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In nur acht Monaten auf 35 Millionen

Trotz Viertelfinalqualifikation ist Portugal bislang an dieser EM nicht richtig in Fahrt gekommen. Renato Sanches, der Jüngste im Team, könnte dies ändern und heute ab 21 Uhr gegen Polen seinen märchenhaften Aufstieg der vergangenen Monate fortsetzen.
Renato Sanches hat einen kometenhaften Aufstieg hinter sich. In der kommenden Saison spielt der Portugiese für Bayern München. (Bild: ap/Laurent Cipriani)

Renato Sanches hat einen kometenhaften Aufstieg hinter sich. In der kommenden Saison spielt der Portugiese für Bayern München. (Bild: ap/Laurent Cipriani)

FUSSBALL. Der 18jährige Renato Sanches ist keiner, der es langsam angehen lässt. Wenn der bullige Mittelfeldspieler bei dieser EM aufs Feld kommt, bleibt das nicht unbemerkt. Er fordert den Ball, dribbelt und geht mit seinen Pässen Risiken ein. Der Achtelfinal gegen Kroatien war für portugiesische Anhänger eine Qual. Bis der eingewechselte Sanches am Ursprung des Tores zum 1:0 in der 117. Minute stand. Kein Wunder, fordern Anhänger und Medien in der Heimat nun noch vehementer den Teenager in der Startformation im heutigen Viertelfinal in Marseille gegen Polen. Bislang musste sich Sanches mit drei Teileinsätzen begnügen.

Fast ein Platzverweis

Dass Nationalcoach Fernando Santos das Talent massvoll einsetzt, hat seine Gründe. Die Dynamik und Kraft, die seinen jüngsten Spieler auszeichnet, kann überborden. Gegen Kroatien leistete er sich eine Tätlichkeit, die eigentlich den Platzverweis hätte bedeuten müssen. Er sei noch nicht reif für die Startformation, sagt Jorge Jesus, der vor zwei Jahren bei Benfica Lissabon sein Trainer war. Sanches reagierte stilvoll und bestätigte, dass es im portugiesischen Kader erfahrenere Kräfte gebe. So kraftvoll und zielstrebig sich der Mittelfeldspieler mit dem Ball am Fuss präsentiert, so zurückhaltend und überlegt tritt er nach Schlusspfiff auf. Im April wurde er bei einem Meisterschaftsspiel mit Affenlauten provoziert. Er verabschiedete sich von jenen Anhängern, indem er einen Affen imitierte.

Nur 24mal ist Sanches bislang in der portugiesischen Meisterschaft aufgelaufen. Ende Oktober griff sein Coach Rui Vitoria erstmals auf ihn zurück. Der Trainer stand damals vor der Entlassung. Benfica lag in der Meisterschaft auf Rang sechs mit acht Punkten Rückstand auf Stadtrivale Sporting. Mit Sanches holte Benfica pro Partie 2,79 Punkte im Schnitt. Am Ende der Saison resultierten der Meistertitel und der Sieg im Ligacup.

Auszeichnung und Bayern

Am vergangenen Samstag nahm Sanches den nächsten Pokal in Empfang. Nach dem Spiel gegen Kroatien wurde er zum Mann des Spiels ausgezeichnet – acht Monate nach seinem Début in der höchsten portugiesischen Liga, drei Monate nach der Premiere im A-Team Portugals und sechs Wochen nach der Vertragsunterzeichnung mit dem FC Bayern München. 35 Millionen Euro haben die Deutschen für Sanches bezahlt.

Sanches hat einen rasanten Aufstieg hinter sich. Die Höhe des Bonus beim Transfer, der von Faktoren wie Anzahl Einsätze abhängig ist, zeigt, dass die Zeit der Bestätigung für den Teenager noch ansteht. Die «Süddeutsche Zeitung» nannte ihn vor der EM «eine teure Phantasie». Hätten die Bayern die EM abgewartet, wäre der Preis aber wohl noch höher ausgefallen. Auch Manchester United versuchte, ihn an sich zu binden.

«Ein Phänomen»

«Es ist ein Traum, der wahr geworden ist», sagt Sanches. «Ich muss mich ab und zu zwicken, um sicher zu sein, dass das alles passiert ist.» Der Sohn einer kapverdischen Mutter und eines Vaters aus São Tomé und Principe galt schon als Kind als Ausnahmetalent. Immerhin 750 Euro und 25 Spieler übergab Benfica 2006 an den Lissaboner Vorortsclub Aguias Musgueira.

Seither nähert sich Sanches in grossen Schritten der Weltspitze. Carlo Ancelotti nannte den 1,76 Meter grossen Antreiber ein Phänomen. Der 57jährige Italiener wird in den kommenden Jahren als Trainer von Bayern München entscheidend beeinflussen, wohin der Weg von Sanches führt. (sda)

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