In Japan nicht Show abziehen

Von den verschobenen Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften in Tokio sind auch Ramona Elsener/Florian Roost betroffen. Den Schweizer Meistern bleibt so ein Unbehagen erspart.

Ruedi Stettler
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Ramona Elsener und Florian Roost sind über die WM-Absage nicht unglücklich. (Bild: ky/Ivan Sekretarev)

Ramona Elsener und Florian Roost sind über die WM-Absage nicht unglücklich. (Bild: ky/Ivan Sekretarev)

eistanz. Es braucht viel, bis eine Weltmeisterschaft verschoben oder gar abgesagt wird. Bei den ab dem 21. März in Tokio vorgesehenen Titelkämpfen ist das nach dem verheerenden Erdbeben in Japan naheliegend. Obwohl sich Ramona Elsener/Florian Roost (ES Frauenfeld) seit längerem konkret auf diesen internationalen Grossanlass vorbereitet haben, kommt ihnen die Sistierung nicht ungelegen. Die am 27.

Februar in Südkorea (Teilnahme an der Junioren-WM) 19 Jahre alt gewordene Ramona Elsener hält fest: «Ich bin mir gar nicht sicher, ob wir nach dem jetzigen Stand der Dinge morgen Freitag überhaupt abgeflogen wären. Bei einem solch tragischen Ereignis an eine WM in Japan denken, ist für mich völlig unrealistisch.»

Florian Roost sieht das genauso: «Wenn man die unfassbaren Bilder aus Japan am Fernsehen sieht, kommt schon ein mulmiges Gefühl auf.

Wir beide – und auch unsere Haupttrainerin Cornelia Diener – hätten echt ein ethnisches Problem. Wie sollen wir bei so viel Leid nach Tokio reisen und dort unsere Eistanz-Show abziehen. Das geht ganz einfach nicht.»

Saison wohl zu Ende

Mit der Absage dieser WM in Asien geht die Saison von Ramona Elsener und Florian Roost zu Ende. Eine äusserst erfolgreiche. Mit dem erneuten Gewinn des Elite-Meistertitels war ein erstes Ziel früh erreicht. Danach folgten ein 19.

Platz an der Europameisterschaft in Bern und ein 14. an der Junioren-WM in Südkorea. Ein letzter Höhepunkt fällt nun also weg. Was heisst das für die beiden aufstrebenden Talente? «Wir trainieren die nächsten Tage noch ganz normal weiter. Und natürlich hoffen wir auf einen schnellen Entscheid, wann und wo allenfalls dieses Championat doch noch nachgeholt wird.»

Nicht mehr früh aufstehen

Mit dem Wegfall der Reise nach Asien können Elsener/Roost wieder zum normalen täglichen Leben über gehen. Sie haben sich nämlich der Zeitumstellung längst angepasst und sind immer früh aufgestanden und haben auch immer täglich schon morgens um 7.30 Uhr trainiert.

Mit was für Erfolgsaussichten wären die beiden überhaupt an diese WM gefahren? Der 22jährige Frauenfelder muss nicht lange studieren: «Weil ein starkes Teilnehmerfeld angesagt war, hätten wir froh sein müssen, die Qualifikation zu überstehen.

Wir wären fast gezwungen gewesen, unsere Kür des Lebens zu zeigen.» Dieses Vorhaben ist vorläufig kein Thema. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Egal, welcher Anlass dann ansteht. Und in welchem Land der stattfindet.

Schon einmal musste eine Eiskunstlauf-WM abgesagt werden. Vor genau 50 Jahren in Prag. Beim Landeanflug auf Brüssel stürzte ein Linienflugzeug aus New York kommend ab. An Bord war auch das 18köpfige US-Team. 73 Todesopfer waren bei diesem Unglück zu beklagen.