Im Schatten seines Bruders

Sie sind gleich gross, gleich schwer und beide aus dem schottischen Dunblane. Jamie Murray wird aber nur wahrgenommen, wenn er an der Seite von Bruder Andy spielt – wie heute in Basel.

Matthias Hafen
Drucken
Im Doppel mit seinem Bruder Andy steht Jamie Murray (vorne) auch einmal im Mittelpunkt. (Bild: epa/John G. Mabanglo)

Im Doppel mit seinem Bruder Andy steht Jamie Murray (vorne) auch einmal im Mittelpunkt. (Bild: epa/John G. Mabanglo)

TENNIS. Der Tenniszirkus mag von den grossen Namen leben. Doch kein Turnier der Welt kommt aus ohne die «Spieler ohne Namen», wie die weniger bekannten Profis auf den hinteren Rängen der Weltrangliste genannt werden. Sie sind unerlässlich, damit der Zirkus so oft an so vielen Orten auf der Welt haltmachen kann. Fast immer gehören sie zu den Aussenseitern und hoffen auf einen Exploit. Nur wenige schaffen ihn. Und so bleiben die meisten von ihnen der breiten Öffentlichkeit unbekannt. Ausser man hat einen berühmten Bruder.

Jamie Robert Murray würde im Tenniszirkus kaum jemand wahrnehmen, wäre sein Bruder nicht Andy Murray, die aktuelle Nummer drei der Welt. Im Jahr 2006 schaffte Jamie Murray mit Platz 834 seine Spitzenposition in der Weltrangliste. Heute wird er im Einzel-Ranking gar nicht mehr aufgeführt. Nach einem kurzen Abstecher auf den Golfplatz fand Jamie Murray in den vergangenen Jahren aber nochmals Gefallen am Tennis und setzt seither voll aufs Doppel. Oft spielt er an der Seite seines Bruders Andy – mit Erfolg. Heute ist er die Nummer 24 in der Doppel-Weltrangliste.

Einst auf Augenhöhe mit Nadal

Mit 25 Jahren hat Jamie Murray seine Rolle als Nummer zwei der Familie längst akzeptiert. Er macht sich einen Spass daraus, der Welt zu erzählen, dass er sich als Kind beim Wimbledon-Besuch mit der Familie jedes Spiel anschauen wollte, während sich sein um ein Jahr jüngerer Bruder Andy nur für die Autogramme der Stars interessierte.

Die Rollen in der Familie Murray waren nicht von Anfang an so deutlich verteilt. Im ersten Turnier, das Jamie als Zehnjähriger ausserhalb von Grossbritannien bestritt, besiegte er im französischen Rouen im Final den Einheimischen Gael Monfils 6:0, 6:1. Im Doppel triumphierte er zusammen mit Andy ebenfalls. In der Kategorie U12 gehörte Jamie Murray zu den Top drei Europas – zusammen mit einem gewissen Rafael Nadal und Richard Gasquet.

Wimbledon gewonnen

Der ältere der Murray-Brüder driftete aber schon als Bub vom Tennis ab. Der Fan des Fussballclubs Hibernian Edinburgh erkannte, dass er noch andere Talente besass. Doch freundete er sich nicht etwa mit dem runden Leder an, sondern mit den Tees. Heute spielt Jamie Murray Golf mit Handicap drei. Im Gegensatz zu Andy, der einst ein Angebot bekam, für die Glasgow Rangers zu spielen, kam Jamie einer Fussballkarriere nie so nahe. Er blieb des Spasses wegen dem Tennis treu und bestritt vor allem Future-Turniere. Erfolge feierte er nur noch im Doppel. Zu zweit gewann Jamie Murray das Mixed-Turnier von Wimbledon im Jahr 2007 und sieben ATP-Titel – unter anderem 2010 mit seinem Bruder Andy in Valencia.

Weil Andy Murray sich in diesem Jahr anstatt für Valencia für die Swiss Indoors in Basel entschieden hat, tritt das schottische Brüderpaar nun in der St. Jakobs-Halle an – erstmals heute abend, nach dem Einzel von Andy Murray gegen den Holländer Robin Haase, das um circa 16 Uhr beginnt.

Aktuelle Nachrichten