«Ich stehe nicht mehr am Rand der Klippe»

Nachgefragt

Sergio Dudli
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Nach einer schwierigen ersten Saison mit wenig Eiszeit und dem Pfeifferschen Drüsenfieber hat Timo Meier in dieser Spielzeit den Sprung zum NHL-Spieler geschafft. Mit 36 Skorerpunkten bei nur einem verpassten Spiel gehört der 21-jährige Herisauer zu den grössten Entdeckungen bei den San Jose Sharks. Vor dem Playoff-Start gegen die Anaheim Ducks erklärt Meier, warum es ihm plötzlich läuft, und was er von der heissesten Phase der Saison erwartet.

Timo Meier, was zeichnet die San Jose Sharks in dieser Saison aus?

Wir verfügen über vier sehr ausgeglichen starke Linien, die Tore erzielen können. In einer so langen Saison ist es ein grosser Vorteil, dass jede Linie regelmässig forciert wird. So haben wir alle in den entscheidenden Momenten wie jetzt im Playoff mehr Kraft. Zudem sind wir defensiv sehr robust und haben mehrere Spieler in unseren Reihen, die den Unterschied ausmachen können.

Ihr trefft im Playoff in der ersten Runde auf die Anaheim Ducks. Was erwarten Sie für eine Serie?

Es wird vor allem physisch sehr anspruchsvoll. Anaheim hat viele grosse Spieler, die eine gewisse Härte mitbringen. So kommen immer Emotionen ins Spiel. Zudem herrscht zwischen San Jose und Anaheim eine grosse Rivalität. Es wird ein harter Kampf, keine Mannschaft will auf dem Eis etwas verschenken.

Sie selber haben nach einer schwierigen ersten Saison zulegen können. Wie zufrieden sind Sie bis hierher?

Mit dem zweiten Teil der Saison bin ich zufrieden, der Start hingegen war etwas holprig. Aber ich habe in allen Belangen Fortschritte machen können. Entscheidend ist sicherlich, dass ich vor allem in der Offensive mehr Vertrauen in meine Fähigkeiten habe und mir mehr zutraue.

Wieso ist der Knoten geplatzt?

Ich erhalte mehr Eiszeit als in der Vorsaison, dadurch habe ich mehr Selbstvertrauen. Ich stehe nicht mehr am Rand der Klippe und habe Angst, bei einem Fehler oder einem schwachen Spiel aus dem Team zu fliegen. Jetzt kann ich befreiter aufspielen, mir mehr erlauben und etwas riskieren. So habe ich vielleicht das Glück auf meine Seite gezwungen.

Sie haben 21 Tore erzielt. Hat sich Ihre Rolle im Team verändert?

Du erarbeitest dir mehr Respekt, wenn du Tore erzielst. So läuft das im Sport. Menschlich habe ich mich durch die Tore nicht verändert, ich bin der Gleiche geblieben. Die Erfahrungen aus der vergangenen Saison, als ich zwar nicht schlecht gespielt habe, die Tore aber ausgeblieben sind und ich gesundheitliche Probleme hatte, helfen mir nun weiter.

Sie haben bereits über 80 Spiele bestritten. Wie holt man sich für das Playoff die nötige Kraft?

Die Spiele und das Reisen sind anstrengend, der Körper wird dadurch extrem belastet. Aber eine Playoff-Teilnahme gibt dir einen zusätzlichen Motivationsschub, da du als Spieler monatelang auf dieses Ziel hingearbeitet hast.

Interview: Sergio Dudli