren. Auch früher, beispielsweise 2014 und 2015 in Wimbledon oder vor zwei Jahren an den US Open, fehlte nicht viel zu grossen Siegen. Manchmal entschieden nur ein oder zwei Ballwechsel über Sieg oder Niederlage. Und diese Ballwechsel gewinne ich jetzt endlich wieder.

Wie geht es dem Knie?

Das Knie ist ein Thema aus der Vergangenheit, und das ist gut so. Ich denke auf dem Platz nicht eine Sekunde an das Knie. Also lohnt es sich auch nicht mehr, dar­über zu reden.

Es scheint, dass Sie mit 35 nicht langsamer sind als vor zehn Jahren. Lässt es sich anhand von Zahlen belegen, in welchem Rahmen Sie sich physisch im Vergleich zu früher bewegen?

Nein, denn ich mache keine Fitnesstests. Gott sei Dank muss ich das nicht mehr. Früher hasste ich diese Tests mehr als alles andere. Zwölf-Minuten-Lauf und Schnelligkeitstest. Am Ende realisierst du, dass die Ergebnisse schrecklich sind. Und du hast das Gefühl, so könnest du nicht Tennis spielen. Zum Glück arbeite ich schon so lange mit dem gleichen Fitnesscoach (Pierre Paganini, Red.) zusammen. Er sieht sofort, wenn etwas an meinem Bewegungsapparat nicht mehr so ist, wie es sein sollte. Und dann korrigieren wir das.

Und welchen Einfluss übt Ihr Coach Ivan Ljubicic aus?

Diese Zusammenarbeit steckt immer noch in der Startphase. Im letzten Jahr spielte ich nur ein einziges Turnier, an dem ich mich normal fühlte. Das waren die Australian Open. An allen Turnieren, die folgten, lief etwas schief: Entweder war ich krank oder angeschlagen oder sogar verletzt. So gesehen bestritten wir erst zwei normale Turniere miteinander, zweimal die Australian Open. Natürlich verbrachten wir viel Zeit auf dem Trainingsplatz zusammen. Und Ivan hat mir in den schweren Momenten im vergangenen Jahr geholfen, positiv zu denken.

Sie wirken seit dem 18. Grand-Slam-Titel wieder so richtig locker.

Was in Australien ablief, war für mich, mein Team und meine Familie eine wunderschöne Sache. Ich hoffe, dass ich die ganze Saison so leichtfüssig und unbeschwert spielen kann wie im Moment. Das war zuletzt nicht mehr oft der Fall gewesen. Speziell Verletzungen verkomplizierten alles.

In Indian Wells geht es heute gegen Nick Kyrgios weiter.

Und das wird wieder ein sehr schwieriges Spiel. Er hat an zwei Turnieren hintereinander Novak Djokovic in zwei Sätzen besiegt. Das ist beeindruckend. Er hat vor zwei Jahren auch unser bislang einziges Duell gewonnen, obwohl ich einen Matchball hatte. Ich kenne Kyrgios gut. Er war mal in der Schweiz und trainierte mit mir. Aber jetzt will ich mich für die Niederlage in Madrid revanchieren.