«Ich will nur wissen: Wie gut ist er?»

Der 48jährige Jarmo Kekäläinen war bei Rapperswil-Jona einst Ersatzausländer in der NLB. Heute ist der Finne der erste und einzige europäische General Manager in der NHL: Er führt die Columbus Blue Jackets und weilt derzeit in Zug und Luzern an der U18-WM.

Nicola Berger/Luzern
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Herr Kekäläinen, 1994 gaben Sie ein kurzes Gastspiel bei Rapperswil-Jona. Wie kam es dazu?

Jarmo Kekäläinen: Pekka Rautakallio ist ein guter Freund von mir. Er war damals gerade Trainer bei Rapperswil-Jona und hat mich gebeten, zum Team zu stossen. Für den Fall, dass sich einer der anderen Ausländer verletzt. Gegen Chur erhielt ich eine Chance, wir gewannen. Aber ich spielte trotzdem nie mehr.

Sie haben die NHL in vielen Rollen eingenommen: Spieler in Boston, Scout in Ottawa, Assistent des General Managers in St. Louis. Inzwischen sind Sie als Finne zum ersten europäischen General Manager in der Geschichte der Liga aufgestiegen. Wird das Ansehen des europäischen Eishockeys grösser?

Kekäläinen: Es sollte keine Rolle spielen, aus welcher Nation ein Spieler stammt. Mich interessiert das überhaupt nicht. Ich will nur wissen: Wie gut ist er? Was meine Stelle betrifft, kann ich nur sagen: Ich hoffe, es hat fachliche Gründe, dass nicht mehr Europäer eine General-Manager- oder Trainerstelle besetzen. Es dauerte lange, bis es in der NHL einen europäischen Spieler gab. Noch länger, bis ein Europäer Cheftrainer wurde. Die Stelle des General Manager war das letzte Tabu.

Derzeit beträgt der Anteil der europäischen NHL-Spieler 30 Prozent. Wird das noch mehr?

Kekäläinen: Ich rechne nicht damit, dass sich die Zahlen allzu stark verschieben. Kanada stellt nach wie vor mit Abstand am meisten Spieler, und ich denke, das wird auch so bleiben. Der Sport hat eine immense Bedeutung dort. Und in den USA ist die Entwicklung erfreulich, sogar in nichttraditionellen Märkten gibt es aufregende Programme und Spieler: Florida, Texas, Kalifornien.

Wie erleben Sie die Entwicklung des Schweizer Eishockeys?

Kekäläinen: Es ist beeindruckend, welche Fortschritte erzielt wurden. Die Schweiz muss sich vor keiner Nation in Europa verstecken. Ich habe mir einige der Partien zwischen Zürich und Davos im Stadion angesehen und war beeindruckt vom Niveau. Und dann stellt die Schweiz ja viele tolle NHL-Profis. Nehmen Sie nur Roman Josi: was für ein grandioser Verteidiger.

Ende Juni findet in Florida der NHL-Draft statt. Gibt es in Ihren Augen im Schweizer U18-Team Spieler, die herausstechen?

Kekäläinen: Jonas Siegenthaler und Denis Malgin werden nicht umsonst hoch eingeschätzt. Beide verfügen über viel Talent.

In der NHL gewinnen analytische Statistiken an Einfluss, es wird alles erfasst und vermessen. Was halten Sie davon?

Kekäläinen: Statistiken sind ein wichtiges Hilfsmittel, aber sie erzählen selten die ganze Wahrheit. Ich bin davon überzeugt, dass die Instinkte eines Spielers mit am wichtigsten bei der Evaluation des Leistungsvermögens sind. Instinkte lassen sich zahlenmässig nicht immer messen.