«In Sotschi war ich verkrampft»

Die Toggenburgerin Marianne Kaufmann-Abderhalden stand im vergangenen Winter dreimal auf dem Podest und sicherte sich den ersten Weltcupsieg. Mit ihrer Saison ist sie aber nur teilweise zufrieden. «Es war ein Auf und Ab», sagt sie.

Christof Krapf/Lenzerheide
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Marianne Kaufmann-Abderhalden: «Die Emotionen und der Nervenkitzel im Skisport sind einzigartig.» (Bild: Benjamin Manser)

Marianne Kaufmann-Abderhalden: «Die Emotionen und der Nervenkitzel im Skisport sind einzigartig.» (Bild: Benjamin Manser)

Frau Kaufmann-Abderhalden, wie haben Sie die abgelaufene Weltcup-Saison erlebt?

Marianne Kaufmann-Abderhalden: Es war ein Auf und Ab. Ich hatte im Sommer gut trainiert und schaffte es zu Saisonbeginn, die Trainingsleistungen in der Abfahrt in den Rennen abzurufen. Im Super-G hingegen harzte es etwas. Bis Ende Januar waren meine Auftritte aber konstant gut. Danach lief es unglücklich, weil ich zwei, drei kleine Verletzungen hatte, unter anderem am Knie. Das zog sich bis am Saisonende durch. Ich konnte deshalb nicht so unbelastet fahren, wie ich es wollte.

Der Einbruch kam just vor den Olympischen Spielen. War Ihr Knie dafür verantwortlich, dass Sie in Sotschi nicht auf Touren kamen?

Kaufmann-Abderhalden: Ich glaube nicht. Sotschi war speziell. Ich wollte zu viel und war verkrampft. Ich spürte, dass ich nicht so locker fuhr, wie im Weltcup. Hinzu kam das schmerzende Knie. Am Ende waren wohl viele Dinge dafür verantwortlich, dass es nicht mit einer Medaille klappte. Wenn überall ein Prozent fehlt, reicht es an Olympia halt nicht. Sotschi war eine gute Erfahrung, obwohl die Spiele für mich unglücklich liefen.

Sind Sie trotz Auf und Ab zufrieden mit dem Winter 2013/14?

Kaufmann-Abderhalden: Grundsätzlich schon. Es wäre aber besser gewesen, wenn ich im Februar oder März ein gutes Rennen gezeigt hätte. Das hätte zum Saisonende ein gutes Gefühl gegeben.

Sie waren 2006 Juniorenweltmeisterin im Slalom. Bis zu Ihrem ersten Weltcup-Sieg dauerte es aber acht Jahre. Warum war Ihr Weg an die Spitze so steinig?

Kaufmann-Abderhalden: In meiner ersten Saison als Abfahrerin (2010/11, Red.) fuhr ich konstant unter die ersten zwanzig. Danach riss ich mir das Kreuzband. Es dauerte zwei Jahre, bis ich wieder auf dem Niveau wie vor der Verletzung war.

2010 wollten Sie Ihre Karriere beenden. Warum?

Kaufmann-Abderhalden: Ich war in der Slalomgruppe, weil dies meine stärkste Disziplin war. Im Weltcup kam ich aber nicht auf Touren. Für mich stimmten irgendwann Aufwand und Ertrag nicht mehr. Ich wollte nicht immer Geld ausgeben für meinen Sport. In dieser Zeit konnte ich vom Skifahren nicht leben. Ich bin froh, dass ich Anfang März 2010 den dritten Platz in der Abfahrt von Crans Montana erreicht habe. Das war der Wendepunkt. Der Podestplatz gab mir den Mut und die Gewissheit, dass es doch klappen kann. Seit damals geht es aufwärts.

Wie motivierten Sie sich während der Zeit, als es schlecht lief?

Kaufmann-Abderhalden: Ich mache meine Beruf aus Leidenschaft. Die Emotionen und der Nervenkitzel im Skisport sind einzigartig. Das hätte ich in keinem anderen Job. Dies motivierte in jenen Zeiten, als nicht alles nach Wunsch lief.

Warum klappte es in dieser Saison mit dem Sprung an die Spitze?

Kaufmann-Abderhalden: Im Sommer haben mein Athletiktrainer Andreas Thöni und ich das Konditionstraining umgestellt. Wir haben das Programm laufend geändert und meine Schwächen ausgeglichen. Ich war schon in der Vergangenheit fit, konnte meine Kraft und die Kondition auf den Ski nicht ideal nutzen. Dies hat sich durch das neue Training geändert. Geholfen hat auch, dass Gruppentrainer Roland Platzer mich bereits als Juniorin betreut hatte und meinen Fahrstil und meine Schwächen genau kannte. Deshalb konnten wir gezielt arbeiten, um diese Schwächen auszumerzen.

Sie standen lange im Schatten Ihres Bruders, Schwingerkönig Jörg Abderhalden. Hat sich dies geändert?

Kaufmann-Abderhalden: Ich werde anders wahrgenommen als in der Vergangenheit. Ich hatte nie ein Problem damit und bin stolz darauf, Jörgs Schwester zu sein. Vielleicht wäre dies aber anders gewesen, wenn er die gleiche Sportart ausgeführt hätte.

Welche Ziele stecken Sie sich für die kommende Saison?

Kaufmann-Abderhalden: Das Hauptziel ist es, anders als in diesem Winter, die ganze Saison konstant stark zu fahren. Zudem will ich im Super-G vorwärts kommen. Deshalb ist es auch kein Thema, dass ich in der kommenden Saison im Riesenslalom starte. Ich will zuerst in den Speed-Disziplinen das Optimum herausholen. Wenn das klappt, kann ich immer noch an eine dritte Disziplin denken. Abfahrt und Super-G werden aber immer Priorität haben.