Imhof ist erfolgreich zurück

Krankheiten und Unfälle warfen Claudio Imhof in seiner Entwicklung fast drei Jahre zurück. Unterdessen hat er sich eindrücklich zurückgemeldet und fährt als Einzelfahrer vor allem auf der Bahn wieder fast so stark wie früher.

Urs Nobel
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In Zürich hat man sich wieder an Siege von Claudio Imhof gewöhnt. (Bild: Mäke Meier)

In Zürich hat man sich wieder an Siege von Claudio Imhof gewöhnt. (Bild: Mäke Meier)

RAD. Wenn es heute abend auf der offenen Rennbahn in Oerlikon wieder rund geht, wird einer fehlen, der in dieser Saison an den beliebten Rennen schon sehr erfolgreich war. Der Thurgauer Claudio Imhof aus Sommeri startet heute zu einem Dreitagerennen in Italien und musste dafür bereits gestern abreisen. Über das Wochenende nahm er zusammen mit Partner Jan André Freuler noch an einem Nachtrennen im deutschen Öschelbronn teil und konnte einen weiteren Sieg in dieser Saison feiern. Am Wochenende gewann er übrigens vor dem aktuellen Europameister-Paar Graf-Müller aus Österreich, und auch die deutschen Meister Grasmann-Schäfer mussten sich von den beiden Schweizern schlagen lassen.

Oerlikon, die heimliche Liebe

Zu den Abendrennen auf der offenen Rennbahn in Oerlikon hat Claudio Imhof aber schon eine besondere Affinität und freut sich stets teilzunehmen, wenn dies sein «Fahrplan» zulässt. In diesem Jahr startete der Thurgauer bisher an acht Abendrennen in Zürich und absolvierte insgesamt 30 Rennen. Dabei siegte er 15mal und wurde achtmal Zweiter. Drei vierte Ränge, ein achter, zehnter sowie zwei elfte Ränge zeigen aber auf, dass man in Zürich Oerlikon nicht nur immer Vollgas geben kann. «Manchmal kommt man von Wochenendeinsätzen etwas müde nach Hause oder man muss auf der Rennbahn aufgrund der angebotenen Rennen Prioritäten setzen», erklärt Imhof, der nach seinen Einsätzen immer wieder nach Hause zurückkehrt und vor allem nach den Dienstagabend-Rennen meist noch von seiner Mutter gegen Mitternacht bekocht wird.

Positive Aspekte

Claudio Imhof fand wegen diverser gesundheitlicher Rückschläge, die sich auch negativ in den Resultaten niederschlugen, keine Renngruppe mehr, die ihn aufnahm. Zeigte er sich anfänglich noch enttäuscht darüber, findet er in der heutigen Situation sogar Vorteile für ihn. «Ich kann besser auf meinen Körper hören und muss nicht Rennen auf Befehl fahren.» Dass sich das negativ im Verdienst niederschlägt, verneint der Thurgauer jedoch. «Viel verdienen kann man höchstens in einem ganz guten Team. Solche sind jedoch dünn gesät.» Dass er als Einzelfahrer die gesamte Administration selber erledigen muss, findet er sogar als Bereicherung für ihn selbst. «Es ist gar nicht so schlecht, wenn man nicht immer nur pedaliert oder ans Radfahren denkt. Indem ich alles alleine mache, halte ich auch mein Gehirn in Schwung.»

Stärke auf der Bahn

Es ist keineswegs so, dass Claudio Imhof keine Strassenrennen bestreitet. Er absolviert solche aber hauptsächlich in der Schweiz. «Für Strassenrennen bin ich zu gross und für die Berge zu schwer», gesteht er. Zudem gebe es in der Schweiz zu wenig Strassenrennen, um beschäftigt genug zu sein. Wenn er jedoch im Ausland auf der Strasse fährt, dann meist als Mitglied der Nationalmannschaft. Der 24-Jährige setzt seine Prioritäten klar auf die Bahn. Er gehörte – und gehört immer noch – jenem Bahnvierer an, der für die Olympiade in Rio aufgebaut wird. Heute besteht in diesem Vierer ein gesunder Konkurrenzkampf von etwa sieben Fahrern, der zu Spitzenleistungen animiert. Imhof denkt aber noch keineswegs an Olympia in Rio, sondern kurzfristig an die EM, die diesen Herbst in Grenchen stattfindet. Bezüglich einer Olympiateilnahme möchte er sich selbst keinen zu grossen Druck auferlegen, zumal bei Nichterreichen des Ziels die Enttäuschung zu gross wäre. An der Europameisterschaft in Grenchen hofft und rechnet er jedoch damit, dass er im Madison und im Scratch zum Einsatz gelangt. Mit dem Vierer dabei zu sein, glaubt er nicht. «Ich habe längere Zeit nicht mehr mit dem Vierer trainieren können.»

Training im WK

Der neue Rundkurs in Grenchen gefällt Claudio Imhof, nicht zuletzt deshalb, weil er in diesem Jahr schon unzählige Runden auf dieser Bahn gefahren ist. «Ich gehöre zu jenen Fahrern, die ihre WK-Tage in Magglingen absolvierten und während dieser Zeit auch in Grenchen auf der Bahn trainierten. Er hat da schon diverse sehr gute Rundenzeiten absolviert, wenngleich er angibt, dass ihm die älteren Betonbahnen fast noch besser gefallen. «Auf diesen muss man mehr tun, um zum Erfolg zu kommen.»

Wenn Imhof nicht wegen Rennen unterwegs ist, trainiert er vor der Haustüre oder trifft sich mit Patrick Schelling von Hemberg irgendwo im Appenzellerland. Und er betont, wie wichtig es ihm ist, immer wieder zu Hause in seinem Elternhaus zu sein. Einerseits aus finanziellen Aspekten, dann aber vor allem, um im Kreise der Familie wieder tüchtig Energie aufzutanken.