«Im Erfolg vergeht die Zeit schnell»

Der pensionierte Peter Kummer hat Volley Amriswil als Präsident zum ersten Meistertitel seit 2010 geführt. Der ehemalige Amriswiler Stadtammann über den Vergleich zwischen Politik und Sport, finanzielle Begehrlichkeiten und die Champions League.

Patricia Loher
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Peter Kummer Präsident Volley Amriswil (Bild: Nana do Carmo)

Peter Kummer Präsident Volley Amriswil (Bild: Nana do Carmo)

Herr Kummer, haben Sie eine lange Nacht hinter sich?

Peter Kummer: Nach der Entscheidung am Sonntag fand in der Halle zuerst die Pokalübergabe durch den Verband statt, danach feierten wir weiter. Die Hälfte der 1500 Zuschauer blieb noch länger. Es war ein würdiges Fest. Natürlich ist man irgendwann müde, aber im Erfolg vergeht die Zeit schnell.

Sie sind Alt-Stadtammann von Amriswil und waren Grossratspräsident des Kantons Thurgau. Gab es während Ihrer politischen Tätigkeit ähnlich Emotionales wie der Titel mit Volley Amriswil?

Kummer: Die Emotionen sind natürlich auch sehr gross, wenn man zum höchsten Thurgauer gewählt wird. Aber grundsätzlich sind Politik und Sport nicht miteinander vergleichbar.

Sie finanzieren das Kader des Nationalliga-A-Teams durch Sponsorengelder. Reicht dieses Geld?

Kummer: Es muss. Die Einnahmen aus Eintritten und Gastronomie sind klein. Achtzig bis neunzig Prozent unseres Budgets von 500 000 bis 600 000 Franken müssen wir über Sponsorengelder decken.

Im Vergleich mit anderen Sportarten ist das ein kleines Budget.

Kummer: Wenn man dieses Geld sammeln muss, ist es viel.

Unterhalten Sie einen Profibetrieb?

Kummer: Nur Miroslav Tomasik arbeitet zu hundert Prozent. Er wollte ursprünglich mit dem Spitzensport aufhören, wir haben ihn aber zurückgeholt. Er hat dann immer gespielt, das war ein happiges Programm für ihn. Ein Teil der Mannschaft sind Studenten, nur die Ausländer sind Vollprofis.

Steigen bei den Spielern die finanziellen Begehrlichkeiten mit einem Meistertitel?

Kummer: In den Verträgen ist eine Erfolgsprämie festgehalten. Doch wir haben das Glück, dass wir bei Meistertiteln finanziell durch Stadt und Kanton unterstützt werden. Damit können wir die Prämien jeweils bezahlen.

Vor allem mit der Verpflichtung von Sébastien Steigmeier ist Amriswil ein Coup gelungen. Wer ist für die Transferpolitik verantwortlich?

Kummer: Die Mannschaft wird durch unseren Teammanager René Zweifel zusammengestellt. Seine Vorschläge gelangen schliesslich in die Sportkommission, der er selber, unser Sportchef Marco Bär und ich angehören. Wir entscheiden jeweils, welche Spieler verpflichtet werden. Natürlich hatten wir das Glück, dass es uns gelungen ist, mit Sébastien Steigmeier einen der besten Schweizer Angreifer nach Amriswil holen zu können. Als bekannt wurde, dass er Kanada verlassen will, wollten ihn auch andere Clubs verpflichten.

Weshalb entschied sich Steigmeier schliesslich für Amriswil?

Kummer: Wir haben den Ruf, dass wir die Löhne pünktlich bezahlen und seriös arbeiten.

Amriswil kann die Champions League bestreiten. Die Tellenfeld-Halle erfüllt die Anforderungen aber nicht. Ist schon ein Entscheid gefallen, ob oder wo Amriswil Champions League spielen wird?

Kummer: Nein, noch nicht. In den nächsten eineinhalb Monaten werden wir uns entscheiden. Es besteht die Möglichkeit, nach St. Gallen oder Frauenfeld auszuweichen.

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