«Im Kopf ist etwas passiert»

Danijel Aleksic wurde vor sieben Jahren als Wunderkind gepriesen. Die derzeitigen Leistungen für St. Gallen lassen erahnen, weshalb. Doch der Serbe musste tief fallen, um zu reifen. Morgen tritt er mit St. Gallen ab 13.45 Uhr in Sitten an.

Ralf Streule
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Danijel Aleksic: «In St. Gallen erhalte ich das Gefühl, wichtig zu sein. Das war in anderen Clubs nicht so.» (Bild: Peter Käser)

Danijel Aleksic: «In St. Gallen erhalte ich das Gefühl, wichtig zu sein. Das war in anderen Clubs nicht so.» (Bild: Peter Käser)

FUSSBALL. Danijel Aleksic wird wegen zweier Tore für den FC St. Gallen im Startspiel nicht gleich abheben. Vielleicht hätte er es noch getan, vor sieben Jahren, als er 17 Jahre alt war und jüngster serbischer Nationalspieler wurde. Doch es ist zu viel passiert seither. Vieles, das ihn demütiger gemacht hat. Jetzt schlendert er im modischen T-Shirt gemächlich über den Rasen in der AFG Arena, plaudert auf Englisch, lässt sich vom nahenden Wasserstrahl ebenso wenig aus der Ruhe bringen wie von den Erinnerungen an seine zwei Tore gegen den FC Lugano. Kein Grund, abzuheben. «In meinem Kopf ist etwas passiert.»

Die kleinen, feinen Aktionen

Passiert ist zuletzt vor allem Positives. Der Serbe stiess im Winter zu St. Gallen – mit wenig Spielpraxis und vielen Misserfolgen in den Beinen. Erst gegen Ende der Rückrunde kam er regelmässig zum Einsatz, rechtfertigte dies mit starken Leistungen, mehreren Assists und dem «Tor der Saison» gegen Basel. Aber nicht nur diese Bilanz lässt die St. Galler schwärmen. Sondern auch die kleinen, feinen Aktionen des 24-Jährigen: Annahmen, bei denen der Ball an Fuss und Brust zu kleben scheint, filigrane Aussenristpässe, Körpertäuschungen. Vieles lässt begreifen, weshalb der Serbe einst als Wunderkind galt.

Was ist seither passiert? Darauf kann Aleksic keine einfache Antwort geben. Sein Wechsel 2010 vom Stammclub Vojvodina zum FC Genua in die Serie A sei rückblickend ein Fehler gewesen. Für gegen drei Millionen Euro wechselte der damals 19-Jährige. Es schien der perfekte Transfer für alle zu sein. «Wenn ich nein gesagt hätte, hätte das niemand verstanden.»

In Italien fühlte er sich von Beginn weg unwohl. «Der Club hatte keine Geduld mit mir.» Zudem habe man nicht viel für sein Wohlbefinden getan. Wenn es um persönliche Wünsche ging, habe man ihn vertröstet: «Domani, domani.» Das sei hier in St. Gallen anders. «Hier versucht man, mir zu helfen. Ich erhalte das Gefühl, wichtig zu sein.» Wie zum Beweis stösst Sportchef Christian Stübi dazu, klopft Aleksic auf die Schulter, sagt: «Next time in German, Danijel!», und macht lachend wieder kehrt.

Prophezeiung wird wahr

Immerhin habe er «ein Puzzleteil mitgenommen» aus Genua, sagt Aleksic. Ebenso eines aus der Zeit bei Greuther Fürth, wohin er ausgeliehen wurde. Und deren zwei aus Frankreich: St-Etienne aus der ersten, Avignon aus der zweiten Liga. Zuletzt landete er in Polen bei Lechia Danzig, wo er sich unwohl fühlte und den Vertrag auflöste.

St. Gallen mit dem damaligen Sportchef Heinz Peischl ging im Winter das Wagnis ein, ihn in die Ostschweiz zu holen. Ein Satz in der Medienmitteilung liess tief blicken: «Wenn er St. Gallen als Chance begreift, wird er uns viel Freude bereiten.» Einiges deutet darauf hin, dass der Offensivspieler die Rückschläge nur schlecht wegsteckte und lange die Flausen eines Wunderkindes behielt. «Als junger Spieler hast du andere Vorstellungen», erklärt Aleksic. Aber eben: Die Puzzleteile hätten sich zum reifen Ganzen zusammengefügt.

Erhalten hat sich Aleksic sein Selbstbewusstsein. Das zeigte sich in Basel nach dem Traumtor, als er nicht jubelte, sondern stehen blieb und die Hände provokativ an die Ohren hielt – wofür ihn Basels Marco Streller in der Pause zurechtwies. «Wenn Basler dies als Beleidigung empfanden, tut mir das leid. Die Geste galt einigen Personen, die in der Vergangenheit nicht an mich geglaubt haben.»

«Beste Zeit in meiner Karriere»

In St. Gallen, wo Aleksic einen Vertrag bis 2018 unterschrieben hat, erlebe er derzeit «die beste Zeit meiner Karriere». Er habe mit dem Club grosse Ziele. An eine Rückkehr ins Nationalteam oder an einen Wechsel in eine grössere Liga denke er nicht. «Wenn die Anrufe kommen, kommen sie.» Wer will wegen zweier Tore gleich abheben.

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