«Ich sehe kein Limit für mich»

Nachdem sie 2013 an den US Open bei den Juniorinnen im Viertelfinal stand, wiederholt Belinda Bencic diese Leistung bei den Grossen. Die 17jährige Ostschweizerin geniesst den Erfolg – und strebt nach mehr.

Marcel Hauck/New York
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Belinda Bencic kann ihr Glück nach dem Sieg in den Achtelfinals kaum fassen. (Bild: ap/Elise Amendola)

Belinda Bencic kann ihr Glück nach dem Sieg in den Achtelfinals kaum fassen. (Bild: ap/Elise Amendola)

Frau Bencic, müssen Sie sich nach dem Sieg im Achtelfinal gegen Jelena Jankovic manchmal ein wenig kneifen, um zu begreifen, dass das kein Traum ist?

Belinda Bencic: Ja, irgendwie schon. Ich glaube, ich realisiere erst später, was passiert ist.

Fühlten Sie vor Ihrem ersten Spiel im Arthur Ashe Stadion keinen Druck?

Bencic: Überhaupt nicht. Aller Druck lag bei Jankovic, sie musste gewinnen, ich konnte es geniessen. Wenn ich nicht gewonnen hätte, hätte ich in Zukunft noch viele Chancen gehabt.

Sie sind die jüngste Viertelfinalistin an den US Open seit Martina Hingis, als sie 1997 hier gewann. Verrückt, nicht?

Bencic: Wirklich? Das wusste ich nicht. Das ist schon der Wahnsinn, darauf bin ich sehr stolz.

Sie werden immer wieder auf Hingis angesprochen und mit ihr verglichen. Nervt das nicht langsam?

Bencic: Nein, das ist eine Ehre. Ich versuche natürlich, ich selber zu sein und mein eigenes Spiel zu entwickeln. Es ist sehr schön, dass mich die Leute mit ihr vergleichen, aber das ist einfach nicht möglich. Sie hat eine so wunderbare Karriere gehabt.

Wo, haben Sie das Gefühl, liegen Ihre Limiten?

Bencic: Ich weiss nicht. Es gibt keine Limiten, alles ist möglich.

Sie wehrten im ersten Satz drei Satzbälle ab. Was ging Ihnen durch den Kopf?

Bencic: Ich hatte auch hier nichts zu verlieren. Es war ähnlich wie gegen Kerber (Anmerkung der Redaktion: sie wehrte fünf Satzbälle ab). Ich hätte auch sonst im zweiten oder dritten Satz weitergekämpft. Ich spielte wie bei einem normalen Punkt und dachte nicht zu stark an den Spielstand.

Sie haben mit Jankovic zum erstenmal eine ehemalige Weltnummer eins besiegt. Was bedeutet Ihnen das?

Bencic: Es macht mich extrem stolz. Sie ist eine Spielerin, der ich schon lange sehr gerne zugeschaut und die ich im Fernsehen bewundert habe.

Welche Ratschläge hat Ihnen Martina Hingis vor dem Spiel gegeben?

Bencic: Sie spielte ja selber schon gegen Jankovic und kennt sie sehr gut. Sie sagte mir, ich müsse in den Grundlinienduellen dagegen halten und auf ihre Longline-Rückhand aufpassen. Ich war also gewarnt und versuchte, vor allem auf ihre Vorhand zu spielen.

Wie haben Sie das Stadion erlebt?

Bencic: Unglaublich. Zu Beginn war ich zu beeindruckt und überwältigt, so dass ich nicht gut spielte. Dann gewöhnte ich mich daran. Ich hatte am Samstag im Stadion trainiert, da war es natürlich leer. Aber ich war da schon beeindruckt.

Was ist besonders beeindruckend?

Bencic: Alles ist so gross, da scheint der Platz ganz klein und das Netz irgendwie kürzer. Dann die Bildschirme, alles ist einfach riesig.

Der Rummel wird nun immer grösser . . .

Bencic: Ja, der Stress nach den Spielen ist schon grösser geworden. Normalerweise konnte ich gemütlich ins Gym, in die Massage, jetzt reichte es gerade mal schnell für ein Eisbad, eine Flash-Massage und kurz aufs Velo. Aber das gehört dazu, daran muss man sich gewöhnen.

Ist es Ihnen wichtig, dass Sie bei den Leuten im Stadion so gut ankommen?

Bencic: Ja, sehr wichtig. Das motiviert mich unheimlich, wenn mich die Leute anfeuern und unterstützen. Das ist ein super Gefühl. Dass die Leute so begeistert sind von meinem Spiel, macht mich extrem stolz.

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