Im stillen Kämmerlein

Wo geht es in der Thurgauer Kultur zur Schweiz von heute oder gar zur aktuellen Welt? Nirgendwo. Auf unsere zeitfernen Theater hat Jean Grädel in seiner «Leuchtspur» vom 11. März hingewiesen. Sein Befund trifft leider aufs kulturelle Angebot schlechthin zu.

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Wo geht es in der Thurgauer Kultur zur Schweiz von heute oder gar zur aktuellen Welt? Nirgendwo. Auf unsere zeitfernen Theater hat Jean Grädel in seiner «Leuchtspur» vom 11. März hingewiesen. Sein Befund trifft leider aufs kulturelle Angebot schlechthin zu. Zumindest momentan.

Kultur findet unter dem Kulturzelt statt. Es ist luftdicht abgeschlossen. Kein Geräusch dringt ein. Wir sehen und hören Kultur, die sich selber genügt. Das Zelt könnte am Nordpol, in Patagonien oder auf dem Mond stehen. Die Aussenwelt spielt keine Rolle.

Kulturschaffende und ihre Vermittler ziehen den Schein dem Sein vor. Schön soll es zugehen, unverbindlich oder unterhaltend. Genau so wie im Fernsehen am Vorabend. Die Problemverbotszone hat sich ausgeweitet. In ihr nimmt die Kultur bequem Platz.

Weil es dem Publikum enorm gefällt? Eine Ausrede. Jedenfalls lässt sich nicht behaupten, die Besucher würden die Wohlfühloasen stürmen. Die grosse Nachfrage ist allem sicher, was ungewöhnlich klug gedacht und ausserordentlich gut gemacht ist. Unter dieser Voraussetzung zieht auch das Eckige und Kantige in den Bann, das uns mal den Atem verschlägt und mal die Augen öffnet.

Kultur muss sich nicht zwingend mit der Gegenwart reiben. Aber wenn sie durchwegs der aktuellen Bedeutung entflieht, verstärkt sie, woran der Thurgau krankt: am Stoffmangel für Diskussionen.

Wenn debattiert wird, dann nabelbeschauend über die zu verbessernden Rahmenbedingungen. Dafür wären kritische und kontroverse Gespräche über Werke das beste Argument. Stille herrscht. Wozu brauchen wir die Förderung einer Kultur, die zum Teil der schweigenden Mehrheit geworden ist?

Alex Bänninger

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