Im Wechselspiel richtig gut

Verschiedene Faktoren haben zum siegreichen EM-Qualifikationsspiel der Schweiz in Litauen geführt, auch das Coaching von Nationaltrainer Vladimir Petkovic. In der Wahl des Personals bewies er in der zweiten Halbzeit Mut und ein gutes Gespür.

Christian Brägger/Bern
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FUSSBALL. Gut gelaunt stand Vladimir Petkovic im Bus, der die Schweizer Nationalmannschaft auf das Rollfeld des Flughafens von Vilnius fuhr. Er wirkte erleichtert. Der 51jährige Nationaltrainer wusste wohl auch, dass am Sonntagabend in der EM-Qualifikation bedeutend mehr hätte schiefgehen können gegen diese Litauer. Vielleicht wäre bei einer Niederlage gar etwas kaputtgegangen im Schweizer Team. Man weiss es nicht, weil der Coach das richtige Gespür hatte: Seine Korrekturen mündeten am Ende in den Sieg.

Petkovic sagte: «Der Gegner hatte viel Selbstvertrauen. Wir bekamen plötzlich Angst und zu viel Respekt.» Das wurde in der zweiten Halbzeit besser, weil er Xherdan Shaqiri, der in den ersten 45 Minuten nicht gut spielte, mehr Freiheiten zugestand. «Wichtig ist es, dass wir von schwierigen Situation wie in Litauen lernen.» Petkovic betonte nochmals, dass es ihm letztlich egal war, wie sie das 2:1 erzwangen. «Es spricht für den Charakter dieses Teams, auch an einem schlechten Tag zu gewinnen.»

Xhaka oder Inler?

Es hatte so gar kein Spielfluss entstehen wollen. Deshalb stand vor dem unerwarteten 0:1-Rückstand in der 64. Minute Gökhan Inler nicht mehr auf dem Platz. Petkovic hatte seinen Captain kurz zuvor herausgenommen und ihn somit für Granit Xhaka geopfert, der in der ersten Halbzeit im linken Korridor nie zu seinem Spiel fand. Ein Spiel, das der 22jährige Gladbacher in seiner ganzen Breite vor sich haben will. Xhaka sagt, der Trainer wisse, dass er viel lieber im Zentrum spiele und nicht auf der Seite.

Inler aber beansprucht ebenfalls diese Position im 4-3-3-System von Petkovic. Der 30-Jährige ist als Captain eigentlich gesetzt. Weil seine physische Präsenz gegen Mannschaften wie Litauen, die spielerisch limitierter sind, weniger gefragt ist als die offensiven Impulse eines Xhaka, könnte dies dennoch eine für die Zukunft wegweisende Auswechslung gewesen sein. Inler selbst sah die Angelegenheit aber nicht so eng, vielmehr habe er draussen auf der Bank mitgelitten, als das 0:1 gefallen sei. In diesen Tausch wollte er nichts hineininterpretieren.

Auch dass Haris Seferovic und nicht Josip Drmic mit Inler ausgewechselt wurde, stellte sich im nachhinein als richtige Massnahme heraus. Drmic dankte den Verbleib mit dem Ausgleichstor – vier Minuten nach dem 0:1. Ebenfalls passte es zum richtigen Instinkt des Coachs, dass er zehn Minuten vor Spielende den 18jährigen Breel Embolo aufs Feld schickte; das Basler Juwel gab den entscheidenden Pass zu Shaqiris Siegtreffer.

Topquote für Shaqiri

Shaqiri sagte: «Ich will unbedingt nach Frankreich. Es freut mich, wenn ich dem Team helfen kann.» Wieder einmal war er es gewesen, der die kleine Differenz gebracht hatte. Natürlich er. Derzeit ist es kaum in Worte zu fassen, von welch unschätzbarem Wert der 23-Jährige für die Schweiz ist. Vor allem dann, wenn so viel nicht stimmt im Schweizer Spiel und die Fehlpassquote so hoch ist wie in Vilnius. Shaqiris Bilanz unter Petkovic in der EM-Qualifikation spricht für sich, vier der insgesamt 13 Schweizer Tore hat er erzielt, viermal gab er den Assist.

Adieu – und ab in die Ferien

Bei der Gepäckausgabe am Flughafen in Bern-Belp verabschiedete sich Petkovic als erster. Jedem seiner Spieler und Mitarbeiter schüttelte er die Hand. Herzhaft sah das aus, es hatte so kurz vor den Ferien etwas Vertrautes, Angenehmes.