Im Herzen Mountainbiker

Das Mountainbike-Team um den Thurgauer Ralph Näf wurde bei seiner Ankunft in Kloten freudig empfangen. Auch Näfs grösster Fan strahlte um die Wette: Seine Familie.

Jarima Haas, Kloten
Drucken
Der Thurgauer Ralph Näf fährt auf der Mountainbike-Strecke bei den Olympischen Spielen gekonnt über die Steine. (Bild: ky/Jean-Christophe Bott)

Der Thurgauer Ralph Näf fährt auf der Mountainbike-Strecke bei den Olympischen Spielen gekonnt über die Steine. (Bild: ky/Jean-Christophe Bott)

MOUNTAINBIKE. Aufgeregt warteten die Fans am Flughafen Zürich bis die Schweizer Equipe endlich durch die Türe bei der Ankunft 1 treten würde. Und dann waren sie endlich da: Mit lautem Glockengeläut wurden Ralph Näf und seine beiden Teamkollegen, Nino Schurter und Florian Vogel, in der Schweiz empfangen. Rechts am Rand stand Näfs grösster Fan: seine Familie. Freudestrahlend sprangen ihm seine Söhne Levin und Yanis in die Arme. Die Augen von Tochter Lenya im Kinderwagen leuchteten wie die Sterne am Nachthimmel, als sie ihren Papi wiedersah. Strahlend meint der Andwiler, dessen Glücksbringer seine Kinder sind: «Es ist schön, meine Familie wieder in die Arme zu schliessen und ich bin froh, dass nun die Normalität in mein Leben zurückkehrt.»

Die erhoffte Olympiamedaille ist dem 32-Jährigen verwehrt geblieben. Im Laufe des Rennens fiel er immer weiter zurück. Das Resultat war der 18. Rang. Wie ist es dem gelernten Maurer ergangen? «Ich bin gut gestartet, aber ich hatte zu wenig Kraft, um weiter voranzukommen. Nachdem ein Teilnehmer gestürzt war, bin ich immer weiter zurückgefallen. Ich hatte durchaus Aussenseiterchancen und wollte eine Medaille gewinnen, aber ich wusste, dass ich dafür den perfekten Tag haben muss. Die Enttäuschung stieg bereits während des Rennens in mir auf.»

Planlos in London

Die letzten zwei Tage sei der Thurgauer, dessen Spitznamen Dennis oder Näfi sind, mehr oder weniger planlos in London herumgelaufen. «Und irgendwie habe ich dann den Flieger zurück in die Heimat gefunden», lacht der Mountainbike-Liebhaber. Die Zeit in London sei super gewesen, genauso wie die Stimmung im Team. «Wir waren am Abend zusammen unterwegs und an der Abschlussfeier dabei. Diese war jedoch eher suboptimal. Nach dem kräfteraubenden Rennen vom Nachmittag, am Abend drei bis vier Stunden zu stehen, war schon anstrengend», erzählt Näf, der in den Tagen vor dem Rennen nichts von Olympia mitbekommen hat.

Zu Hause angekommen, geniesst Näf zuerst einmal seine Familie. Viel Zeit bleibt dem stolzen Vater, der während seiner Abwesenheiten täglich mit seinen Kindern telefoniert, jedoch nicht. Bereits in vier Wochen findet die Marathon-WM statt. «Jetzt folgt für mich die Planung der Saison und dann konzentriere ich mich auf die bevorstehende WM. Danach klingt das Jahr langsam aus. Was 2013 kommt, sehe ich dann», meint Näf, der zusammen mit dem Radrennprofi Michael Albasini «als Hobby» Kaffee vertreibt.

Rücktritt? «Nein»

Zudem läuft der Vertrag mit seinem Team (Multivan Merida Biking Team) aus. Im September stehen die Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung an. «Ob ich in London 18. oder 8. geworden wäre, spielt für die Verhandlungen keine Rolle. Ich hätte eine Medaille gewinnen müssen, um diese zu beeinflussen», sagt Näf, dessen Verhältnis zu seiner Equipe gut ist. Hat der Sportler auch schon mal an einen Rücktritt gedacht? Schmunzelnd erwidert er: «Nein. Dafür bin ich im Herzen zu fest ein Mountainbiker.»

Seine Kinder sind seine Glücksbringer: Näf hält Tochter Lenya im Arm, seine Frau Cony Sohn Levin und Yanis trägt bereits den Helm. (Bild: Urs Huwyler)

Seine Kinder sind seine Glücksbringer: Näf hält Tochter Lenya im Arm, seine Frau Cony Sohn Levin und Yanis trägt bereits den Helm. (Bild: Urs Huwyler)

Aktuelle Nachrichten