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«Ich war ein Publikumsliebling»

Der FC St. Gallen trifft heute auf den Challenge-League-Leader Zürich. Dabei kommt es zum Wiedersehen mit Dzengis Cavusevic und Roberto Rodriguez, die einst für die Ostschweizer spielten. Nicht nur dieser Umstand verspricht Brisanz.
Christian Brägger
Dzengis Cavusevic (links) und Roberto Rodriguez erwarten gegen den früheren Arbeitgeber St. Gallen eine spezielle Partie. (Bild: Samuel Schalch (Saalsporthalle Zürich, 24. Oktober 2016))

Dzengis Cavusevic (links) und Roberto Rodriguez erwarten gegen den früheren Arbeitgeber St. Gallen eine spezielle Partie. (Bild: Samuel Schalch (Saalsporthalle Zürich, 24. Oktober 2016))

Dzengis Cavusevic, Roberto Rodriguez, wie gross ist die Lust, es dem FC St. Gallen heimzuzahlen?

Rodriguez: Das ist für mich die falsche Formulierung. Ich hatte zwei schöne Jahre in St. Gallen und mag den Verein heute noch. Wir wollen einfach weiterkommen. Aber zugegeben, die Partie ist speziell.

Cavusevic: Ich sehe das gleich. Für mich ist es vielleicht noch ein wenig spezieller, ich war bis Sommer ja noch dort. Aber wenn du dann spielst, schaust du sowieso nicht mehr, wer der Gegner ist.

Es war damals eine gute Zeit, auch wenn der Abgang nicht unbedingt schön war?

Rodriguez: Meine angespannte Beziehung zum Club wurde medial gepusht. Im zweiten Jahr war ich natürlich enttäuscht, dass ich nicht oft spielte. Ich fand meine Leistungen gut, erzielte Tore, auch als Einwechselspieler. Mir fehlte vielleicht die Reife, meine Unzufriedenheit nach aussen hin zu verbergen. Heute würde ich das wohl nicht mehr so machen. Ich war ja damals ein Publikumsliebling – speziell die Anhänger und Präsident Dölf Früh schätze ich noch immer. Zwischen Jeff Saibene und mir hat es schon «gekribbelt», aber nach meinem Abgang hatten wir wieder Kontakt. Zwischen uns ist alles gut.

Herr Cavusevic, wie war es bei Ihnen mit Joe Zinnbauer?

Cavusevic: Er hatte seine Philosophie und hat mich nicht in seinem Konzept gesehen. Ich habe nichts gegen den Verein und hatte dort tolle Jahre.

Herr Rodriguez, Sie wechselten im Sommer 2015 dann zu Novara und später zu Fürth.

Rodriguez: Sportlich war jene Saison schlecht. Zudem verstarb meine Mutter, es ist damals einfach alles zusammengekommen. Es war nicht leicht, dass die Familie ihre Krankheit verstecken musste. Doch ich habe persönlich viel gelernt, ich sah den italienischen und deutschen Fussball.

In Zürich habe Sie sofort reüssiert. Wieso gerade dort?

Rodriguez: Ich spüre das Vertrauen des Clubs. Trainer Uli Forte wollte mich unbedingt. Er verlangt, dass ich ein Vorbild bin für die Jungen. Ich will mich aber nicht in den Vordergrund stellen. In St. Gallen war das noch anders.

Herr Cavusevic, die NZZ schrieb, bei Ihnen hätte die Anpassung an den FC Zürich überraschend lange gedauert.

Cavusevic: Ich komme jetzt häufiger von Beginn weg zum Einsatz, weil Armando Sadiku leider verletzt ist. Aber ich war von Anfang an zufrieden hier, auch wenn ich nicht oft gespielt habe. Ich weiss, dass ich hier eine bestimmte Rolle habe. Wenn man gewinnt, ist man stets zufrieden.

Als Sie in der Europa League das 2:1 gegen Osmanlispor erzielten, haben Sie geweint.

Cavusevic: Es war emotional für mich, weil ich ja einen Penalty verschossen hatte. Ich hatte nur noch im Kopf, dass wir dieses Spiel ja nicht verlieren dürfen, weil wir besser waren. Als ich traf, kamen dann die Gefühle hoch.

Rodriguez: Du hattest einfach Freudentränen.

Wie schwer fällt der Spagat zwischen Villarreal und Schaffhausen oder Le Mont?

Cavusevic: Forte hat mir im ersten Gespräch gesagt, dass dies die grösste Herausforderung sein wird. Denn auch in der Challenge League braucht es alle Kräfte, um erfolgreich zu sein. Vielleicht ist es für den einen oder anderen manchmal ein wenig schwieriger, sich dort zu motivieren.

Rodriguez: Es ist alles eine Kopfsache. Diese beherrschen wir bis jetzt perfekt. Die Europa League ist einfach nur schön, ein Dessert.

Empfinden Sie die Europa League heute anders als damals mit St. Gallen?

Rodriguez: Nein. Es ist dasselbe. Wir hatten mit St. Gallen aber die attraktiveren Gegner.

Gemeinsam in Wil, St. Gallen und jetzt in Zürich. Auch Forte hat zeitversetzt in diesen Clubs gearbeitet. Zufall?

Rodriguez: Das ist auch für uns speziell. Aber das ist purer Zufall. Cavusevic: Als ich in St. Gallen war, habe ich dem Club gesagt, er soll Roberto holen. (lacht)

Wie erleben Sie beide Forte?

Cavusevic: Er ist stark auf der persönlichen Ebene. Er vermittelt so ein gutes Gefühl, und dann passt es auch im Job. Als ich nicht oft spielte, hat er stets mit mir geredet. So etwas kannte ich vorher nicht. Nur schon deshalb bin ich froh, beim FC Zürich zu sein.

Rodriguez: Dzengis will damit sagen, dass er alle, auch die Verletzten und die Ersatzspieler mit ins Boot nimmt. Wir sind eine Mannschaft. Unser Zusammenhalt ist top. Jeder geht für jeden.

Fällt es leichter, im geschützten Bereich der Challenge League neu zu beginnen?

Rodriguez: Der Druck ist brutal. Als FC Zürich musst du jedes Wochenende gewinnen. Viele unterschätzen die Liga. Aber ja, wir können uns hier entwickeln.

Zumal der Aufstieg ein Selbstläufer ist. Man könnte auf ihn 100 Franken wetten.

Cavusevic: Wenn man aber nur 100 Franken setzen will, ist man sich nicht so sicher. (lacht)

Ist St. Gallen ein Gradmesser dafür, ob Zürich schon wieder bereit ist für die Super League?

Rodriguez: Alle sagen uns, wir hätten eine Super-League-Mannschaft. Genau in diesem Spiel können wir nun zeigen, dass die Leute recht haben.

Sie könnten die Ostschweizer noch tiefer in die Krise stürzen.

Cavusevic: Ich bin nicht im Dilemma. Ich schaue auf uns und auf mich. Ich spiele nicht gegen St. Gallen, sondern ich spiele für Zürich. Und da interessiert es mich nicht, ob die Krise der Ostschweizer danach grösser ist. Auch wenn ich hoffe, dass sie aus dem Tief herausfinden. Aber erst nach unserem Spiel.

Was sagt Ihr Freund Danijel Aleksic über St. Gallen?

Cavusevic: Das ist privat. Ich weiss, wie es dort läuft, und wenn wir reden, verstehe ich ihn.

Sie spielen mit Herz und Leidenschaft. Es gibt Leute, die sagen, man hätte euch behalten sollen.

Rodriguez: Das würde man auch zu jenen St. Gallern sagen, die jetzt weggehen und beim neuen Verein dann reüssieren würden.

Cavusevic: Wenn du gegangen bist, finden es die Leute schade. Wenn du dort bist und es läuft schlecht, dann verfügst du über zu wenig Qualität.

Ist der FC Zürich heute Favorit?

Rodriguez: Nein. St. Gallen ist der Super-League-Club.

Cavusevic: Was reden wir jetzt über Favoriten? Es ist alles möglich. Wir wollen gewinnen, diese Mentalität werden wir brauchen.

Rodriguez: Die Europa League gewinnen wir ja wahrscheinlich nicht. Aber hier sind wir Titelverteidiger und wollen so weit wie möglich kommen.

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