«Ich war noch nie so gerührt»

Im Frühling tritt Vroni Keller als Handballtrainerin des LC Brühl zurück. Morgen startet das Team der 50jährigen St. Gallerin zur zweiten Saisonhälfte. Keller ist seit 1985 beim Frauen-Rekordmeister – zuerst als Spielerin und seit bald zwölf Jahren als Trainerin.

Daniel Good
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Vroni Keller Trainerin LC Brühl (Bild: Urs Bucher)

Vroni Keller Trainerin LC Brühl (Bild: Urs Bucher)

Frau Keller, wie fühlen Sie sich so kurz vor dem Abschied?

Vroni Keller: Es wird mir immer mehr bewusst. Ich werde immer öfter darauf angesprochen. Vor einer Woche kamen viele ehemalige Spielerinnen ohne mein Wissen zu einem Training. Auch jener Abend erinnerte mich stark daran, dass es bald fertig ist mit meinem Traineramt bei Brühl.

Können Sie überhaupt loslassen nach dreissig Jahren bei Brühl?

Keller: Ich gehe dem Handball nicht verloren. Ich realisiere nun aber auch, dass es mir bei manchen Sachen Freude macht, endlich loslassen zu können. Dann denke ich für mich, gut, dass ich das nicht mehr erledigen muss.

In welcher Funktion bleiben Sie beim Handball?

Keller: Hauptsächlich im Verein. Weiterhin biete ich über Mittag wöchentlich dreimal individuelle Trainings an. Ausserdem kümmere ich mich um die Betreuung der Trainer. Wie das genau abläuft, ist aber noch nicht zu hundert Prozent definiert. Dazu ist offen, ob ich Trainerassistentin des Nationalteams bleibe. Das entscheidet der Nationaltrainer.

Müssen Brühls neue Trainer Werner Bösch und Marco von Ow befürchten, von Ihnen mit Ratschlägen überhäuft zu werden?

Keller: Nein. Sie müssen ihre Erfahrungen selber machen. Es ist gut, wenn es mit neuen Trainern neue Impulse gibt. Aber wenn sie mich fragen, gebe ich sicher Tips. Letztlich muss aber das neue Trainergespann mit seinen Strategien vor das Team treten und sie verantworten. Mit neuen Ideen liegt man als Trainer manchmal falsch, aber das kann sich für die weitere Zusammenarbeit positiv auswirken.

Was werden Sie nun mit der freien Zeit machen?

Keller: Ich freue mich sehr, dass ich nun spontan reagieren kann. Und nicht immer sagen muss, wenn man sich kurzfristig verabreden will, ich habe doch Training. Überdies freue ich mich auf die freien Wochenenden.

Zug und Nottwil sind stärker als Brühl. Es ist Ihnen wohl nicht vergönnt, Ihre erfolgreiche Ära mit dem Meistertitel abzuschliessen?

Keller: Wer mich kennt, weiss, dass ich nie aufgebe. So lange es rechnerisch möglich ist, streben wir den Titel an. Aber es wird eine sehr schwierige Aufgabe. Ich bin als Trainerin aber nicht auf Titelgewinne fixiert. Wichtig sind für mich die Entwicklung und der Fortschritt eines Teams. Natürlich ist es schön, wenn wir mit einem Titel belohnt werden. Mir sind jedoch die Sportlerinnen als Menschen wichtiger. Auf das kommt es schliesslich an. Das realisiere ich auch, wenn ich auf meine Zeit bei Brühl zurückblicke. Sehr bewusst wurde es mir beim Training mit meinen ehemaligen Spielerinnen. Sie alle erinnern sich positiv an mich. Das ist doch sehr schön. Ich war noch nie so gerührt.

Im Cup sind Sie auch noch dabei.

Keller: Wir treffen jedoch in der nächsten Runde auswärts auf Nottwil. Auch das wird eine sehr schwierige Angelegenheit. Aber so lange wir Chancen haben, glaube ich daran. Wenn wir den Cup gewinnen wollen, müssen wir auch Nottwil auswärts besiegen können.