In der Not trifft Inzaghi

Bei der AC Milan sind Tore Mangelware. So besinnt sich Trainer Leonardo wieder auf den 36jährigen Filippo Inzaghi. Morgen gastiert der FC Zürich in der Champions League in Mailand.

Lukas Plaschy/Rom
Drucken
Teilen
Immer noch treffsicher: Milans 36jähriger Stürmer Filippo Inzaghi. (Bild: epa/Carmen Jaspersen)

Immer noch treffsicher: Milans 36jähriger Stürmer Filippo Inzaghi. (Bild: epa/Carmen Jaspersen)

Fussball. Anspruch und Wirklichkeit divergieren bei der AC Milan momentan weit auseinander. Mit acht Punkten nach sechs Runden belegen die Mailänder in der Serie A nur einen Mittelfeldplatz. Sinnbild der aktuellen Leistungsschwankungen ist der Brasilianer Ronaldinho. Nach dem Abgang von Spielmacher Kaká zu Real Madrid sollte der Weltfussballer von 2004 und 2005 die Lücke schliessen.

Silvio Berlusconi persönlich soll dem launischen Ronaldinho ins Gewissen geredet haben, die Mannschaft anzuführen. Die Last des präsidialen Auftrags scheint aber wie Blei auf Ronaldinhos Schultern zu lasten. Der 29-Jährige soll in der überalterten und langsamen Mannschaft für die Geniestreiche verantwortlich sein, wirkt bisher aber wie ein Fremdkörper.

So auch am vergangenen Sonntag im Heimspiel gegen Aufsteiger Bari, als allerdings nicht nur Ronaldinho den Ansprüchen nicht genügte. Nach dem enttäuschenden 0:0 quittierten die aufgebrachten Anhänger die Leistung ihrer Mannschaft mit einem Pfeifkonzert.

Offensive Probleme

Zunehmend in die Kritik gerät auch Milans neuer Coach Leonardo.

Der 39jährige ehemalige Weltklassespieler wurde quasi über Nacht vom Technischen Direktor zum Nachfolger von Erfolgstrainer Carlo Ancelotti befördert. Der Brasilianer pflegt einen weniger autoritären Führungsstil als sein Vorgänger. Seine Unerfahrenheit kann er damit allerdings nicht kaschieren. Verzweifelt sucht der Jungtrainer nach der richtigen Aufstellung. Die Probleme liegen vor allem in der Offensive. In sechs Meisterschaftsspielen erzielte Milan gerade einmal drei Tore.

In vier Partien brachten die Lombarden gar keinen Treffer zustande.

Auf den Spuren Gerd Müllers

Beruhigend, dass sich Leonardo wenigstens in der Champions League auf Filippo Inzaghi verlassen kann. Dank seiner zwei Tore am ersten Spieltag gewann Milan auswärts gegen Marseille mit 2:1. Der Angreifer, der seit 2001 für Milan spielt, realisierte gegen die Südfranzosen seine Europacup-Treffer 67 und 68.

Damit liegt er in der ewigen Bestenliste auf Rang zwei und nur noch ein Tor hinter dem legendären Gerd Müller, der 69mal getroffen hat. Der 36jährige, in Piacenza geborene Inzaghi ist der Inbegriff des Strafraumstürmers: Weder mit einer überdurchschnittlichen Technik noch mit einer kräftigen Physis ausgestattet, besitzt der immer noch antrittsschnelle Fussballer den Instinkt, zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle zu stehen.

Oft schleicht er sich in den Rücken der gegnerischen Abwehr und wartet auf Fehler, die er dann auszunützen weiss. Auch wenn er seit einigen Jahren oft nur noch als Joker eingesetzt wird, ist Inzaghis Torhunger ungebrochen. «Meine Leidenschaft und Liebe für meinen Beruf ist immer noch gleich stark wie als kleiner Junge», sagt er. Auch Milans Manager Adriano Galliani sagt, man müsse Inzaghi im hohen Fussballeralter nun wie einen guten Wein «im Mass» geniessen.

Aktuelle Nachrichten