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«Ich war ja gar nicht so schlecht»

Evelyne Müller dominierte in den frühen Achtzigerjahren die Radszene bei den Schweizer Frauen deutlich. Mit bis zu 16 Erfolgen in Strassenrennen in einer einzigen Saison. Seit 2006 lebt die mittlerweile 51-Jährige nun in Südafrika.
Ruedi Stettler
Klarer Erfolg im Endspurt: Die Thurgauerin Evelyne Müller holt 1983 an den Schweizer Meisterschaften in Paradiso den Titel souverän. (Archivbild: ky)

Klarer Erfolg im Endspurt: Die Thurgauerin Evelyne Müller holt 1983 an den Schweizer Meisterschaften in Paradiso den Titel souverän. (Archivbild: ky)

RAD. Das neue Leben von Evelyne Just-Müller ist mit dem alten überhaupt nicht mehr zu vergleichen. Im ländlichen Gerlikon aufgewachsen und ab 1983 in Matzingen wohnhaft, heisst seit September 2006 ihr neues Domizil Sommerset West. Die Stadt liegt nur 20 Kilometer von Stellenbosch und lediglich 40 Kilometer vom bestbekannten Kapstadt entfernt. «Mein Mann Rolf und ich wohnen etwas oberhalb der Stadt und blicken direkt aufs Meer», erzählt die Thurgauerin bei ihrem Abstecher in die Schweiz beim gemütlichen Schwatz im Garten der Arcos Bar in Frauenfeld.

Neue und alte Leidenschaft

Nach einer Etappenankunft der Tour de Suisse 1975 in Frauenfeld wurde die junge Evelyne Müller vom Rad-Virus richtiggehend gepackt. Und stellte das Velo erst 21 Jahre später wieder auf die Seite. «Heute fahre ich noch etwa 1000 Kilometer pro Jahr», lacht sie herzlich. Nun setzt sie ihre Prioritäten anders. Die gelernte Schneiderin hat sich zu Hause ein Nähatelier eingerichtet und beliefert einen treuen Kundenstamm von ebenfalls ausgewanderten Europäern. «Nähen war schon immer eine Leidenschaft von mir. Jetzt sind es unter anderem Kleider für Frauen, aber auch Männer zählen zu meinen Kunden», erklärt die am 29. Dezember 51 Jahre alt werdende Auswanderin. Ihr Gatte Rolf beaufsichtigt derweil Häuser, die nur zeitweise bewohnt sind.

Mit 17 an die WM

Noch vor ihrem allerersten Elite-Sieg 1981 durfte Evelyne Müller ein Jahr zuvor als erst 17-Jährige an einer Weltmeisterschaft teilnehmen. Es war der Anfang einer erfolgreichen internationalen Karriere, und es sollten 13 weitere Starts an Titelkämpfen auf der Strasse und der Bahn folgen. 1983 liess sich die Matzingerin in Paradiso als Schweizer Strassen-Meisterin feiern.

«Es war im Tessin mein erster und leider sogleich mein letzter Titel in dieser Sparte. Es kamen später auf der Strasse einmal Silber und zweimal Bronze dazu», blickt die Blondine kurz zurück. Wesentlich besser lief es ihr auf der Bahn, da stand sie zwischen 1994 und 1998 gleich fünfmal zuoberst auf dem Podest.

Zahlreiche Erfolge

Ihr Palmarès zeigt zudem auf, dass sie vor allem 1986 (12 Saisonsiege), 1988 (7), 1989 (16) und 1990 (14) besonders erfolgreich war. Gerne erinnert sich die Thurgauerin an die Tour de France von 1986: «Damals dauerte die Tour für die Frauen noch ganze zwei Wochen. Das war zwar hart, aber ein super Erlebnis. Ich bin stolz, dass ich das Rennen beendet habe.» Als über 30-Jährige nahm Evelyne Müller als «zweite Karriere» ab 1996 an Europameisterschaften und Weltmeisterschaften bei den Masters teil und durfte sich mehrmals als Gewinnerin ausrufen lassen. Auf der Strasse ebenso wie auf der Bahn.

Viel in der Welt herum

Evelyne Müller kam dank des Radsports viel in der Welt herum. Destinationen in den USA, Brasilien, Kolumbien, Japan, Südafrika, Ukraine, Spanien, Italien und einige andere mehr, lernte sie dabei zumindest ein bisschen kennen. In einem dieser Länder wurde sie nun sesshaft und kann gutgelaunt vermelden: «Wir fühlen uns in Südafrika sehr wohl.» Als aktive Radfahrerin hat Müller in der Schweiz dank Sponsoren einem 50-Prozent-Job nachgehen dürfen. Als Profi hätte sie wohl mehr Triumphe anhäufen können. Daran mag sie gar nicht denken: «Wahrscheinlich würde ich mehrheitlich gleich vorgehen.»

Nach einer kurzen Pause merkt die Wahl-Südafrikanerin an: «Die heutigen Radfahrerinnen haben es nicht einfacher, ausser höchstens was die Trainingsmethoden betrifft. Aber jammern will ich überhaupt nicht. Ich habe viel gesehen und viel erlebt. Ja, das war eine tolle Zeit.»

Dann kann sie sich nach einem Schluck Mineralwasser ein Schmunzeln nicht verkneifen: «Mit einer guten Kollegin habe ich einmal zusammengerechnet, was ich auf dem Velo alles erreicht habe. Und ich darf sagen, so schlecht war ich gar nicht.»

Nicht Trainerin werden

Ins Trainer-Metier (einzelne J+S-Kurse hatte sie bereits absolviert) einsteigen wollte Müller darum nicht, «weil ich so wieder jedes Wochenende unterwegs gewesen wäre. Das schreckte mich ein bisschen ab.»

Gibt es in ihrem neuen Leben ruhigere Minuten, setzt sie sich nicht mehr aufs Velo, sondern geniesst ab und zu ein Glas Wein, «denn schliesslich wohnen wir ja mitten in einer grossen Weingegend». Ab dem 2. Juli wird Evelyne Just-Müllers Alltag wieder ein ganz anderer sein, als während dieser Ferienwochen in ihrer alten Heimat. Freuen über ihre Rückkehr werden sich bestimmt auch die vier Zwergkaninchen.

Müller im Schweizer Nationaldress. (Archivbild: Rolf Just)

Müller im Schweizer Nationaldress. (Archivbild: Rolf Just)

Evelyne Just-Müller auf Besuch. (Bild: Hester Gubler)

Evelyne Just-Müller auf Besuch. (Bild: Hester Gubler)

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