«Ich weiss, dass ich nahe dran bin»: Der Toggenburger Langläufer Beda Klee hat für die zweite Saisonhälfte grosse Ziele

Der Langläufer Beda Klee hat sich in Distanzrennen in den Top 30 etabliert. Nun hofft er auf den nächsten Schritt – schon am Wochenende in Nove Mesto.

Interview: Ralf Streule
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«Genau so hart, wie es ausschaut»: So kommentierte Beda Klee in den sozialen Medien dieses Bild seiner Zielankunft auf der Alpe Cermis. Unterdessen ist er bereit für neue Taten. (Bild: Federico Modica, Freshfocus)

«Genau so hart, wie es ausschaut»: So kommentierte Beda Klee in den sozialen Medien dieses Bild seiner Zielankunft auf der Alpe Cermis. Unterdessen ist er bereit für neue Taten. (Bild: Federico Modica, Freshfocus)

Für den Toggenburger Beda Klee ist diese Saison eine besondere. Erstmals war er als A-Kader-Athlet von den ersten Rennen an im Weltcup gesetzt. Nun zieht der 23-Jährige eine erste Saison-Zwischenbilanz: Er freut sich über seine Konstanz, besonders an der Tour de Ski, die er in den Top 30 abschloss. In den zwei Distanzrennen vom Wochenende im tschechischen Nove Mesto will der Wattwiler die Top 20 ins Visier nehmen.

Sie sind in diesem Winter definitiv im Weltcupzirkus angekommen. Sie beendeten die Tour de Ski – und posteten darauf in den sozialen Medien ein Bild Ihres Zieleinlaufs auf der Alpe Cermis mit den Worten: «Genau so hart, wie es ausschaut.» Das härteste Rennen Ihrer Karriere?

Beda Klee: Zumindest ein hartes, ja. Wobei zu Beginn auf der Fläche ziemlich getrödelt wurde, da es für einmal kein Verfolgungsrennen auf die Alpe Cermis war. Aber dann, während des Aufstiegs, gab es 15 Minuten lang keine Sekunde Erholung – das bringt einen an den Anschlag. Mit den vielen Zuschauern war’s dennoch toll. Und langsam, aber sicher bin ich wieder erholt.

Die Tour ging vor bald zwei Wochen zu Ende. Brauchte es so viel Erholungszeit?

Die Tour war schon eine intensive Sache, zumal ich mir anders als im vergangenen Jahr zum Ziel gesetzt hatte, sie zu beenden und unter die ersten 30 zu laufen, was ich mit dem 28. Rang geschafft habe. Viele Rennen in wenigen Tagen, an keinem darfst du zu viel Zeit verlieren – das laugt nicht nur körperlich, sondern auch mental aus. Das geht den meisten Läufern so. Nicht wenige werden nach der Tour krank – und sind auch jetzt noch geschwächt. Insofern geht es mir prima.

Ihr erklärtes Ziel vor der Saison war es, regelmässig in die Top 30 und damit in die Weltcuppunkte zu laufen. Es hat fünfmal gereicht, einige Male nicht. Zufrieden?

Ich kann auf dem Bisherigen aufbauen, vor allem freut mich die Konstanz in den Distanzrennen. Über 10 und 15 km platzierte ich mich stets zwischen dem 26. und 33. Rang. Da weiss ich, dass ich nahe dran bin – und dies in beiden Techniken. Damit bin ich zufrieden in meiner ersten «richtigen» Weltcupsaison. Ich weiss, dass in diesen Rennen Top-20-Plätze in Reichweite liegen. In Lenzerheide hätte es wohl sogar für einen Platz unter den ersten 15 gereicht, hätte ich nicht den Stock bei einem Sturz kurz vor Schluss gebrochen. Doch das gehört halt im Langlauf einfach auch dazu.

Der Sprint hingegen ist nicht Ihre Sache – dies suggerieren zumindest die Resultate.

Ich kann nicht zufrieden sein mit meinen Sprintleistungen. Es geht mir da nicht einmal um Zeit und Ränge, sondern um das Gefühl während den Wettkämpfen. Ich fühlte mich an den Sprints der Tour de Ski zu wenig explosiv. Was sicher auch damit zu tun hat, dass ich viel Ausdauer trainiere, da verliert man gegenüber spezialisierten Sprintern an Spritzigkeit. Dass mir Dario Cologna, der keineswegs auf die Sprintrennen setzt und zehn Jahre älter ist, fünf Sekunden abnimmt, darf aber nicht sein.

Das härtere Training im Sommer mit Cologna und Co., die harte Tour de Ski – das dürfte einem jungen Athleten ziemlich an die Substanz gehen.

Ich fühle mich nicht müder als in anderen Jahren. Im Gegenteil. Das harte Training führt dazu, dass ich mich fitter und nach Rennen weniger ausgelaugt fühle als früher. Vor einem Jahr konnte ich zwischen den Rennen nur wenig trainieren, weil mir die Wettkämpfe zu sehr zusetzten. Das ist nun anders.

Vor einem Jahr war ein elfter Platz Ihr Weltcup-Topergebnis. Was erwarten Sie von sich im weiteren Verlauf der Saison?

Ein Top-20-Resultat wäre schon bald mal wieder angebracht. Am Wochenende in Nove Mesto vielleicht? Da stehen zwei Distanzrennen auf dem Programm. Und es wird wohl so sein, dass einige Athleten nach der Tour noch länger pausieren oder noch nicht ganz fit sind. Da rechne ich mir einiges aus, vielleicht kann ich mich im Einzelstart ja schnellen Läufern anhängen.

Schaut man sich Ihren Jahrgang und Ihre Entwicklung an, kommt man zum Schluss: In ein paar Jahren könnten Sie die Schweizer Nummer eins sein. Dario Cologna ist 33-jährig, direkte Konkurrenten wie Jonas Baumann oder Roman Furger werden bald 30.

Ob ich die nationale Nummer 1 werde, ist mir nicht wichtig. Sollte ein Jüngerer kommen und mich überflügeln, kann ich damit leben. Sollte ich aber dereinst Teamleader werden: Warum nicht? Verantwortung übernehme ich gerne. Derzeit ist es ein Ziel, der beste Schweizer hinter Cologna zu sein, da haben wir unseren internen Wettkampf. Mit Roman und Jonas kann ich mich messen. Und auch wenn es keinen zweiten Cologna aus mir geben sollte: Ein Fernziel bleibt für mich, irgendwann an Grossanlässen um Medaillen kämpfen zu können.