In einer neuen Liga

LEICHTATHLETIK. Die St. Gallerin Selina Büchel überraschte am Diamond-League-Meeting in Paris mit einem Schweizer Rekord. Nun ist die 800-m-Läuferin an der Athletissima in Lausanne die Favoritin.

Raya Badraun
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Ihren emotionalsten Moment am Diamond-League-Meeting in Paris erlebte Selina Büchel nicht vor 45 000 Zuschauern im Stadion. Die 800-m-Läuferin stand bereits in der Mixed-Zone, als sie von ihrer neuen Bestzeit erfuhr. «Im ersten Moment habe ich dem Journalisten nicht geglaubt», sagt Büchel und lacht. Das erstaunt nicht. Ihre neue Bestleistung von 1:57,95 Minuten liegt über zwei Sekunden unter ihren bisherigen Zeiten. In der Leichtathletik ist das eine Ewigkeit. Bereits im Rennen hatte Büchel gemerkt, wie schnell sie unterwegs war. Auf den letzten Metern erhöhte sie gar noch das Tempo und rückte auf den dritten Rang vor. Mit einem Lächeln im Gesicht überquerte sie schliesslich die Ziellinie. «Ich war einfach froh, dass ich die Zwei-Minuten-Grenze unterboten habe», sagt die 23-Jährige.

Dass Büchel deutlich schneller lief als bisher, hätte sie in diesem Moment jedoch nicht gedacht. «Die Zeit hat mich extrem überrascht», sagt die Athletin des KTV Bütschwil. «Viel mehr als mein Titel an der Hallen-EM.» Während sie sich im Frühling den Sieg zum Ziel gesetzt hatte, glaubte sie vor Paris nicht daran, dass so eine Top-Zeit möglich sein würde. «Deshalb war es für mich auch emotionaler als an den Titelkämpfen», sagt Büchel.

Neue Ausgangslage für die WM

Ihre Leistung in Paris blieb nicht ohne Reaktion. «Mein Handy surrte am Wochenende ununterbrochen», sagt Büchel. Doch nicht nur die Anhänger haben ihren Leistungssprung wahrgenommen. Während sie im vergangenen Jahr an der EM in Zürich den Final noch verpasst hatte, ist sie nun die schnellste Europäerin in dieser Saison. Weltweit ist sie gar die Nummer vier des Jahres. Damit kommt sie für die WM in China nicht nur als Finalteilnehmerin ins Gespräch, sondern auch als Medaillengewinnerin. Mit 1:57,91 Minuten – also vier Hundertstelsekunden weniger – holte man an der WM 2013 Bronze. «Bis dahin dauert es jedoch noch eine Weile», sagt Büchel. «In dieser Zeit können auch noch andere Läuferinnen Top-Zeiten aufstellen.»

In den kommenden Wochen stehen einige wichtige Meetings an. So ist auch Büchels Programm dichtgedrängt. Heute startet sie an der Athletissima in Lausanne als Favoritin. Danach folgen Auftritte in Luzern, Bellinzona und Ende Juli beim Diamond-League-Meeting in London. Danach wird sie bis zur WM eine Wettkampfpause einlegen.

Geht es noch schneller?

Ihr grosses Ziel hat sie in Paris zwar erreicht. An Herausforderungen werde es ihr in den nächsten Wochen dennoch nicht fehlen, sagt Büchel. «Denn nun muss ich mich beweisen.» Bei den kommenden Auftritten möchte sie konstant Zeiten zwischen 1:58 und 1:59 Minuten laufen. Auch eine weitere Bestzeit schliesst sie nicht aus.

Mehrmals hat Büchel ihren Lauf in Paris bereits angeschaut. «Es machte jedes Mal Freude», sagt die Mosnangerin und bezeichnet das Rennen als ziemlich perfekt. Die Vorbereitung stimmte, die nötige Spannung war da und im Rennen traf sie die richtigen Entscheidungen. «Doch wenn man den Lauf sachlich anschaut, sieht man, dass noch mehr möglich wäre.» Es sind Details. Doch Büchel ist auf einem Niveau, wo es nicht mehr um Sekunden, sondern um Hundertstel geht. «Vor Paris konnte ich mir schliesslich auch nicht vorstellen, dass ich eine 1:57-Zeit laufen würde», sagt sie und lacht.

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