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In der Ruhe liegt die Kraft der Union-Fussballer

Der deutsche Kult-Zweitligist Union Berlin ist vor dem Spitzenspiel beim Hamburger SV morgen (20.30 Uhr) noch ungeschlagen. Auch ein Verdienst von Trainer Urs Fischer.
Carsten Meyer, Berlin
Dirigiert Union nach vorne: Trainer Urs Fischer (in Blau). (Bild: Michael Hundt/Imago (Berlin, 7. November 2018))

Dirigiert Union nach vorne: Trainer Urs Fischer (in Blau). (Bild: Michael Hundt/Imago (Berlin, 7. November 2018))

Urs Fischer steht auf dem Trainingsplatz in Berlin-Köpenick. Die Winterweste über der Sportjacke, eine graue Schirmmütze auf dem Kopf und einen Zettel mit Übungsinhalten in der Hand. Idyllisch ist es hier draussen direkt am Waldrand, fernab vom pulsierenden Zentrum der Hauptstadt. Und richtig ruhig ist es auch. Nur wenige Zuschauer finden unter der Woche den Weg an die Alte Försterei. Dafür sind sie dann bei Heimspielen alle da. Es gibt kaum eine treuere Anhängerschaft als jene von Union Berlin. Und wen die Fans einmal ins Herz geschlossen haben, der ist einer von ihnen. Für immer.

Und Fischer ist auf einem guten Weg, ein echter Unioner zu werden.

In der 2. Bundesliga noch keine einzige Niederlage

Dabei schauten nicht wenige Fans etwas ratlos drein, als der 52-Jährige im Sommer als neuer Chefcoach vorgestellt wurde. Von einem Urs Fischer hatten sie noch nie etwas gehört. Sie wussten nicht, dass er mit dem FC Basel zweimal in Folge Schweizer Meister wurde. Dass er in dieser Zeit einen beeindruckenden Punkteschnitt von 2,19 hatte. Und dass er mit seinem Team in der Champions League gegen Paris Saint-Germain und Arsenal London antrat. Viele waren skeptisch, einige neugierig. Euphorisch war niemand.

Mittlerweile sind die Fans vor allem eines: froh, dass Fischer da ist. Denn unter dem Schweizer sind die Berliner so gut wie unschlagbar geworden. In der Liga gab es noch keine einzige Niederlage. Und im Pokal benötigte die grosse Borussia aus Dortmund gegen Union einen Elfmeter in der 120. Minute, um nach Verlängerung die nächste Runde zu erreichen.

Die Berliner haben es sich also durchaus verdient, am morgigen Abend Teilnehmer eines echten Spitzenspiels der 2. Bundesliga zu sein. Als Dritter reisen sie zum Tabellenführer Hamburger SV. «Ein Highlight», frohlockt Offensivmann Joshua Mees, «ich hoffe, dass wir mithalten können und vielleicht sogar besser sind.» Das hoffen sie alle bei Union, wo sie in den vergangenen Monaten eine Menge Selbstvertrauen getankt haben. In den letzten Jahren sind sie ja häufig mit grossen Ambitionen in die Runde gestartet. Nur um dann regelmässig feststellen zu müssen, dass es für ganz oben eben doch noch nicht reichte. Das könnte sich nun endlich ändern. Auch dank Fischer, der sich langsam, aber sicher einen Namen in Deutschland macht. Mit seiner fast schon bedächtigen und sehr integrativen Art. Die Spieler jedenfalls sind äusserst angetan von ihrem neuen Vorgesetzten. «Er vermittelt uns, dass wir auch in kritischen Situationen die Ruhe behalten sollen», sagt Verteidiger Michael Parensen. «Wir arbeiten alle füreinander, jeder hilft dem anderen», stellt Mittelfeldspieler Akaki Gogia erfreut fest. Und ­Oliver Ruhnert, Geschäftsführer Sport, lobt: «Urs Fischer ist kein Typ, der fordert oder sich beschwert. Er vertraut den jeweiligen Experten.»

Gut im Korsett – noch mehr Kreativität erwünscht

Entsprechend führt er auch die Mannschaft, die viele Dinge selbst bestimmen darf. Vom Strafenkatalog bis zum Captain. Beim Thema Taktik setzt Fischer der Demokratie allerdings gewisse Grenzen: «Ich verlange von den Spielern, dass sie sich in ein Korsett zwingen – aber auch mal ausbrechen und eine gewisse Kreativität an den Tag legen.»

Das mit dem Korsett klappt defensiv bisher vorzüglich, Union stellt mit gerade einmal acht Gegentreffern in 13 Spielen die beste Abwehr der Liga. Nur beim Thema Kreativität und offensiver Durchschlagskraft besteht noch ziemlich Luft nach oben. Das alles führt dazu, dass die Berliner nie verlieren – aber eben auch gar nicht so häufig gewinnen. Fünf Siegen stehen acht (!) Unentschieden gegenüber. Ob ihn das nicht etwas nerve, wurde Fischer zuletzt gefragt. Nun ja, antwortete der 52-Jährige trocken, wenn er wählen könnte, würde er schon lieber ohne Punktverlust auf Platz eins stehen.

Aber auch so kann er mit dem bisherigen Saisonverlauf sehr zufrieden sein. Einen der ersten zwei Plätze, die zum direkten Aufstieg berechtigen, kann angesichts der Konkurrenz sowieso niemand erwarten. Und um den Barrageplatz drei streitet sich fast die halbe Liga. «Der HSV und der 1. FC Köln sind zwei Schwergewichte», weiss auch Fischer, «wenn alles normal läuft, sollten die beiden Clubs am Ende unter den ersten drei dabei sein. Also gibt es noch einen freien Platz für alle anderen.»

Was er nicht sagt, mittlerweile aber viele denken: Die Chancen stehen gar nicht so schlecht, dass dieser Platz an Union Berlin gehen könnte.

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