Im kalten Fussballstadion zum Weltrekord

TENNIS. 27 432 Zuschauer waren gestern vor Ort dabei, als Stan Wawrinka seinen Kontrahenten Jo-Wilfried Tsonga zum Finalauftakt besiegt hatte. Noch nie wohnte einer offiziellen Tennispartie mehr Publikum bei. Und die Atmosphäre war in der Tat beeindruckend. Auf drei Etagen sassen die Zuschauer.

Matthias Hafen/Lille
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TENNIS. 27 432 Zuschauer waren gestern vor Ort dabei, als Stan Wawrinka seinen Kontrahenten Jo-Wilfried Tsonga zum Finalauftakt besiegt hatte. Noch nie wohnte einer offiziellen Tennispartie mehr Publikum bei. Und die Atmosphäre war in der Tat beeindruckend. Auf drei Etagen sassen die Zuschauer. Jedesmal, wenn ihr Lärm über dem Court zusammenbrach, fühlte sich das beklemmend an. Ebenso faszinierend war, wie die Zuschauer für die Ballwechsel von der einen auf die andere Sekunde mäuschenstill werden konnten. Trotz aller Brisanz der Begegnung: Das Fairplay funktioniert.

Doch die Arena Pierre-Mauroy in Lille ist nicht nur wegen seiner Atmosphäre ein besonderer Austragungsort für den Daviscup-Final zwischen Frankreich und der Schweiz. Das Stadion, das für die Fussball-EM 2016 errichtet wurde und nun auf einer Platzhälfte fürs Tennis genutzt wird, hat zwar ein schliessbares Dach. Allerdings unterscheiden sich die Temperaturen auf den Rängen nicht wahrnehmbar von jenen draussen – und die sind in Lille derzeit winterlich.

Zu frostig für Depeche Mode

Die Musikband Depeche Mode sagte wegen der frostigen Temperaturen im Stadion Pierre-Mauroy schon eine Show ab. Tennisprofis scheinen da abgehärteter zu sein. Für sie ist es dennoch eine Herausforderung. Während sich die Zuschauer in dicke Winterjacken einpacken können, stehen die Tennisprofis mit T-Shirts und Shorts auf dem Platz. Hobbyspieler kennen dieses Gefühl von Wintertrainings in einer Ballon-Halle. Um die Muskeln der Spieler zu schonen, hängen über dem Spielfeld in Lille 58 überdimensionale Heizstrahler, die bis in die ersten Reihen der Zuschauerplätze wohlige Wärme produzieren.

Den Fokus nicht verlieren

Die Temperatur im Stadion hat auch einen Einfluss darauf, wie hoch der Ball auf dem Sand abspringt und wie sich der Belag allgemein anfühlt. Sich an diese Bedingungen anzupassen, war für Wawrinka und Co. die zweitgrösste Herausforderung. Die grösste? «Sich in dieser Arena auf das Spiel zu fokussieren», wie Wawrinka sagte.