In der Champions League beginnt das Favoritensterben

Liverpool grüsst in der Premier League von der Tabellenspitze. Allerdings könnte die Mannschaft des deutschen Trainers Jürgen Klopp am Dienstag aus der Champions League ausscheiden – wie auch andere Titelanwärter.

Sergio Dudli
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Jürgen Klopp steht mit Liverpool unter Zugzwang. (Bild: AP)

Jürgen Klopp steht mit Liverpool unter Zugzwang. (Bild: AP)

«Ich habe hier noch einen Vertrag über dreieinhalb Jahre. Wer weiss, ob mich danach noch jemand will.» Ein Satz, wie er in der heutigen Fussballwelt eigentlich nur von Jürgen Klopp stammen kann. Ehrlich, humorvoll, treffend. Gesagt hat er ihn an der Pressekonferenz vor der Partie am Dienstag in der Champions League gegen Napoli auf die Frage eines italienischen Journalisten, ob er sich vorstellen könnte, in der Serie A tätig zu sein. Es ist diese Lockerheit, die Klopp zum Liebling der Medien macht. Diese Unbeschwertheit legt er selbst dann an den Tag, wenn es für Liverpool darum geht, das vorzeitige Ausscheiden aus der Champions League zu verhindern.

Der Primus der Premier League

Klopp hat derzeit aber trotz der Wichtigkeit der Partie guten Grund, wie gewohnt seine Sprüche zu klopfen. Seit dem vergangenen Wochenende und der ersten Saisonniederlage von Manchester City grüsst Liverpool von der Tabellenspitze. Nach 16 Spielen stehen 42 Punkte zu Buche – und natürlich findet der 51-Jährige auch für diese herausragenden Zahlen den passenden Kommentar:

«So viele Punkte habe ich normalerweise im April.»

Das Gefühl einer Niederlage ist für die Spieler um Mohamed Salah, Virgil van Dijk und Xherdan Shaqiri in der heimischen Liga noch ein unbekanntes. Dass es mit der Herrlichkeit schnell vorbei sein kann, ist sich Klopp bewusst. Erreichte Liverpool in der vergangenen Saison den Final in der Champions League, droht am Dienstagabend bereits bei einem Unentschieden im Heimspiel gegen Napoli das Ausscheiden.

Hoffen auf das Unvorhersehbare

Mit sechs Punkten aus fünf Partien liegt Liverpool drei Zähler hinter den Italienern sowie deren zwei hinter Paris St-Germain. Die Franzosen gastieren bei Roter Stern Belgrad, alles andere als ein Sieg wäre eine Überraschung. Um eine Runde weiterzukommen, benötigt Liverpool gegen Napoli einen 1:0-Sieg. Gelingt den Italienern ein Tor, müssen die Engländer mit einem Zwei-Tore-Vorsprung gewinnen. Klopp sagt:

«Am Ende des Tages ist es Fussball. Wenn irgendwo etwas Unvorhergesehenes passieren kann, dann hier. Und das werden wir gegen Napoli versuchen.»

Dass sich Liverpool überhaupt in einer solch prekären Situation befindet, liegt an der Auswärtsschwäche, welche die Engländer in der Königsklasse an den Tag legen. Alle drei Partien auf fremdem Terrain gingen verloren – darunter ein 0:2 in Belgrad sowie eine Niederlage in letzter Minute gegen Napoli. Verteidiger van Dijk sagte an der Pressekonferenz:

«Es ist unser Fehler, dass wir in diese Situation gekommen sind. Jetzt müssen wir einen Weg herausfinden.»

Darauf angesprochen, ob der erste Tabellenplatz in der Premier League ein neues Selbstverständnis auslöst, meinte der Niederländer: «Das bringt uns in der Champions League nichts. Das Einzige, das wir mitnehmen, ist das Selbstvertrauen.»

Tottenham oder Inter Mailand?

Fest steht vor den Partien in der Gruppe C einzig, dass sich mit Paris St-Germain, Liverpool oder Napoli einer der Titelanwärter aus der Champions League verabschieden wird. Doch nicht nur in Liverpools Gruppe wird das Favoritensterben ein erstes Opfer fordern. Auch in der Gruppe B mit Barcelona, Tottenham, Inter Mailand und Eindhoven sind nur zwei Achtelfinaltickets zu vergeben. Eines davon haben sich die Spanier bereits gesichert.

Dahinter machen Tottenham und Inter Mailand – beide mit sieben Punkten – den zweiten Platz im Fernduell unter sich aus. Die Engländer haben mit der Auswärtspartie in Barcelona die auf dem Papier schwierigere Aufgabe. Damit Inter Mailand an den Londonern vorbeizieht, müssen die Italiener gegen das bereits ausgeschiedene Eindhoven mehr Zähler holen als Tottenham in Spanien.