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Interview

Thorsten Fink vor dem Duell mit dem FCL: «Ich will bei GC etwas aufbauen»

Thorsten Fink hat mit den Grasshoppers noch nicht den gewünschten Erfolg. Im Interview spricht der einstige Meistertrainer über das heutige Duell gegen Luzern (16 Uhr), Bundesliga-Angebote und den FC Basel.
Interview: Raphael Gutzwiller
Braucht Geduld mit seinen jungen Spielern: Thorsten Fink. (Bild: Ennio Leanza/Keystone (Zürich, 7. Oktober 2018)

Braucht Geduld mit seinen jungen Spielern: Thorsten Fink. (Bild: Ennio Leanza/Keystone (Zürich, 7. Oktober 2018)

Thorsten Fink, Anfang Saison sprachen Sie von der Europa League, Ihr Team liegt aber nur an neunter Stelle. Warum?

Im Moment agieren wir zu wenig, sondern wir reagieren häufig nur. Das hat sich bei den Siegen gegen Xamax und St. Gallen gebessert, zuletzt beim 0:2 gegen Zürich war es aber leider wieder ähnlich. Wir haben gegen Zürich gesehen, dass es noch ein bisschen etwas braucht. Es fehlt auch noch an Erfahrung, was aber auch mit den vielen Verletzten zu tun hat.

Das heisst, der Tabellenplatz liegt an den vielen Verletzten?

Dies spielt zumindest mit. Mit Sigurjónsson, Basic, Djuricin, Nathan und Holzhauser fehlen wichtige Schlüsselspieler. Damit hätte jede Mannschaft Mühe.

Die vielen Verletzten sind wohl auch der Grund, warum Sie derzeit unantastbar sind.

Ja, das stimmt wohl. Aber ich bin noch nicht lange hier. Um mich und die Mannschaft einschätzen zu können, braucht es ein bisschen Zeit. Wir brauchen Geduld.

Es gab in den letzten Jahren viele Spielerwechsel. Wollen Sie diesbezüglich mehr Ruhe?

Ja, GC braucht mehr Kontinuität. Mein Ziel ist es, hier etwas über Jahre aufzubauen. Ich bin kein Trainer, der fest an seinem Job klammert. Aber in den letzten Jahren hat es viele Spieler- und Trainerwechsel gegeben. Kontinuität ist jetzt das Wichtigste. Ich bin überzeugt, dass sich der Erfolg irgendwann einstellen wird.

GC ist zwar Rekordmeister, wird in der Liga aber nur noch als graue Maus wahrgenommen. Warum?

Ich kann nicht für die Vergangenheit sprechen. Aber auch da geht es um Kontinuität. Viele Trainer und Spieler auswechseln, ist diesbezüglich das Schlimmste. Zudem gab es viele Machtkämpfe im oberen Bereich.

Wie nehmen Sie die Machtkämpfe als Trainer wahr?

Die nehme ich gar nicht wahr. Der Verein gibt mir ein gutes Gefühl.

Wichtig für GC ist sicher auch, dass das Stimmvolk Ja zum neuen Stadion sagte.

Ja, das war enorm wichtig. Dies sorgt sicher auch für eine gute Stimmung rund um den Verein.

Eine gute Stimmung kennt man vom Letzigrund nicht. Das ist ganz anders als noch in Hamburg oder Basel.

Das ist leider so. Bei Austria Wien habe ich es aber ähnlich erlebt. Früher spielten wir vor 4000 Zuschauern im riesigen Ernst-Happel-Stadion, wo über 50000 Menschen reinpassen würden. Jetzt mit dem neuen Stadion ist es top, 10000 Zuschauer und eine gute Stimmung. Mit einem neuen Stadion kommen auch bei GC wieder mehr Zuschauer. Soweit plane ich derzeit aber noch nicht. Mein Ziel ist es, dass, wenn ich irgendwann gehe, der Verein eine gesunde Basis hat. Es sollte dann auch nicht ein neuer Trainer kommen, der die Philosophie vorgibt. Der Verein muss die Philosophie bestimmen und den passenden Trainer wählen.

Bei GC klaffen Ansprüche und Realität deutlich auseinander. Das kennen Sie ja bereits von Austria Wien und vom HSV. Zufall?

Ich suche sicher auch immer eine Herausforderung und will etwas aufbauen. Der HSV war Letzter, als ich kam, kein Trainer hat sich dort über längere Zeit halten können. Bei Austria Wien war es genauso. Ich blieb bei beiden Vereinen länger als zwei Jahre.

Kann man Ihre Ex-Klubs mit GC vergleichen?

Ja, die Situation ist sicher ähnlich. Die Vereine leben mit ihren Traditionen. Sie bewahren die Asche, geben aber nicht das Feuer weiter. Die Vereine bewahren ihre Tradition, ohne etwas Neues hinzuzufügen. Da braucht es ein Umdenken. Wir sind bei den Grasshoppers zwar stolz, Rekordmeister zu sein, aber davon können wir nicht leben. Der Verein hat irgendwann Fehler gemacht. Jetzt wollen wir auf zu neuen Zeiten, wir wollen Neues erreichen.

Am Anfang waren Sie sehr euphorisch. Dachten Sie, der Erfolg komme schneller?

Ja, ich habe gedacht, dass es schneller geht. Es ist eine grosse Herausforderung mit den vielen jungen Spielern. So habe ich das noch nie erlebt. Auch bei Austria Wien hatten wir viele junge Spieler, aber um sie herum waren auch mehrere Erfahrene. Und diese Spieler waren nicht verletzt. Doch es fehlen derzeit nur Nuancen. Im Moment will ich gar nicht gross auf die Tabelle schauen.

Warum sind Sie eigentlich nach dem HSV nicht mehr in der Bundesliga gelandet?

Ich habe dreimal ein Angebot von Hannover erhalten. Austria liess mich aber zweimal nicht gehen. Und beim dritten Mal war ich bei Apoel Nikosia, als erneut eine Anfrage kam. Es war aber fünf Runden vor Saisonende, Hannover war auf einem Abstiegsplatz. Das war mir zu risikoreich.

Als Sie frei waren, kamen die Angebote aber nicht?

Nach Austria Wien habe ich auch mit anderen Vereinen gesprochen, etwa mit Vereinen aus der englischen Championship. Nun bin ich bei GC, weil ich weiss, dass ich etwas aufbauen kann.

Eine Rückkehr zum FC Basel war für Sie kein Thema?

Natürlich, Basel war immer mal Thema. Im Sommer 2017 hat sich der FCB für Raphael Wicky entschieden, der aus der Jugend kam und somit der Philosophie vielleicht besser entsprochen hat.

Tut es weh, wenn Sie sich jetzt den FC Basel anschauen?

Es ist schwierig, jetzt über Basel zu reden. Ich habe damals eine super Zeit gehabt bei Basel. Aber ich bin hier bei GC und versuche das gleiche hier hinzukriegen.

Sind Sie ein anderer Trainer als damals?

Ich bin erfahrener. In einem Interview habe ich mal gesagt, dass ich damals furchtloser war. Aber das liegt auch am Team. Mit Basel konnte man viel risikoreicher Fussball spielen, weil wir die Spieler dazu hatten. Würden wir jetzt auch so spielen, würden wir wohl die meisten Spiele verlieren.

Wenig Risiko also gegen Luzern. Welche Erwartungen haben Sie an die Partie?

Ich erwarte ein enges Spiel. Ich denke nicht, dass eine Mannschaft klar besser ist.

Ist es ein Abstiegsduell?

Nein, das würde ich nicht sagen. Es kann auch in die andere Richtung gehen. Luzern hat mit Ihrer Aufholjagd in der letzten Saison gezeigt, was möglich ist. Wichtig ist, dass man weiss, was passieren kann. Aber ich bleibe positiv.

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